Südtirol - Karersee/Dolomiten

Zum Karersee und durch die Dolomiten

Die schroffen Wände des Latemar am Karersee

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Nach der doch recht anstrengenden Wanderung am Vortag (Rundwanderung vom Fonteklaus) stand am Folgetag  Erholung für die Gehwerkzeuge auf dem Programm. Beim Studium unserer Reiseführer sowie weiterer Publikationen, die im Hotel auslagen, waren wir auf den einen oder anderen netten Bergsee aufmerksam geworden, der es an Schönheit durchaus mit den Perlen der kanadischen Rocky Mountains (z.B.Lake Louise, Emerald Lake) aufnehmen können sollte. Einer dieser Kandidaten war der Karersee, ein ständig kleiner werdendes, aber gleichwohl feines, smaragdgrün schillerndes Exemplar. Im Anschluss bot sich eine Tour durch die Dolomiten an, was uns allerdings aus Südtirol hinaus in die Nachbarprovinz Trient führen würde.

Die Fahrt führte zunächst auf der Autobahn bis kurz vor Bozen, dann über die Nationalstraße 241 ('Große Dolomitenstraße') in Richtung Welschnofen/Nova Levante. Schon hier (und erst recht in den Dolomiten) steht fast alles im Zeichen des Wintersports. Welschnofen ist eine reine Feriensiedlung und muss daher nicht zwingend besichtigt werden. Somit fand unser erster Halt nach einer guten Stunde am Karersee statt.

Der Karersee liegt auf einer Höhe von 1.519 m, ist ca. 3 ha groß und ist Naturschutzgebiet. Er gilt als einer der schönsten Bergseen der Alpen - was wir mangels entsprechender Vergleichsmöglichkeiten mal einfach so stehenlassen wollen. Der See liegt nur einen Steinwurf von der Hauptstraße entfernt etwas unterhalb von selbiger. Ein kostenpflichtiger Parkplatz und eine kleine 'Kirmes' (Fress- und Souvenirbuden) machten klar, dass es sich hier keinesfalls um einen kaum bekannten Geheimtipp handelte. Wir entrichteten mangels Alternativen also brav 2 Euro Parkgebühr und folgten dem internationalen Touristenstrom zum See.

Karersee

Nach Überquerung der Hauptstraße führte ein kurzer Abstieg einen bewaldeten Hang hinunter zum Objekt der Begierde. Da das Wetter einigermaßen mitspielte und sich häufiger die Sonne zeigte, erlebten wir tatsächlich die smaragdgrüne Farbenpracht des Sees in voller Schönheit. Allerdings ist der Karersee im Vergleich zu den erwähnten kanadischen Exemplaren doch eher klein - erst recht zu dieser Jahreszeit, zu der er so wenig Wasser führt, dass man aus einer bestimmten Perspektive den Eindruck hat, es handele sich um zwei kleine Seen:

Karersee

Da der See - aus sicherlich guten Gründen - zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, kommt man nicht ganz bis ans Ufer. Wo der Wald kein natürliches Hindernis darstellt, wurde ein Zaun errichtet. Um den See herum wurde ein Spazierweg angelegt, auf dem man ihn - ohne Abstecher zu den Aussichtspunkten - in lediglich einer halben Stunde umrunden kann. Wir nahmen uns eine knappe Stunde Zeit, um den See in aller Ruhe aus allen möglichen Perspektiven in Augenschein zu nehmen, was sich durchaus lohnte, wie ein Blick ins Fotoalbum beweist. Da wir aber nicht vorhatten, die nähere Umgebung per Wanderung zu erkunden, gönnten wir uns noch eine kleine Erfrischung und setzten unseren Ausflug in Richtung Pozza di Fasso fort.

Recht bald verließen wir Südtirol über den Karerpass und befanden uns nun in der Provinz Trient/Trento, die gemeinsam mit Südtirol/Alto Adige die autonome Provinz Trentino-Alto Adige bildet. Unser Ziel war Canazei, von wo aus wir mit der Seilbahn auf den Col Rodella fahren wollten, um uns von dort das zu den Dolomiten gehörende Bergmassiv der Langkofelgruppe anzusehen, das sich bis auf 3.181 m erhebt. Auf dem Weg dorthin durchfuhren wir einen Wintersportort nach dem anderen - einer langweiliger und ohne Schnee und Wintersporttouristen trister als der nächste.

In Canazei angekommen, standen wir zunächst ein wenig ratlos vor den Plänen an der Talstation der Seilbahn herum, bis wir feststellten, dass wir hier falsch waren. Ein genauerer Blick in den Reiseführer ergab, dass wir zurück nach Campitello di Fassa mussten, um von dort die Seilbahn zu nehmen. Gesagt, getan. Dort hatten wir die riesige, 110 Personen fassende Kabinenseilbahn ganz für uns allein - zusammen mit dem Gondelführer, der uns wie ein Skilehrer in der Sommerpause vorkam.

In knapp 10 Minuten transportierte uns das Ungetüm auf knapp 2.500 m Höhe. Erst ging es ziemlich steil am Hang hoch, dann - hinter dem entsprechenden Mast fing die Kabine heftig an zu schaukeln, was der Seilbahnführer dadurch auszugleichen wusste, dass er sich quasi als Gegengewicht an das andere Ende der Kabine begab - gemächlich weiter bis zur Bergstation. Nach dem Verlassen der Seilbahn mussten wir uns erst einmal warm anziehen - ganz schön frisch hier oben!

Blick auf die Langkofelgruppe

Bevor wir die Station verließen, machte uns der Seilbahnführer uns noch auf ein paar Murmeltiere aufmerksam, die sich am Hang unterhalb der Station tummelten. Später entdeckten wir noch zahlreiche weitere.

Von der beeindruckenden Aussicht einmal abgesehen, konnte man hier gut erkennen, wie der Wintersport in der Bergwelt seine Spuren hinterlässt. Auf den tristen Wiesen waren noch deutlich die Spuren der Pisten zu erkennen. An vielen Stellen musste der Boden großflächig mit Maschendraht gesichert werden, wohl damit er nicht zu sehr erodiert. Die Nebensaison wurde schließlich ausgiebig dazu genutzt, die Schlepplifte und die Berghütte für den Winter wieder in Schuss zu bringen.

Wintersportanlagen am Col Rodella

Wir liefen ein wenig umher, doch nach größeren Auf- und Abstiegen stand uns nicht der Sinn, da uns ja noch die Wanderung vom Vortag in den Knochen steckte. So genossen wir die Aussicht, schossen zahlreiche Fotos...

Blick hinunter nach Campitello

... und gönnten uns schließlich ein heißes Getränk in der glücklicherweise geöffneten Berghütte.

Berghütte am Col Rodella

Schließlich fuhren wir mit der Seilbahn, die wir diesmal mit einigen anderen versprengten Touristen teilen durften, wieder ins Tal.

Der Rest der Tour ist schnell erzählt, auch wenn sich das Ganze noch einige Stunden hinzog. Wir wollten zum einen über das Pordoijoch (Passo Pordoi) fahren, über das die mit 2.239 m zweithöchste asphaltierte Passstraße in den italienischen Dolomiten führt. Danach wollten wir uns der Wintersportregion nähern, in der ich seinerzeit mit der Schulklasse einen Winterurlaub verbracht hatte (im schönen La Villa). Nach kurzer Zeit fing es jedoch heftig an zu regnen, schließlich brach auch ein Gewitter los. So schraubten wir uns im strömenden Regen in zahllosen Serpentinen bis auf die Passhöhe und dann wieder hinunter in Richtung Alta Badia. Schließlich erreichten wir Corvara, schon ganz in der Nähe von La Villa. Dort sprangen wir kurz in einen Supermarkt, zu mehr hatten wir in dem anhaltenden Regen keine Lust.

Mit Blick auf die Uhr entschlossen wir uns dann, den direkten Weg nach Klausen zu nehmen und auf den 'Abstecher in die Vergangenheit' zu verzichten. Dabei durchfuhren wir mehr oder weniger die gesamte Wintersportregion Gröden bzw. Grödnertal/Val Gardena, bis wir schließlich passend zum Abendessen wieder im Fonteklaus eintrafen.

Fotoalbum Karersee und Dolomiten

(in Kürze wieder verfügbar)

 

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