Südtirol - Durch das Vinschgau

Durch das Vinschgau
Schlanders, Reschensee und Stilfserjoch

Typische Landschaft im Vinschgau

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An jenem Tag hatten wir uns viel vorgenommen: das Hauptziel des Tages hieß erst einmal 'Vinschgau' - jene Gegend, die sich westlich von Meran in einem relativ breiten Tal erstreckt und die das Hauptanbaugebiet für die allseits bekannten Südtiroler Äpfel und einen Gutteil des Weins darstellt. Wir wollten es bis zum Reschensee schaffen, wo man den 'weltberühmten' halb versunkenen Kirchturm bestaunen kann. Und schließlich beschlossen wir im Laufe der Fahrt sogar noch, zum Stilfserjoch hinauf zu fahren. Was wir jedoch tatsächlich schafften - dazu später.

Die Anreise erfolgte erneut über die Autobahn bis Bozen und dann weiter auf der MeBo - letztere fuhren wir diesmal bis zu ihrem Ende hinter Meran. Vorbei an der einzigen Südtiroler Brauerei (Forst) umfuhren wir einige Ausläufer der Ortlergruppe, bevor wir auf der Höhe von Partschins das breite Tal des Vinschgau erreichten. Dieses Tal wird vom Ursprung am Reschenpass bis zur Talstufe an der Töll bei Partschins von der Etsch (Adige) durchflossen. Dies entspricht einer Strecke von rund 75 km, wobei ein Höhenunterschied von 1000 m überwunden wird.

Bei strahlendem Sonnenschein rauschten die Apfel- und Weinplantagen an uns vorbei. Nach Naturns, Kastelbell-Tschars und Latsch erreichten wir schließlich mit Schlanders unser erstes Etappenziel.

Sträßchen in Schlanders

In Schlanders gibt es ein Krankenhaus, den Sitz der Talgemeinschaft, es ist wichtigster Einkaufsort und ein Verkehrsknotenpunkt - was es unter dem Strich zum wichtigsten Ort des Vinschgaus macht. Wahrzeichen ist der weithin sichtbare überspitzte Turm der Pfarrkirche, der es auf eine Höhe von 96 m bringt. Außerdem gibt es noch die Schlandersburg und hoch über der Stadt das 'trutzige' Schloss Schlandersberg. Tjo, und damit ist im Grunde auch schon alles wichtige über den Ort gesagt. Wie fanden es ganz nett dort und liefen ein gutes halbes Stündchen dort umher. Da gerade Mittagszeit war, präsentierte sich der Ort noch verschlafener als vermutlich sonst schon und so machten wir uns bald wieder auf den Weg.

Weiter ging es über Laas, Schluderns, Mals und schließlich St. Valentin an der Haide (an das sich Silke unter dem italienischen Namen San Valentino alla Muta noch recht gut erinnerte, weil sie dort vor mehr als zehn Jahren mal einen 'denkwürdigen' spontanen Spätwinterurlaub in einem Gästezimmer über einer Metzgerei verbrachte) nach Reschen. Bereits kurz hinter St. Valentin begann der Reschensee, der mit seinem 'versunkenen Kirchturm' unser vorläufiges Endziel sein sollte.

Gasthof in Reschen

Reschen ist ein 'Straßenort' - also einer, der im Wesentlichen aus ein paar Häusern besteht, die alle an einer Straße liegen. Außer einem Gasthaus, das unmittelbar vor einem Tunnel liegt, und einer Seilbahn, die einen in das Almgebiet Schöneben (2.000 - 2.300 m) bringt, gibt es hier nicht viel Aufregendes - außer dem ollen versunkenen Kirchturm natürlich.

Wir stellten unser Auto ab und liefen zunächst in Richtung See, den berühmten Kirchturm (rechts im Bild) fest im Blick:

Reschensee mit versunkenem Kirchturm (rechts)

Nun waren es nur noch wenige Schritte bis zu einem der vermutlich meistabgelichteten Fotomotive in Südtirol:

Versunkener Kirchturm im Reschensee

Da war er nun: der versunkene Kirchturm. Ganze Busladungen strömten vom Info-Zentrum hinter dem Tunnel hierher, um sich dieses Spektakel aus der Nähe anzusehen - denn wo gibt es das schon: ein Kirchturm, der halb aus dem Wasser eines Stausees ragt? Der Kirchturm ist der einzige Überrest des alten Ortes Graun, der ab 1949 gemeinsam mit Teilen von Reschen dem aufgestauten Reschensee zum Opfer fiel (und ein paar Meter weiter neu aufgebaut wurde). Das Infozentrum kündet davon, wie seinerzeit die faschistische Regierung Italiens schon 1939 ohne Information der Bevölkerung die Aufstauung der Naturseen Reschen- und Mittersee um 17 Meter beschloss, die Bewohner der betroffenen Orte ab 1949  zwangsenteignete und -auswanderte bzw. für zwei Jahre in ein Barackendorf aussiedelte, alle Gebäude bis auf den Kirchturm (den man aus Denkmalschutzgründen stehenliess) sprengte und das Gebiet schließlich 1950 flutete.

Zumindest beim zum Zeitpunkt unserer Besichtigung herrschenden Wasserstand konnte man sich des Eindrucks jedoch nicht erwehren, dass hier ein touristischer Anziehungspunkt künstlich am Leben gehalten wird. Der Turm steht nämlich nicht irgendwo 'mitten im See', sondern ganz am Rand in einer Art Becken, das mit Mauern eingefasst ist und dessen im Vergleich zum eigentlichen See deutlich höherer Wasserspiegel durch Wasserzuflüsse künstlich hochgehalten wird. Auf dem nachfolgenden Foto sieht man den Turm vom 'Überlauf' dieses Beckens aus - da könnte man fast meinen, er steht direkt am Ufer:

Versunkener Kirchturm im Reschensee

Nachdem wir den Turm pflichtschuldig aus allen erdenklichen Perspektiven betrachtet und fotografiert hatten, vergnügten wir uns noch ein wenig am Strand. Dann wollten wir noch ein wenig am See entlangspazieren, doch schon nach einem kurzen Stück endete der Uferweg und wir kehrten wieder um. Der See ist im Übrigen ein Paradies für Paraglider, die auch überall zu sehen waren:

Reschensee

Nach dem ganzen Umhergelaufe verspürten wir Lust auf einen kleinen Imbiss und begaben uns auf die Sonnenterasse des Gasthofs, wo wir ein leckeres Stück Kuchen serviert bekamen. So gestärkt beschlossen wir, nun zwar den Rückweg anzutreten, aber noch auf den Stilfserpass hinaufzufahren - immerhin der mit 2.757 m zweithöchste Alpenpass. Kurz hinter Schluderns, in einem kleinen Nest namens Spondinig zweigt die Straße in Richtung Trafoi ab, wo dann die eigentlich Passstraße beginnt. Hinter Trafoi schraubt sich die Straße in 48 nummerierten, größtenteils sehr engen Kehren auf den Pass hinauf.

Trafoi, im Hintergrund das Ortlermassiv

Schon in Trafoi war uns im Grunde klar, dass die Weiterfahrt sinnlos war - es war kaum mehr zeitlich zu schaffen, bis auf die Passhöhe zu fahren und noch halbwegs rechtzeitig zum Abendessen im Fonteklaus zu sein. Dennoch testeten wir die Passstraße mal kurz an. Bei Kehre No. 10 konnten wir folgenden Erkenntnisgewinn verzeichnen: 1. die Kehren sind wirklich verdammt eng, 2. bis oben dauert es mindestens noch eine Dreiviertelstunde, 3. Gottseidank haben wir keinen Gegenverkehr und 4. Wenden ist hier gar nicht so einfach. Letzteres konnten wir doch irgendwie bewerkstelligen und traten damit endgültig die Heimreise nach Klausen an.

Fotoalbum Vinschgau

Schlanders: Rathaus

Reschensee: Strand in Reschen

Reschensee

Reschensee: Wolkenformation

Reschensee: Maddy schließt Bekanntschaft

Reschensee: Blick auf Reschen

Schlanders

Schlanders: Durchgang an der Kirche

Schlanders: überspitzter Kirchturm

Reschensee

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