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Wanderung zum Wasserfall Risco und zu den 25 Fontes

Verabredungsgemäß war der heutige sechste Urlaubstag wieder ein Wandertag. Da wir unsere Wanderleistung langsam steigern wollten, entschieden wir uns für die Wanderung zum Wasserfall Risco sowie zu den '25 Fontes' (25 Quellen). Ausgangspunkt hierfür ist Rabaçal - ein Ausflugsgebiet, das im Wesentlichen aus einem Gemeinschaftshaus sowie einem Picknickplatz besteht. Es liegt im Westen der Insel und ist über die Hochebene Paúl da Serra zu erreichen. Der Ausflug - eigentlich sind es zwei kleine Wanderungen - ist bei John und Pat unter den beiden beschriebenen Kurzwanderungsvarianten der Wanderung 37 zu finden.

An dieser Stelle vielleicht mal ein paar Worte zur Auswahl der Wanderungen aus dem Wanderführer: es ist gar nicht so leicht, reizvolle und von der Länge her passende Wanderungen zu finden, bei denen nicht auch noch Schwindelfreiheit und/oder Trittsicherheit erforderlich ist. Nach meiner Erinnerung gab es beispielsweise bei dieser Wanderung vor 10 Jahren überhaupt keine Probleme, gleichwohl findet sich bei John und Pat der Hinweis, dass die Strecke früher 'sehr schwindelerregend' gewesen sein soll, was aber durch neu errichtete Holzzäune nun gemindert werde. Wie wir die Strecke jetzt empfanden... dazu später mehr.

Da wir die Erfahrung gemacht hatten, dass man den Südwesten wesentlich schneller über die Autobahn und die gut ausgebaute Küstenstraße erreicht als über den augenscheinlich kürzeren Weg über São Vicente, entschieden wir uns, zunächst bis Calheta an der Südküste zu fahren und dann nach Norden Richtung Rabaçal einzuschwenken.

Nach zügiger Fahrt erreichten wir Calheta in ca. 75 Minuten. Dort folgten wir einem Hinweisschild nach Rabaçal. Von nun an ging es stetig ansteigend in Richtung Norden. Wir wurden ein wenig stutzig, als wir mitten durch ein kleines Wohngebiet geleitet wurden, nach dem die Straße sehr schmal wurde und schließlich durch ein großes Waldgebiet führte. Auch das Fehlen weiterer Hinweisschilder machte uns unsicher, zumal sich die Fahrt immer weiter hinzog und ich schon mehrfach glaubte, wir wären schon am Ziel. Schließlich stießen wir aber doch auf die ER110, die quasi quer über die Hochebene Paúl da Serra (die wir nach kurzer Zeit nur noch 'den Paul' nannten) führt. Hier wies (endlich wieder) ein Hinweisschild nach rechts. Nach wenigen Kilometern lag links ein großer Parkplatz, der auch nahezu voll war. Wie sich herausstellte, lag er am Beginn der Zufahrtsstraße nach Rabaçal, die jedoch mit einer Schranke versperrt war. Da ich - wieder so eine getrübte Erinnerung - glaubte, es müsse noch eine andere Zufahrt geben, sind wir noch einige Kilometer auf der ER110 auf und ab gefahren, jedoch ohne Ergebnis. Also blieb uns nichts anderes übrig, als uns in unser Schicksal zu fügen: wenn wir die Wanderung machen wollten, mussten wir die etwa 2km lange Zufahrtsstraße nach Rabaçal hinunter laufen. Erschwerend kam hinzu, dass Rabaçal etwa 160m tiefer lag als der Parkplatz - auf dem Rückweg würde es also anstrengend werden. Da wir schon mal da waren...

Auf dem Paul war es ziemlich kalt - etwa 10° - und wolkenverhangen. Das ließ wettermäßig auch für den Hauptteil der Wanderung wenig Hoffnung auf wärmenden Sonnenschein aufkommen. Mutig stapften wir los. Die schmale, aber offensichtlich erst vor kurzem frisch geteerte Straße führte mit wenig Gefälle in weiten Bögen nach Rabaçal hinab. Der Gedanke, dass man all dies am Ende der Wanderung wieder hinauflaufen musste, verdarb uns schon ein wenig die Stimmung. Bei John und Pat findet sich übrigens der Hinweis, diese Straße sei für Autofahrer 'haarsträubend'. Das ist absoluter Blödsinn. Sie ist bei weitem nicht so 'haarsträubend' wie einige ähnlich schmale Straßen an der Nordostküste und bietet ausreichend Ausweichmöglichkeiten.

Nach etwa 25 Minuten erreichten wir Rabaçal. Ein Erdweg, der zu Silkes Leidwesen noch ein bisschen weiter bergab ging, führte uns zur Levada do Risco. An dieser entlang wanderten bequem in etwa 20 Minuten zum Wasserfall 'Risco'.

Der Wasserfall Risco

Nun ist Risco nicht mit dem Rheinfall von Schaffhausen und schon gar nicht mit den Niagarafällen zu vergleichen: aus etwa 100m Höhe stürzt ein eher schmales Rinnsal über die Levada hinweg in ein Wasserbecken - auf Madeira ist eben vieles ein bis zwei Nummern kleiner. Man kann ziemlich nah an den Wasserfall herangehen, bevor die Levada in einem Tunnel verschwindet, der für Fußgänger gesperrt ist:

Levada am Wasserfall Risco

Die Levada führt die Schlucht entlang im Tunnel unter dem Wasserfall hindurch und taucht auf der gegenüberliegenden Seite wieder auf. Als Wanderweg fällt der Tunnel jedoch wegen zu hoher Gefährlichkeit aus. Auf diesem Bild kann man sehr schön den Tunnelausgang auf der anderen Seite (sowie einige 'Fenster' im Tunnel) erkennen:

Nahaufnahme Risco

Wenn man genau hinschaut, kann man erkennen, dass der Wasserfall aus zwei Stufen besteht. Hier ein Blick auf die obere Stufe:

Obere Stufe des Wasserfalls Risco

Nachdem wir eine Weile die Aussicht genossen hatten, machten wir uns auf den Rückweg in Richtung Rabaçal, wo kurz vor Erreichen des Ziels der Weg zu den 25 Quellen abzweigt. Zunächst führten viele anstrengend zu begehende Steinstufen hinunter zur etwa 70m tiefer gelegenen Levada das 25 Fontes. Dieser folgten wir nach rechts. Nach kurzer Zeit erreichen wir wieder die Schlucht unterhalb des Risco, wo wir zunächst zahlreiche Betonstufen zu einer Brücke hinabsteigen mussten, die hier die Ribeira Grande überquert. Auf der anderen Seite ging es ebenso wieder hinauf zur Levada, wo wir auf ein kleines Wasserhaus stießen, an dem wir uns kurz erholten.

Levada das 25 Fontes

Wie man auf den Fotos erkennen kann, ist der bei John und Pat erwähnte 'stabile Holzzaun' ein Metallzaun: Metallstreben mit dazwischen gespannten Stahldrähten. Ab hier wurde es dann ein wenig anspruchsvoller: der Steinpfad neben der Levada (s. Fotos) war stellenweise nur 30 cm breit. Er verlief - eine Besonderheit - jedoch unterhalb der Levada; die Oberkante der Levadamauer befand sich etwa auf Hüfthöhe. So konnte man insbesondere bei fehlendem Schutzzaun die Levadamauer über weite Strecken als 'Geländer' nutzen, an dem man sich ausnahmsweise auch richtig festhalten durfte.

Levada das 25 Fontes

Also 'hangelten' wir uns an der Levada entlang in Richtung der sagenumwobenen 25 Quellen. An einigen Stellen, wo der Bewuchs unterhalb des Weges den etwa 30m tief abfallenden Abhang nicht so gut verdeckte, konnte einem schon ein wenig mulmig werden. Aber wir schlugen uns tapfer zu unserem angestrebten Ziel durch, das wir nach einer guten halben Stunde erreichten:

Die 25 Quellen

Über einen Pfad, der ein Stück von der Levada wegführt, erreicht man entlang eines Zuflusses ein halbrundes Becken, von deren Wänden sich zahlreiche kleine 'Wasserfälle' glitzernd in einen Tümpel stürzen. Ein idealer Platz für eine ausgiebige Rast. Übrigens sind es nicht wirklich (mehr) 25 Quellen, die man hier vor sich hat. Aber mehr als zehn sind es sicherlich.

25 Fontes - Detailaufnahme

 

Blick von den 25 Quellen zur Levada

Eine halbe Stunde später machten wir uns auf den 'beschwerlichen' Rückweg. Hier bestand die erste Herausforderung im 70m hohen Aufstieg von der Levada das 25 Fontes zur Levada do Risco. Die unregelmäßigen Steinstufen machten einem die Sache natürlich nicht einfacher. Nach kurzer Verschnaufpause ging es die letzten Meter hoch bis Rabaçal. Dort schloß sich gleich die zweite Herausforderung an: der 2km lange Aufstieg auf der Straße zum Parkplatz auf dem Paul. Nach einer guten Dreiviertelstunde erreichten wir ziemlich verschwitzt unser Auto, das nun - es war inzwischen etwa 19 Uhr - fast allein auf weiter Flur stand. Außerdem befand man sich inzwischen mitten in den Wolken und es war mit 9° reichlich schattig. Also sahen wir zu, dass wir Land gewannen.

Für den Rückweg wählten wir die ER200, die uns zwischen Madalena do Mar und Ponta do Sol zur Küstenstraße zurückführen sollte. Hoch oben auf dem Paul wurde es noch ein bisschen kälter, was wir auch fotografisch festhielten:

Temperaturanzeige des Autos auf dem Paul da Serra

Ein einsames Schild in der Landschaft ließ auch keinen Zweifel daran, wo wir uns befanden:

Straßenschild Paul da Serra

Wie die nachfolgenden Bilder eindrucksvoll belegen, war dort oben auf dem Paúl so ziemlich der Hund verfroren:

Paul da Serra
Paul da Serra

Nachdem wir die Südküste erreicht hatten, zeigte das Thermometer auch wieder freundlichere Temperaturen an:

Temperaturanzeige des Autos an der Südküste

Angesichts der fortgeschrittenen Zeit (s.o.) stellte sich nun wieder die allabendliche Frage: 'Wo speisen wir?'. Und die schweißtreibende Wanderung hatte uns wirklich hungrig gemacht! So erinnerten wir uns an ein kleines Restaurant namens 'Mozart', das wir gestern auf der Fahrt von Camara de Lobos nach Funchal gleich hinter der Ortsgrenze am rechten Straßenrand gesehen hatten. Auf dem gleichen Weg wie gestern war das Ziel schnell erreicht, und auch hier bekamen wir wieder einen Platz direkt vor der Tür - wer konnte da noch nein sagen?

Das Lokal war recht urig. Es befand sich in einem kleinen, direkt an den Hang unterhalb der Straße gebauten Häuschen. Die Einrichtung war eine gelungene Mischung aus Altem und Neuem, auf der Karte fand sich für madeirensische Verhältnisse schon fast so etwas wie 'nouvelle cuisine'. Wir aßen hier wirklich ausgesucht gut. Der Nachtisch war auch optisch ein Leckerbissen. Zwar war die Rechnung nur wenig niedriger als am Vortag, aber hier stimmte das Preis-/Leistungsverhältnis. Sollte es sich ergeben, würden wir hier sicher noch ein zweites Mal einkehren.

Angenehm gesättigt, etwas müde und geschafft fuhren wir dann über Funchal zurück nach Santana.