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Entlang der Levada do Furado

So, Tag 4 unseres Madeira-Urlaubs war angebrochen - der erste 'reine Wandertag'. Ziel sollte die Levada do Furado sein, an der ich vor 10 Jahren bereits ein Stück entlanggewandert war. Bei John und Pat findet man als 'Wanderung 25' drei verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Da die erste Variante mit meiner damaligen Tour übereinstimmte und die übrigen sehr lang und/oder sehr anspruchsvoll waren, entschieden wir uns, einfach die Levada so lange entlang zu laufen, wie wir konnten und mochten.

Ausgangspunkt für alle Varianten ist Ribeiro Frio, der in etwa 900m Höhe liegende kleine Ort mit der Forellenzucht, durch den wir bereits nach unserem Funchal-Besuch am zweiten Tag gefahren waren. Von Santana aus ging es also zunächst bei herrlichem Sonnenschein in Richtung Faial und von dort auf der ER103 Richtung Ribeiro Frio. Nach einer guten Stunde erreichten wir unser Ziel. Da es bereits kurz vor Mittag war, war der kleine Ort mit Reisebussen verstopft, die zum Mittagessen - natürlich der Forellen wegen - hier Halt machten. Mit Mühe fanden wir noch eine Parklücke am Straßenrand und schlüpften in unsere Wanderstiefel.

Das Wetter war auch hier oben herrlich sonnig. Der Einstieg zur Levada hinter dem Restaurant 'Victor’s' war schnell gefunden. Zunächst war der Weg breit wie ein Waldweg; dies sollte sich jedoch bald ändern. Anders als bei der Levada am Vortag handelt es sich bei der Levada do Furado um eine recht altes Exemplar. Sie verläuft über weite Strecken nicht in einer Betonrinne, sondern wurde direkt in den Fels gehauen. Dabei ist sie wesentlich schmaler und gelegentlich unter all dem grünen Bewuchs kaum zu erkennen.

Levado do Furado

Bereits nach kurzer Zeit wurde der Weg schmaler. Aus dem teilweise etwas rutschigen Untergrund ragten an vielen Stellen Steine/Felsstücke oder Wurzeln heraus, man musste also aufpassen, wo man hintrat. An einigen Stellen musste man direkt auf der Levadamauer laufen. Häufig gab an engen Stellen eine Art Geländer - mal ein dicker Draht, der zwischen Metallstreben gespannt war, mal ein mehr oder weniger vertrauenseinschläfernder Holzzaun - 'psychologischen' Halt. Man sollte sich an solchen Geländern im Übrigen im Notfall niemals festhalten oder auch nur beim Wandern entlanghangeln - auf die Stabilität ist kein Verlass. Wenn es darauf ankommt, ist der Draht an der entsprechenden Stelle garantiert entweder nicht mehr straff genug gespannt, hängt die Metallstrebe nur noch durchgerostet in der Luft oder würde der Holzzaun samt Wanderer in die Tiefe rauschen. Daher bleibt nur der psychologische Effekt: bei mangelnder Schwindelfreiheit hat man nicht das Gefühl, zwischen sich und dem Abgrund keine Barriere mehr zu haben.

Levado do Furado - kleiner Wasserfall am herrlich grün bewachsenen Hang

Nach soviel 'Bangemachen' nun zurück zum Vergnügen. Wir genossen wir das Wechselspiel von Licht und Schatten. Hier gab es einen kleinen Tunnel, dort rauschte ein kleiner Wasserfall den Hang hinunter in die Levada. Direkt oberhalb der Wasserrinne war häufig üppiger grüner Bewuchs, aus dem Wasser tröpfelte. Richtig idyllisch!

Zusammenfluss dreier Levadas

Nach einer guten Stunde erreichten wir eine 'Levadakreuzung': zwei (ausnahmsweise!) schnell fließende Levadas schossen hier von oben kommend in die Levada do Furado. Links davon führte eine Brücke über die Ribeira do Poco do Bezerro. Ein herrliches Plätzchen zum Rasten - was wir auch ausgiebig taten. Die erste Variante der Wanderung führt an dieser Stelle übrigens entlang der linken Levada bergauf auf ein Hochplateau und von dort in einem Bogen wieder nach Ribeiro Frio zurück.

Herrliches Wechselspiel zwischen Licht und Schatten an der Levada do Furado

War mir der bisherige Teil der Wanderung noch ein bisschen vertraut, ging es von nun an auch für mich auf 'unbekanntes Terrain'. Wie im Wanderführer beschrieben, wurde es nun... anspruchsvoller. Nach einer guten Viertelstunde erreichten wir die erste Stelle, an der es erforderlich war, den Weg neben der Levada zu verlassen, ein wenig den Hang hinunterzukraxeln und ein Stück weiter wieder zum Levadaweg zurückzukehren. Dieses Unterfangen war insbesondere deswegen nicht ganz so einfach, weil es an vielen Stellen rutschig war und man höllisch aufpassen musste, sich nicht auf den A.... zu setzen. Rückblickend kann ich nun noch ergänzen, dass wir den 'Dreh' zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht 'raushatten', denn auf unserer krönenden Abschlusswanderung zum Calderaio Verde sind wir noch wesentlich mehr gekraxelt - ohne Probleme.

Kurz und gut, nach der zweiten oder dritten Kletteraktion verloren wir ein wenig den Spaß an der Sache, zumal wir auch im Hinterkopf hatten, dass wir alles wieder zurücklaufen mussten. Nach einer guten halben Stunde nach der Levadakreuzung entschieden wir uns daher zur Umkehr. Zuvor verweilten wir noch kurz an diesem idyllischen Plätzchen:

Idyllisches Plätzchen

Auf dem Bild kann man gut erkennen, wie ein Stück oberhalb die Levada quasi eine Kurve macht. Das Stück herunter zu dem 'kleinen See' (oder von mir aus zur großen Pfütze) musste man klettern.

Wenig später traten wir dann den Rückweg an. Die Levadakreuzung war bald wieder erreicht. Inzwischen begannen die Wolken, sich langsam von den Bergen herabzubewegen und die Sonne verschwand. Irgendwie kamen uns auf dem Rückweg mehrere Passagen 'gefährlicher' vor als noch auf dem Hinweg, wo wir offenbar fröhlich-sorglos vorangeschritten waren. Etwa anderthalb Stunden nach der Umkehr - fast wieder am Ausgangspunkt - erhaschten wir folgenden Ausblick unter den Wolken hindurch zur Küste:

Blick von der Levada do Furado zur Küste

Wieder in Ribeiro Frio, fanden wir den Ort ziemlich verlassen vor. Im grauen Wolkendunst war er nur noch wenig einladend und so machten wir uns zügig auf den Rückweg in sonnigere Gefilde.

Viel ist dann an diesem Tag nicht mehr passiert. Wir hielten in Faial noch an einem Supermarkt an und versuchten vergeblich, direkt ans Meer zu kommen, um noch ein wenig die Sonne zu genießen. Also fuhren wir zum Hotel zurück und ließen den Tag auf dem Balkon ausklingen. Was das Abendessen anging, hatten wir keine Lust auf 'Experimente' und begaben uns zum vierten Mal in Folge in das hassgeliebte Hotelrestaurant. Und welch Wunder: irgendeiner hatte die zweite CD wiedergefunden und so waren wir für diesen Abend von dem Panflötengedudel erlöst.