schoenborner.de - Reisebericht Madeira 2005

Entlang der Levada do Caniçal

Für den heutigen Tag hatten wir uns zwei Dinge vorgenommen: 1. am Flughafen ein wenig den startenden und landenden Flugzeugen zuzusehen und 2. eine Wanderung zu unternehmen, denn nach dem gestrigen 'Autotag' war ja wieder mal regulär 'Wandertag'. Das mit dem Flughafen hatten wir beschlossen, weil wir bis jetzt bei jeder sich bietenden Gelegenheit von weitem oder im Vorbeifahren einen Blick auf das dortige Treiben geworfen hatten und es uns nun einmal in Ruhe aus der Nähe ansehen wollten. Auch reizte es uns, am heutigen Dienstag - also genau eine Woche nach unserer Ankunft - 'unserem' Flieger bei der Landung zuzusehen.

Auch für eine Wanderung hatten wir uns schon entschieden: gemäß Wanderung 11 bei John und Pat wollten wir von Maroços (aus Richtung Santana gleich links hinter dem letzten Tunnel vor Machico) aus die Levada do Caniçal entlanglaufen. Diese 'Akazien-Levada' sollte uns eine 'bezaubernde und leichte' Wanderung ermöglichen - das reizte uns sehr. Der Startpunkt der Wanderung lag nur 20 Autominuten vom Flughafen entfernt - also alles perfekt.

Bevor es 'richtig losgeht', noch eine kleine Warnung: dieser Tag fiel extrem 'fotoarm' aus. Das erste Foto haben wir erst im Laufe der Wanderung gemacht, und insgesamt sind es auch nur fünf (!) Bilder geworden. Für die folgende 'Textwüste' bitte ich also um Nachsicht. ;-)

Am Flughafen hielten wir uns etwa eine Stunde auf der Aussichtsterrasse auf. Wie erwartet - der Dienstag ist einer der Hauptreisetage der deutschen Fluggesellschaften nach Madeira - konnten wir zahlreiche Flieger bei Start und Landung beobachten. Irgendwie sah das Ganze jedoch weit weniger 'spannend' aus als wir es selbst im Flugzeug empfunden hatten - von Schwierigkeiten, 'die Landebahn zu treffen' und Problemen, auf der Startbahn rechtzeitig zum Stehen zu kommen, keine Spur. Auch unser Flug der Air Berlin landete pünktlich und problemlos gegen 13:30 Uhr. Beim Boarding entdeckten wir auch meinen Kollegen nebst Freund, die ja nur eine Woche hier verbringen wollten.

Nachdem wir genug Kerosinduft geschnuppert hatten, gönnten wir uns noch schnell eine kalte Limo im Flughafenrestaurant und steuerten dann Maroços an, das wir in einer guten Viertelstunde erreichten.

Ausgangspunkt der Wanderung sollte die Endhaltestelle der Buslinie 156 aus Funchal sein - besonderes Kennzeichen: Dorfbriefkästen. Letztere waren nicht zu übersehen und so stellten wir unseren Wagen gleich dahinter auf einem dreckigen Parkplatz zwischen Lastwagen und Baufahrzeugen ab. Nun hieß es, zwischen einem Möbelladen (bzw. was man in einem madeirensischen Dörfchen darunter verstand) und einer Garage eine Treppe zu finden, die uns über rund 100 Betonstufen hinauf zur Levada bringen sollte. Irgendwie führten zwei Treppen zwischen den ärmlichen Häusern aufwärts, wir wählten die rechte. Auf einem kurzen Stück fehlten die Stufen ganz, hier wurde gebaut. Noch waren wir unsicher, ob wir überhaupt auf dem richtigen Weg waren. Wir stießen auf einen ersten Querweg, an dem es auch eine Rinne gab, in der ein wenig Wasser floss, die Levada war es aber wohl noch nicht. Schließlich erreichten wir einen weiteren Querweg, und was da entlangfloss, sah doch sehr nach Levada aus. Wir wendeten uns nach rechts und los ging's.

Der Weg entlang der Levada führt noch eine ganze Zeit an den Häusern - oder zum größten Teil eher Behausungen - von Maroços vorbei, die hier abgelegen von jeder mit einem Fahrzeug zu befahrenden Zuwegung lagen. Wir fragten uns, wie die Bewohner wohl größere Gegenstände in ihre Häuser transportieren - z.B. eine Waschmaschine? Auch der Abstieg zur Straße, an der man vielleicht sein Auto stehen hat oder den Bus erreichen kann, war - wie wir ja selbst erlebt hatten - recht mühselig.

Obwohl wir quasi mitten durch den Ort liefen, begegneten wir nur wenigen Einheimischen. Nach einiger Zeit war endlich das Ende der zu Maroços gehörenden Besiedlung erreicht, doch das schöne Gefühl, an einer Levada entlang durch mehr oder weniger unberührte und vielleicht sogar atemberaubend schöne Natur zu laufen, wollte sich nicht einstellen. Dies lag zum einen an der Nähe zu verschiedenen weiteren Ansiedlungen, zum anderen an der Tatsache, dass wir uns quasi oberhalb der Hauptverkehrsstraße nach Machico entlang bewegten, deren Lärm uns ständig begleitete. Auf das monotone 'Tak-tak-tak' des allgegenwärtigen Baulärms will ich gar nicht erst eingehen. Die 'bezaubernden Täler' (John und Pat) waren nicht selten von Müll übersät. Auch die Tatsache, dass man tief in jede Schlucht hineinwandern musste, um später nur 'wenige Meter' weiter aus selbiger wieder herauszukommen, machte die Wanderung nicht unbedingt zu einem Genuss. Allenfalls das Gequake der Frösche an etlichen Stellen konnte man bis hierher noch als positiv durchgehen lassen.

Nach etwas mehr als einer Stunde erreichten wir einen Tunnel (Achtung, Foto!):

Tunnel an der Levada do Canical

Unser erster Levada-Tunnel! Allerdings einer von der harmlosen Sorte, für die man keine Taschenlampe brauchte und relativ aufrecht hindurchmarschieren konnte. Hinter dem Tunnel wurde es langsam ruhiger und landschaftlich reizvoller. Lt. John und Pat müssten wir uns im Tal der Ribeira da Noia befinden. Wir liefen noch eine gute Dreiviertelstunde und beschlossen dann, Rast zu machen und danach umzukehren.

An der Levada do Canical
An der Levada do Canical
An der Levada do Canical

Nach einer ausgiebigen Pause, bei der wir von einem (etwas verrückten?) Mann beobachtet wurden, der bei einer nahegelegenen Hütte mit einer Sense herumfuhrwerkte und irgendwie immer näher kam, traten wir den Rückweg an, für den wir wie für den Hinweg etwa zwei Stunden brauchten. Gegen Ende 'zog' es sich etwas und angesichts der Tatsache, dass dies unsere erste Wanderung mit einer reinen Gehzeit von ca. vier Stunden war, wurden uns auch die Beine ein wenig lahm. Zurück in Maroços, begegneten wir im Gegensatz zum Nachmittag etlichen Einheimischen - offenbar kommen die abends (es war inzwischen 19:30 Uhr) schon mal aus ihren 'Löchern'.

Die Wanderung kann ich - was die Teilstrecke angeht, die wir gelaufen sind - nicht unbedingt weiterempfehlen. Bei John und Pat ist sie als Stichwanderung bis zum Straßentunnel nach Caniçal beschrieben - somit trennten uns noch gut anderthalb Stunden Marsch von ihrem regulären Ende. Mag sein, dass uns da noch das eine oder andere Highlight erwartet hätte.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: wir ließen den Abend im selben Restaurant in Machico ausklingen wie am Vortag.

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