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Entlang der Levada Calheta - Ponta do Pargo

Den heutigen Wandertag wollten wir nutzen, um meinen vor 10 Jahren erhaltenen negativen Eindruck von der Levada Calheta - Ponta do Pargo zu revidieren. Zu sehr lockte uns die Tatsache, dass man hier ohne Experimente in Sachen Schwindelfreiheit und Trittsicherheit seine Wanderkondition verbessern konnte, als dass der damals von mir in den Wanderführer gekritzelte Kommentar 'so aufregend wie ein Spaziergang im Sauerland' allzu negativ ins Gewicht fiel.

Als Einstiegspunkt für die bei John und Pat unter der laufenden Nummer 41 beschriebenen Wanderung wählten wir Prazeres - wie bereits bei meinem ersten Madeira-Urlaub. Die Levada sollte 'zum Schlendern wie geeignet' sein und 'herrliche Ausblicke' sowohl auf den Paúl da Serra als auch auf 'sonnendurchflutete Ebenen' oberhalb der Küste gewähren. Na, wir waren vielleicht gespannt...

Vor der Kür stand aber erst einmal die Pflicht: die knapp zweistündige Autofahrt von Santana nach Prazeres. Dort angekommen, parkten wir den Wagen direkt hinter der Stelle, an der die Levada unter der Ausfallstraße hindurchfloss (auf die Levada wies auch ein Schild im Ort hin).

Zunächst ging es zwischen ein paar z.T. durchaus ansehlichen Häusern hindurch, bevor wir in den Kiefern- und Eukalyptuswald eintauchten. Die Levada war außergewöhnlich breit, tief und voll - kein Vergleich mit einer der alten Levadas hoch in den Bergen wie z.B. der Levada do Furado (s. Tag 4). Am Wegesrand und an den Böschungen wuchsen Lilien, Hortensien und Agapanthus in rauen Mengen - leider blühten sie um diese Zeit noch nicht, so dass wir die Pracht, die sich dann hier entfalten würde, nur erahnen konnten.

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Wie erwartet, bot die Wanderung über weite Strecken keine besonderen Herausforderungen. Gelegentlich mussten ein paar hohe Stufen an einer Brücke überwunden werden, aber meist wanderte man bequem auf weichem Waldboden. Nach etwa anderthalb Stunden passierten wir ein Levadawärter-Häuschen, vor dem das Levadawasser in zahlreichen Becken von Laub und anderen Verunreinigungen befreit wurde. Kurz danach änderte sich die Landschaft allmählich: der dichte Baumbestand trat immer mehr zurück und gab den Weg in die Täler frei.

An der Levada Calheta-Ponta do Pargo

Leider war das Wetter eher... zurückhaltend, so dass wir ohne Jacken fast ein wenig froren und auf dem Paul auch nur dunkle Wolken vorüberjagen sahen. Aber solange man in Bewegung blieb, war es auszuhalten.

Kurz bevor wir aus zeitlichen Gründen an die Umkehr denken mussten, zeigte die Levada, dass sie doch ein wenig mehr zu bieten hatte als ein 'Spaziergang im Sauerland': plötzlich liefen wir ungeschützt am Hang entlang, direkt neben dem Weg ging es steil hinunter:

An der Levada Calheta-Ponta do Pargo

Von der nachfolgenden Schlucht aus blickte man in ein dicht bewaldetes Tal, man konnte fast bis zur Küste sehen. Gern wären wir an dieser Stelle noch weiter gegangen, doch das ließ die Zeit nicht zu. So liefen wir ein Stück zurück zu einer Stelle, an der eine Lichtung mit mehreren herumliegenden Baumstämmen sich für eine Rast anbot. Da es eher kühl und auch sonst wenig gemütlich war, wurde es eine eher kurze Pause. Der Rückweg verlief ohne besondere Vorkommnisse - daher stellvertretend für viele Worte noch ein paar Impressionen von der Levada:

An der Levada Calheta-Ponta do Pargo
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Gegen 19 Uhr erreichten wir wieder Prazeres. Zwischen den Häusern entdeckten wir auf einem Grundstück hinter einer Mauer eine Ziege, die mit einem Seil, das um ihre Hörner geschlungen war, angebunden war. Die freute sich so, uns zu sehen, dass sie ständig an der Mauer hochsprang:

ziege

Endlich am Auto angelangt, waren wir doch froh, die Wanderstiefel ausziehen zu können. Da wir vorhatten, im Restaurant 'Grutas' an der Straße kurz vor dem Tunnel nach Santana zu essen, machten wir uns zügig auf den Rückweg. Als wir nach knapp zwei Stunden dort anlangten, mussten wir jedoch feststellen, dass das Lokal geschlossen war. Nur in der unmittelbar daneben liegenden Bar war Licht - dort hockten jedoch nur ein paar Einheimische am Tresen. Da es fast 21 Uhr war, entschieden wir uns, schnell zum Hotel weiterzufahren - dort schloss das Restaurant ja bereits um 21:30 Uhr. Hungrig fielen wir wenige Minuten später ins Hotelrestaurant ein, wo wir den Abend beschlossen.