schoenborner.de - Reiseberichte

Hinweise und Tipps für einen gelungenen Madeira-Urlaub

Madeira ist keine Badeinsel!

Wer nach Madeira reist und sich anschließend beschwert, es gäbe keine Strände und man könnte nicht im Meer baden, der hat sich vorher nicht ausreichend informiert.

Typischer Steinstrand auf Madeira

Auf Madeira findet man überwiegend Steilküste vor. Aber auch dort, wo die Küste auf Meereshöhe liegt, trifft man in der Regel nur Steinstrände an (s. Foto). An einigen wenigen, in der Regel abgelegenen Stellen gibt es kleine Sandstrände (z.B. die Abra-Bucht kurz hinter Canical), selten jedoch in der Nähe von Hotels. An mehreren Orten findet man Meerwasserschwimmbecken oder Betonstege, von denen aus man direkt ins Meer gelangt. Davon abgesehen ist das Baden im Atlantik vor Madeira nicht ganz ungefährlich; an den meisten Stellen fällt der Meeresboden nach wenigen Metern steil bis auf 3-4.000m ab.

Auf Madeira ist es fast überall steil!

Auf Madeira gibt es kaum einen Ort, in dem alle Straßen und Wege eben sind. Daher sollte man sich darauf einrichten, dass man mehr oder weniger steile Anstiege bewältigen muss. Das gilt größtenteils auch innerhalb von Orten. Wer also keinen Mietwagen zur Verfügung hat oder sich in einer Gegend ohne regelmäßig verkehrende Buslinien befindet, der sollte sich auf anstrengende Fußmärsche einrichten. So ist es beispielsweise eine schweißtreibende Angelegenheit, zu Fuß vom Touristenort Canico Baixo zum höhergelegenen Hauptort Canico zu gelangen, obwohl dieser nur 1,5 km entfernt ist. Wer sich hingegen nur in der Nähe des Stadtzentrums von Funchal aufhält, hat weniger Probleme mit steilen Straßen.

Die Landesprache ist Portugiesisch...

...und nicht Deutsch! Anders als vielleicht auf Mallorca oder in der Türkei findet man auf Madeira nur wenige Leute, die Deutsch sprechen. Allenfalls in großen Hotelanlagen der gehobeneren Klasse kommt man ausschließlich mit Deutsch weiter. Hingegen wird man in sich den meisten Situationen, in denen man als Tourist gewöhnlich Kontakt mit Einheimischen hat, auf Englisch verständigen können. Auch Französisch wird häufig gesprochen.

Wer romanische Sprachen kennt, wird wenig Probleme haben, die wichtigsten Begriffe lesend zu verstehen; das Portugiesische ähnelt stark dem Spanischen. Das gesprochene Wort wird man in der Regel bis auf die eine oder andere Ausnahme kaum verstehen. Gleichwohl sollte man aus Höflichkeit gegenüber den Einheimischen ein paar Floskeln für den Alltagsgebrauch lernen, die sich mit entsprechenden Aussprachehilfen in jedem Reiseführer finden (Begrüßung je nach Tageszeit, bitte/danke usw.). Wenn ich Urlaubskritiken lese und dabei auf Beschwerden stoße, dass das Hotelpersonal kein Deutsch sprach, kriege ich die Krise!

Erkunden Sie die Insel!

Wer während seines Madeiraurlaubs seine Hotel-Ansiedlung im Dunstkreis von Funchal nicht verlässt, der hat etwas falsch gemacht. Einen Mietwagen für mindestens 5 Tage sollte man schon einkalkulieren. Und lassen Sie sich nicht erzählen, das Autofahren auf der Insel sei 'gefährlich'! Die wenigen Kilometer Küstenstraße, auf die das früher insoweit zutraf, als dass man an engen Stellen schon mal ein paar Meter rückwärts bis zur nächsten Ausweichstelle fahren musste, dienen heute größtenteils nur noch als Touristenattraktion. Viele Orte - besonders einige Ausgangspunkte für Wanderungen - sind ohne Mietwagen nur schlecht oder gar nicht zu erreichen.

Parkplatz am Achada do Teixeira

Von Funchal aus fährt zwar im Prinzip zu jedem Ort auch ein Linienbus; je entlegener der Ort jedoch ist, desto niedriger sind die Taktzeiten. Weiterhin besteht auch die Möglichkeit, sich in Funchal ein Taxi für eine Rundreise zu mieten: die Preise für vorgegebene Touren kann man den Anschlägen an großen Taxi-Sammelplätzen (z.B. an der Avenida do Mar) entnehmen. Wie man hört, bleibt bei diesen Touren ausreichend Zeit für individuelle Stopps. Schließlich kann man auch eine Bustour buchen. Klassiker sind hier die jeweils ganztägige Ost- bzw. West-Tour und die halbtägige Tour ins Curral das Freiras. Die Preise für eine ganztägige Tour liegen bei etwa 45 Euro/Person; eine stolze Summe, auch wenn ein Mittagessen darin enthalten ist. Für den Preis einer Bustour mit zwei Personen kann man sich für drei bis vier Tage einen Mietwagen nehmen!

Alle reden von Levadas... was ist das?

Levadas sind Bewässerungskanäle, die bereits ab dem 15. Jhdt. - also zu Beginn der Besiedlung der Insel - angelegt wurden, um das kostbare Nass vom regenreichen, aber sonnenarmen Norden in den regenarmen, aber sonnigen Süden zu transportieren, um dort die Felder und Plantagen zu bewässern. Geplant und gebaut von maurischen Sklaven, stellen sie eine architektonische Meisterleistung dar, denn das Wasser muss auf der bergigen und zerklüfteten Insel von Nord nach Süd mit einem konstanten Gefälle von nur 1° transportiert werden! Das Levada-Netz kommt auf eine Länge von ca. 2.000km. Natürlich wird das Levadanetz auch weiterhin ausgebaut und gepflegt.

An der Levada do Furado

Und was ist daran so spannend?

Nun, neben den Levadas hat man zum Zwecke der Instandhaltung Wege angelegt. Die Levadas führen z.T. durch die entlegensten Winkel der Insel, oft in herrlicher und unberührter Natur. Und das macht sie zusammen mit dem oben erwähnten, quasi gar nicht vorhanden Gefälle zu einzigartigen Wanderwegen. Aber Vorsicht! Nicht jede Levada bzw. nicht jeder Levadaabschnitt ist zum Wandern geeignet. Auch gibt es leichte Levada-Wanderungen und solche, die Trittsicherheit und/oder Schwindelfreiheit erfordern. Mehr oder weniger lange Tunnel stellen ebenfalls u.U. eine Herausforderung dar. In allen gängigen Wander- und Reiseführern werden zahlreiche Levadawanderungen vorgeschlagen, bei denen für jeden etwas dabei ist.

Madeira ist ein Wanderparadies!

Levadawanderung

Packen Sie also festes Schuhwerk, eine Hose, die auch dreckig werden darf und eine Allwetterjacke ein! Wer mit Badeschläppchen oder Sandalen auf große Levadawanderung geht, gefährdet sich und andere (und sei es nur durch die dadurch ausgelösten Lachanfälle). Wer ausgiebig entlang von Levadas wandern will, sollte unbedingt auch eine Taschenlampe (pro Person!) im Gepäck haben, damit es in Tunneln keine Probleme gibt. Wer nicht auf eigene Faust losgehen mag, kann auch eine geführte (Levada-)Wanderung buchen.