schoenborner.de - Reisebericht Madeira 2005

Auf den höchsten Gipfeln Madeiras

Bereits an den vergangenen Tagen hatten wir an jedem Morgen von der Terrasse des Hotels aus, wo wir bei gutem Wetter jeden Morgen nach dem Frühstück eine gute Stunde mit Lesen zubrachten, kritisch auf die Berge geblickt. Für zwei Aktionen, die wir auf jeden Fall noch starten wollten, brauchten wir gutes Bergwetter: für den Besuch der höchsten Gipfel Madeiras, den Pico do Arieiro (1.810m) und den Pico Ruivo (1.862m) sowie für die 'Mutter aller Wanderungen' von Queimadas (Rast- und Picknickplatz oberhalb von Santana) zum Caldeirão Verde. Heute zeigten sich die Gipfel frei von Wolken und erstrahlten in schönstem Sonnenschein - also entschieden wir uns angesichts der Wanderung am Vortag für die Gipfeltour. Sie ist bei John und Pat als Autotour No. 4 'Berge, und nichts als Berge!' beschrieben.

Um zu den höchsten Bergen Madeiras zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man fährt mit dem Auto auf den Pico do Arieiro und wandert von dort aus zum Pico Ruivo (lang und beschwerlich), oder man fährt auf das Plateau Achada do Teixeira oberhalb von Santana und läuft von dort aus zum Pico Ruivo (kurz und relativ leicht). Demnach ist der gewählte Titel für den Bericht über den heutigen Tag ein bisschen 'gelogen', da wir den höchsten Berg nur aus der Ferne sehen würden. ;-)

Um auf den Pico do Arieiro zu gelangen, mussten wir zunächst mal von Santana über Ribeiro Frio nach Poiso fahren. Dort erreichten wir nach einer guten Stunde Fahrt den Abzweig auf die ER202 zum Pico do Arieiro. Je höher wir kamen, desto karger wurde die Landschaft. An vielen Stellen konnte man bereits die Wolkendecke von oben betrachten:

An der Straße zum Pico de Ariero

Nach gut 7 km auf der gut ausgebauten Straße erreichten wir den Gipfel des Pico do Arieiro. Hier gab es neben einem großen Parkplatz auch ein großes hotelähnliches Gebäude, das früher einmal sogar Unterkünfte für Bergwanderer bot. Inzwischen stehen die entsprechenden Räume jedoch leer und nur das Restaurant und einige Souvenirshops werden noch bewirtschaftet.

Schild auf dem Gipfel des Pico de Arieiro

Wir stellten den Wagen ab und marschierten schnurstracks zum Gipfelkreuz, wo ich mich erst einmal häuslich niederließ:

Am Gipfelkreuz des Pico de Arieiro

Von hier aus hatte man einen herrlichen Blick auf die umliegenden Berge...

Blick vom Gipfel des Pico de Arieiro

...und Täler:

Blick vom Gipfel des Pico de Arieiro

Wie schon erwähnt, konnte man von hier aus eine Wanderung zum Pico Ruivo starten (Wanderung 19 bei John und Pat). Die dort beschriebene Variante 2 - von hier zum Pico Ruivo und zurück - bin ich so oder ähnlich vor 10 Jahren auch gelaufen. Auf einer Strecke von 10 km überwindet man lt. Reiseführer in ca. 4:15 sehr anstrengenden Stunden etwa 700 Höhenmeter. Dabei führen steile, anstrengende Auf- und Abstiege über Hunderte von gemauerten oder in die Felsen gehauenen Stufen und es sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Behändigkeit (!) erforderlich. Nach meiner Erinnerung war die Wanderung damals zwar anstrengend, aber ohne Weiteres machbar. Wenn ich jetzt allerdings die verschwitzten und geröteten Gesichter der hier ankommenden Wanderer sah, war ich jedoch eher geneigt, der Beschreibung im Reiseführer zu glauben.

Zwar hatten wir heute keine Wanderung geplant, aber mir juckte es in den Füßen, wenigstens eine Kurzwanderung zu einem etwa 30 Gehminuten entfernten Aussichtspunkt zu unternehmen. Frauchen konnte ich dazu nicht ermuntern, daher löste sie mich mit Fernglas bewaffnet auf meinem exklusiven Sitzplatz ab, auf den auch schon etliche andere Touristen scharf waren. ;-) Ich machte mich also auf die Socken.

Der Weg führte mal über karge Ebenen...

Start des Wanderwegs vom Pico de Arieiro

... mal über gemauerte Stufen:

Bergwelt zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras

Zwischendurch boten sich immer wieder grandiose Ausblicke in die Bergwelt:

Bergwelt zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras

Nach einer guten halben Stunde und einigem Auf und Ab gelangte ich zum ersten Aussichtspunkt auf der Strecke, den bereits ein Hobbyfotograf mit einer Riesen-Kamera mit Beschlag belegt hatte:

Aussichtspunkt zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras

Der gute Mann hatte offenbar schon eine ganze Weile hier ausgeharrt und immer wieder ein festes Motiv mit unterschiedlicher 'Einwölkung' mit seinem Ungetüm, das mit Filmplatten arbeitete, abgelichtet. Dagegen war meine Canon EOS 300D ja direkt futuristisch... ;-)

Nachdem ich der Fachsimpelei über Fotografie und Wanderungen in den hiesigen Bergen eine Weile gelauscht hatte, schoss ich noch ein Foto...

Bergwelt zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras

... und trat langsam den Rückweg an.

Dabei machte ich - wie schon so oft - die Erfahrung, dass der Rückweg durchaus noch neue Perspektiven zu vermitteln vermag. Es folgen die eindrucksvollsten Passagen:

Bergwelt zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras
Bergwelt zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras
Bergwelt zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras
Bergwelt zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras

Nach insgesamt gut eineinviertel Stunden langte ich wieder am Gipfelkreuz an. Hier beobachteten wir fasziniert, wie die eben noch in strahlendem Sonnenschein liegende Umgebung mehr und mehr unter Wolken verschwand - und das um 14 Uhr!

Bergwelt zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras

Nicht umsonst wird in allen Reiseführern dazu geraten, Aktivitäten in den Bergen auf die Vormittagsstunden zu legen.

Schließlich räumten wir den Platz am Gipfelkreuz und schlenderten zum Gebäudekomplex, wo wir einen Blick in den Souvenirshop warfen und uns im Restaurant ein Eis 'auf die Hand' besorgten. Dann spazierten wir noch zu einem weiteren Aussichtspunkt ganz in der Nähe. Die fast komplett mit Wolken 'ausgefüllten' Täler ermöglichten interessante Bildmotive:

Bergwelt zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras
Bergwelt zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras

Irgendwie könnte man den Eindruck gewinnen, die Wege führen 'ins Nichts', oder?

Quinte am Rande: Im Juli 2012 hat eine österreichische Dipl. Human-Energetikerin das untere der drei Fotos als Motiv für die Startseite ihre Webauftritts ausgewählt. Sie habe kein "vergleichbar schönes Bild" gefunden und bat mich um Erlaubnis, das Bild verwenden zu dürfen. Ich habe es ihr gestattet. Wer nachschauen möchte, klickt hier.

Gegen 15 Uhr rissen wir uns dann doch von der Bergwelt los, zumal wir inzwischen fast selbst in den Wolken zu verschwinden drohten und es auch langsam ungemütlich wurde. Die nächsten Station auf der Tour war Portela, ein Dörfchen in den Bergen - Ausgangspunkt einiger Wanderungen mit schönem Ausblick auf unser nächstes Ziel, Porto da Cruz (dahinter der charakteristische 'Adlerfelsen'):

Blick von Portela auf Porto da Cruz

In Porto da Cruz schlenderten wir hinunter zum Ufer und relaxten ein wenig im Außenbereich eines Cafés mit Blick auf die Bucht.

Im Dorf selbst gab es außer exotischen Früchten...

Exotische Früchte in einem Garten in Porto da Cruz

... nicht viel Interessantes zu sehen, und so setzten wir die Fahrt recht bald nach dem Kaffeepäuschen fort. Die Tour führte uns um den imposanten Adlerfelsen herum schließlich kurz vor Faial auf die bekannte Straße nach Santana. Unmittelbar vor der Brücke über die Ribeira de São Roque fuhren wir der Empfehlung des Reiseführers folgend geradeaus weiter (Ausschilderung 'Penha de Agua'), um am Ende der Straße aus einen schönen Blick auf Faial und den Pico do Arieiro genießen zu können.

Sei es, dass wir von den grandiosen Aussichten in den Bergen bereits gesättigt waren oder dass die Wolken das Beste verdeckten - wir fanden den Abstecher jedenfalls überflüssig. Die reguläre Tour war noch lange nicht zu Ende - sie sah die Weiterfahrt an Faial vorbei nach Santana vor, wo zunächst ein Abstecher zum Hochplateau Achada do Teixeira auf dem Programm stand, bevor es nach der Besichtigung von Santana und Faial schließlich über Ribeiro Frio und den Poiso-Pass zurück nach Funchal ging.

Da es bereits 18:30 Uhr war und wir natürlich auch nicht vorhatten, nach Funchal zu fahren, erkoren wir den Abstecher zur Achada do Teixeiro zum krönenden Abschluss des heutigen Ausfluges. Noch bevor wir das Dorfzentrum von Santana erreichten, folgten wir der Ausschilderung 'Pico das Pedras/Pico Ruivo' nach links auf die ER218. War das Forsthaus 'Pico das Pedras' mit seinen Grillplätzen auf der beständig nach oben führenden Straße schnell erreicht, zog es sich bis zum Endpunkt - dem Parkplatz auf der Achada do Teixeira - doch noch ein ganzes Stück hin.

Am Ziel erwartete uns strahlender Sonnenschein. Hier beginnt die 'Kurzwanderung' zum Pico Ruivo - in einer knappen Stunde erreicht man nach Überwindung von nur 270 Höhenmetern das 2,5km entfernte Ziel (s. Wanderung 20).

Auf der Achada do Teixeira

Da ich gerne in diesem Urlaub noch auf den Pico Ruivo gewandert wäre, schlug meine bessere Hälfte vor, mich an einem der verbleibenden Tage hier abzusetzen, damit ich das Vorhaben in die Tat umsetzen könnte - sie selbst verspürte nicht so sehr den Drang nach einer Bergtour. Leider wurde daraus aber auf Grund des schlechten Bergwetters nichts.

Nachdem wir ein Weilchen die Abendsonne und die schöne Aussicht genossen hatten...

Abendliche Impressionen auf der Achada do Teixeira

... fuhren wir zurück in Richtung Santana. Wir hatten unser Vorhaben, im Restaurant 'Grutas' (Grotte) zu speisen, noch nicht aufgegeben und so fuhren wir auch heute dort vor. Wie bereits gestern waren die Türen jedoch verschlossen, das Innere dunkel. Heute stieg ich jedoch aus, um nachzuschauen, ob es vielleicht einen Hinweis auf die Öffnungszeiten gäbe. Ich wollte schon wieder zum Auto zurückkehren, als plötzlich im Inneren Licht aufflammte, ein Mann erschien und die Tür öffnete. Natürlich könnten wir etwas zu essen bekommen... Also traten wir ein.

Im Restaurant Grutas in Faial

Der Raum, in dem das Restaurant eingerichtet worden war, war wie eine Grotte in den Fels gehauen worden. Es roch ein bisschen muffig-feucht, aber die Atmosphäre war schon einzigartig. Nur schade, dass wir die einzigen Gäste waren... Die Karte bot das inseltypische Angebot zu zivilen Preisen. Hier wählte ich eine Tomatensuppe mit pochiertem Ei (auch so ein Klassiker, den es fast überall gab) und zum dritten Mal den Rindfleischspieß Espetada. Das Essen war reichhaltig und gut. Und während wir aßen, erschien noch ein weiteres Paar und nahm an einem der Tische Platz - warum denn nicht gleich so?

Bevor wir den ausnahmsweise kurzen Weg zu unserem 'Basislager' in Santana antraten, fotografierten wir das Restaurant auch noch von außen:

Restaurant Grutas in Faial

Wenige Minuten später waren wir wieder im Hotel.

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