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Die Ankunft

Unser Madeira-Urlaub begann fast vor der Haustür: Wir flogen mit Air Berlin vom Flughafen Münster/Osnabrück (FMO). Diese Airline hatte seinerzeit offenbar Nürnberg zum ihrem Drehkreuz erkoren und beförderte somit ihre Passagiere – vor allem von kleineren Flughäfen – zunächst einmal dorthin. Die Umsteigezeit In Nürnberg nahm satte eineinhalb Stunden in Anspruch. So vergingen fast sieben Stunden, bis es hieß: “Meine Damen und Herren, wir beginnen jetzt mit dem Landeanflug auf Madeira.”.

Die Landung auf Madeira ist Immer noch ein Erlebnis. Zwar wurde die Landebahn im Jahr 2000 um 1.000 auf jetzt ca. 2.800m verlängert und kann auch aus beiden Richtungen angeflogen werden, "spannend" bleibt die Angelegenheit auf der zur Hälfte auf 60m hohen Stelzen ins Meer gebauten Konstruktion aber weiterhin. Der Anflug erfolgt klassisch über den Nordostzipfel zunächst in westlicher Richtung parallel zur Südküste, bevor dann mit einer 180°-Rechtskehre in nur noch geringer Höhe Kurs auf den Flughafen genommen wird.
 

Flughafen Madeira

Unser 'Vogel' legte jedenfalls eine problemlose Landung hin. Beim Gepäck waren wir unter den Ersten und auch die Übernahme des Mietwagens am Flughafen ging zügig und problemlos vonstatten. Auf dem großen Mietwagenparkplatz vier Ebenen unterhalb des Flughafenausgangs wartete ein viertüriger Opel Corsa auf uns, der ausweislich der Schrammen und Beulen sowie der fehlenden Zierleiste am Kühlergrill samt Herstellerlogo schon aus einiger Entfernung die Botschaft übermittelte, dass er seine beste Zeit schon hinter sich hatte. Nach dem Einsteigen verstärkte sich der Eindruck noch: zwar oberflächlich sauber, saß der Staub der madeirensischen Straßen in jeder Ritze und irgendwie auch tief in den Polstern. Die Türgriffleiste auf der Fahrerseite war nachträglich mit drei Schrauben verstärkt worden. Der Tacho zeigte einen Kilometerstand von 57.000 an, was angesichts der Erstzulassung im April 2003 (steht seit einigen Jahren in Portugal direkt auf dem Nummernschild) auch nicht weiter verwunderlich war. Unter dem Strich hatten wir also eine vermutlich bereits ordentlich durchgerüttelte Karre erwischt, die jetzt schon in der dritten Saison von zahllosen Touristen als Schlaglochsuchgerät missbraucht wurde. Naja, man kann ja nicht immer gewinnen. Auf der Habenseite konnte das Wägelchen für ein Touri-Fahrzeug der Unterklasse immerhin eine relativ vollständige Ausstattung mit Zentralverriegelung einschl. Fernbedienung, sechs Airbags, Alu-Felgen (!), Nebelscheinwerfern vorn und hinten sowie einem CD-Radio verbuchen. Also Koffer in die Karre gewuchtet und los ging's.

Wie nicht anders zu erwarten, war die Lenkung schon etwas ausgeschlagen und die Bremsen brauchten auch einen beherzten Tritt, um richtig zu packen. Alles in allem "gerade noch" verkehrssicher. Der Flughafen liegt direkt an der vierspurigen, autobahnähnlich ausgebauten Schnellstraße (ER101), die Auffahrt in Richtung Machico war schnell gefunden. Nach wenigen Kilometern und zahlreichen Tunneln mussten wir diese jedoch schon wieder verlassen, nun ging es zunächst auf eher schlechten Straßen an Machico vorbei. Ein- oder zweimal verlangten riesige Schlaglöcher auf der Straße ein Ausweichen auf die Gegenfahrbahn. Die Gegend war auch nicht die schönste: verstreute, oft ärmliche wirkende Häuser, überall wurde irgendwie gebuddelt, viele Bagger, die mit nervtötendem "Tack-tack-tack-tack" das harte Gestein abbauten. Dann wieder die Einfahrt in einen ersten Tunnel – ziemlich neu und prima ausgebaut durfte man hier auch 80 km/h fahren (wenn das Wägelchen es angesichts der Steigung überhaupt schaffte). Nach fünf Tunneln – der längste etwas über 2km lang – landeten wir plötzlich wieder auf einer schlaglochübersäten Straße mitten in einem Dorf. Zwei Schluchtenüberquerungen weiter gab es zwei Möglichkeiten: Santana via Tunnel oder auf dem herkömmlichen Weg. Ich dachte mir: bisher hat Frauchen von Madeira nur schäbige Straßen durch verdreckte Gegenden und Tunnel gesehen, also fahren wir mal den herkömmlichen Weg. So ging es dann noch eine gute halbe Stunde lang über zahllose Serpentinen mal nach oben, mal nach unten und man konnte endlich mal was von der madeiratypischen Landschaft bewundern. Jetzt noch Sonnenschein statt des grauen Himmels und die Sache wäre perfekt gewesen. In Santana war das Hotel dank der guten Beschreibung – bis auf eine kleine Ausnahme: der Hinweis, dass man den Ort in Richtung São Jorge verlassen musste, wäre hilfreich gewesen; aber vielleicht gab es den Kreisverkehr zur Anbindung des neuen Tunnels noch nicht, so dass die Sache früher klarer war – recht schnell gefunden.

Das Hotel – frei zwischen kleinen Weinfeldern stehend – machte auf den ersten Blick einen guten Eindruck (auf den zweiten auch);-). Im Inneren des Hotel dominierte dunkles Holz. Von der Lobby aus blickte man direkt auf den Aufenthaltsbereich, der mit vielen gemütlichen Sesseln und Sofas zum Herumlümmeln einlädt. Gleich rechts daneben lag der Frühstücksraum. Bei Betreten des Zimmers große Freude: wir hatten direkten Meerblick. Das Zimmer war zweckmäßig eingerichtet, auf dem Parkettboden lagen mehrere kleine Teppiche rund um das Bett. Stauraum für Bekleidung und sonstigen Krimskrams war ausreichend vorhanden. Der Balkon war zwar klein, aber für zwei Personen ausreichend groß. Der Blick konnte ungehindert über die unendliche Weite des Atlantiks schweifen (bei klarer Sicht konnten wir sogar die Nachbarinsel Porto Santo sehen). Zum 'draußen sitzen' war es jedoch ein bisschen zu frisch, auch war der Himmel leider immer noch bedeckt. Auf dem letzten Speicherplatz des Fernsehers entdeckte ich sogar einen deutschen Sender (ZDF). Zu der Zeit lief aber auf den meisten Sendern eh dasselbe Programm: weißer Rauch steigt aus einem Schornstein der Sixtinischen Kapelle auf - der deutsche Kardinal Ratzinger wurde soeben zum Papst gewählt. Müde und kaputt wie wir waren, hauten wir uns nun erstmal aufs Bett - Mann, die Matratzen waren aber hart!

Gute zwei Stunden später fuhr ich allein in den Ort, um ein bisschen was einzukaufen. Auf Anhieb fand ich nur einen klitzekleinen Laden mit angeschlossener Bar, aber für ein paar Kekse und Getränke reichte es allemal aus. Da wir keine Lust auf Experimente hatten, beschlossen wir, an diesem Abend auf jeden Fall im Hotelrestaurant zu essen. Wie sich herausstellen sollte, war das nicht die schlechteste Wahl. Das à-la-carte-Angebot war reichhaltig, die Preise angemessen. Im Hintergrund lief eine Panflöten-CD. Wir wählten dann auch die beiden “Klassiker” der madeirensischen Küche: Silke entschied sich für Espada, den vor Madeira in großer Tiefe gefangenen Degenfisch, während meine Wahl auf den Espetada fiel, einem Spieß mit gegrillten Rindfleischstücken, die traditionell auf einem Lorbeerzweig aufgespießt werden. Müde und satt gingen wir dann an diesem Abend schließlich relativ früh ins Bett.