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Der Tag der Abreise

Der Tag der Abreise war da. Hatten wir uns im Vorfeld noch Gedanken gemacht, ob die kleine Insel überhaupt genug Abwechslung für einen zweiwöchigen Aufenthalt bieten könnte, mussten wir sogar auf etliches verzichten. Aber wie sage ich immer so schön: 'Dann hat man einen Grund, um wiederzukommen!'.

Wir brauchten uns an diesem Tag keinen Stress machen: unser Flieger ging - wie wir uns am Vortag noch einmal bestätigen lassen hatten - erst um 21 Uhr. Somit hatten wir noch fast einen ganzen Urlaubstag zur Verfügung. Wie üblich ging das Packen für die Rückreise recht zügig vonstatten - man musste halt nur alles Vorhandene zusammenraffen. Nach einem letzten Frühstück, das wir wie üblich in aller Ruhe einnahmen, verließen wir das Hotel zu spätestmöglichen Zeitpunkt gegen 12 Uhr. Unsere Pläne für den heutigen Tag sahen vor, den vollgepackten Wagen in Funchal in einem Parkhaus abzustellen und zunächst mit der Seilbahn nach Monte hinauf zu fahren. Die übrige Zeit gedachten wir mit Shopping zu verbringen. Gegen 19 Uhr wollten wir dann am Flughafen sein.

Weinanbau neben dem Hotel Quinta do Furao

Wäre es nach dem Wetter in Santana gegangen, hätte uns die Abreise nicht schwer fallen müssen: dicke, tief hängende Wolken trübten die Sicht, gelegentlich regnete es auch ein wenig. Wie in jedem Urlaub, fiel es uns auch in diesem erst kurz vor der Abfahrt ein, dass wir noch gar keine Bilder vom Hotel und der näheren Umgebung gemacht hatten. Komisch, dass die naheliegendsten Dinge immer zuletzt (oder am Ende gar nicht) fotografiert werden. So entstanden dann u.a. die folgenden Bilder:

Hotel Quinta do Furao

Vorstehend der Flügel des Hotels, in dem wir wohnten (in der ersten Etage, 3. Balkon von rechts), nachfolgend der Eingangsbereich:

Hotel Quinta do Furao

Auch den durchaus ansehlichen Blick vom Rand der Steilküste hielten wir noch einmal fest:

Steilküste am Hotel Quinta do Furao

Schließlich nahmen wir endgültig Abschied von unserem Hotel und machten uns auf den Weg nach Funchal.

Dort führte unser erster Weg in das Madeira Story Centre, in dessen Shop wir beim abendlichen Bummel vor ein paar Tagen einige interessante Kleinigkeiten erspäht hatten. Wir erstanden ausgefallene Schlüsselanhänger und Lesezeichen, aber auch einen inseltypischen 'Bolo de Mel' (Honigkuchen) nebst passendem Stoffbeutel zur Aufbewahrung. Zu einem Besuch der Ausstellung des Story Centre, die einen interaktiven Überblick über die Geschichte von Madeira von der Entstehung bis in die Neuzeit zeigt, konnten wir uns - auch angesichts des Preises von 10 EUR pro Person - an diesem Tag nicht entscheiden. Also schlenderten wir hinüber zur Station der Seilbahn nach Monte.

In der kleinen Parkanlage 'Almirante Reis' am Rande der Altstadt in Küstennähe liegt die Basisstation der modernen Seilbahn nach Monte. Auf einer Strecke von 3,7km wird während der 15-minütigen Fahrt ein Höhenunterschied von 560m überwunden. Die Seilbahn wird vollautomatisch betrieben; die in den Stationen mit verminderter Geschwindigkeit fahrenden Kabinen ermöglichen einen bequemen Einstieg.

Wir hofften, eine der für bis zu acht Personen ausgelegten Kabinen für uns allein ergattern zu können, aber im letzten Moment stieg noch ein älteres Pärchen zu. Die Fahrt führte über die Altstadt und dann über erst mehr, später weniger dicht besiedelte Bereiche der Stadt hinauf in die Berge:

Blick aus der Seilbahn von Funchal nach Monte
Blick aus der Seilbahn von Funchal nach Monte
Blick aus der Seilbahn von Funchal nach Monte

Sehr schön zu erkennen sind die in den Bergen hängenden dunklen Wolken - im Gegensatz zum nahezu blauen Himmel direkt an der Küste.

Ein wenig mulmig konnte einem schon werden, während man in z.T. großer Höhe über Häuser und Straßen schwebte. Aber letzten Endes überwog doch die Faszination der einmaligen Sicht auf Funchal und die nähere Umgebung, die sonst wohl nur durch einen Hubschrauberflug zu realisieren wäre.

Nach eine guten Viertelstunde erreichten wir die obere Station. Von dieser spazierten wir am 'Monte Palace Tropical Garden' vorbei ins Ortszentrum. Im tropischen Garten gibt es neben üppiger tropischer Vegetation auch eine der bedeutendsten Kachelsammlungen Portugals, Bauten und Anlagen im chinesisch-japanischen Stil sowie ein großes Koi-Fischbecken zu sehen. Hier könnte man sich bestimmt einige Stunden aufhalten, an unserem Abreisetag hatten wir jedoch hierzu keine Muße.

Im nur wenige Schritte entfernten Ortszentrum von Monte findet man in erster Linie die Kirche Nossa Senhora do Monte und die Abfahrtsstelle für die berühmten Korbschlitten (carro do ceste):

Korbschlitten in Monte

Diese Korbschlitten gibt es schon seit 150 Jahren - dereinst waren sie ein beliebtes und zügiges Beförderungsmittel in das Zentrum von Funchal. Heutzutage gibt es natürlich schnellere und bequemere Möglichkeiten, aber der Tourismus hält dieses Kuriosum am Leben. Und es lässt sich offenbar gut davon leben: dutzende Schlittenführer in weißer Tracht mit Strohhüten warteten auf Kundschaft. Die Fahrt, die anders als früher nicht bis ins Zentrum von Funchal, sondern nur etwa 2 km bergab führt, schlug mit 10 Euro pro Person zu Buche. Wer also am Ende der Tour nicht vom Reisebus erwartet wird, muss selbst für die Weiterfahrt nach Funchal (z.B. mit dem Bus) sorgen.

Wie funktioniert das mit den Korbschlitten? Nun, die Holzkufen der Schlitten sind vom Asphalt glatt geschliffen... und auch der Asphalt wird vom regelmäßigen Kontakt mit den Kufen ein wenig 'blank'. Den Rest besorgt das Gefälle. Geht es mal nicht weiter, sorgen die beiden Schlittenführer mit ihren Seilen dafür, dass bald wieder Fahrt aufgenommen werden kann. Wer nicht glaubt, dass es dabei zügig zur Sache geht, der muss sich mit eigenen Augen überzeugen!

Korbschlitten in Monte

Mit einigen anderen Touristen schauten wir dem Treiben von einem erhöhten Platz im Park unterhalb der Kirche eine ganze Weile zu. Erst war der Andrang recht gering, dann fuhren jedoch mehrere Busse vor und es kam fast ein wenig Hektik unter den Schlittenführern auf.

Anschließend stiegen wir die zahlreichen Stufen zur Kirche hinauf. Sie ist innen ganz nett anzusehen und bietet eine etwas aus dem Rahmen fallende Sehenswürdigkeit: das Grab des österreichischen Kaisers Karl I. von Habsburg, der hier 1922 im Exil nur 35jährig an einer Lungenentzündung starb. Danach sahen wir uns noch den Park vor der Kirche an, von dessen tiefergelegenem Teil aus man die Korbschlitten auch auf einem weiteren Straßenabschnitt beobachten konnte, wo sie schon ordentlich Fahrt machten.

Eine halbe Stunde später traten wir die Rückfahrt mit der Seilbahn nach Funchal an. Dort angekommen, hielten wir im Park neben der Seilbahnstation zum letzten Mal unser traditionelles Picknick mit Backwaren aus dem Supermarkt in Santana ab. Dann schlenderten wir den Uferweg entlang in Richtung Yachthafen.

Uferpromenade Funchal

Wie man auf dem folgenden Foto sehen kann, hielten sich die Wolken hartnäckig im Landesinneren und insbesondere in den Bergen:

Blick von der Uferpromenade Funchal ins Landesinnere

Wir machten einen Abstecher zum Yachthafen und sahen uns die zahllose Boote an. Hier kann man auch diverse Bootstrips buchen oder eines der vielen Restaurants besuchen. Trotz der eher ungünstigen Zeit - es war noch nicht 17 Uhr und somit weder Zeit für ein ausgiebiges Essen noch für einen Drink - versuchten zahlreiche 'Animateure', uns zum Besuch eines Lokals zu drängen ('Come on - only for a drink!'). Sorry, Leute: sowas wirkt zumindest auf uns nur abschreckend.

Schließlich lenkten wir unsere Schritte in Richtung Stadtzentrum und fanden dort zu unserer Überraschung die Kathedrale Sé geöffnet vor, da hier offenbar in Kürze ein Gottesdienst abgehalten werden sollte. Diese Gelegenheit zur Besichtigung ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Danach liefen wir mehr oder weniger ziellos durch die Straßen, bis wir - wiederum an der Uferpromenade - ein Fast-Food-Lokal ansteuerten, um noch eine Kleinigkeit zu essen - schließlich würden wir heute nur noch einen Imbiss im Flieger bekommen, aber bis zum frühen Morgen unterwegs sein.

Gegen 18:30 holten wir unser Auto aus dem Parkhaus und fuhren zum Flughafen, wo wir kurz vor 19 Uhr ankamen. Nun hieß es den Mietwagen zurück- und das Gepäck aufzugeben. Hier sorgte die Tatsache unter den Passagieren für Verwirrung, dass auf den Gepäckanhängern zwar die richtige Flugnummer, aber als Flugziel Hamburg und nicht Münster angegeben war. Die restliche Zeit bis zum Abflug vertrieben wir uns mit dem Kauf von zwei Flaschen madeirensischen Weins (nein, kein Madeira-Wein, ganz normaler Weiß- und Rotwein) und der Beobachtung des Flugverkehrs von der Besucherterasse aus. Unser von Lanzarote kommender Flieger landete pünktlich gegen 20:20 Uhr.

Wie sich an Bord herausstellte, hatte auch die Platzvergabe durch das Flughafenpersonal irgendwie nicht geklappt. Jedenfalls hieß es kurz nach dem Einsteigen im allenfalls zu zwei Dritteln gefüllten Flieger: freie Platzwahl! So hatten wir eine ganze Reihe für uns allein. Gegen 21 Uhr rollten wir zur Startbahn und hoben kurze Zeit später ab. Ein letzter Blick auf die Insel - dann waren wir auch schon in den Wolken verschwunden. Knappe dreieinhalb Stunden später landeten wir wohlbehalten in Münster.

Das war also unser Madeira-Urlaub 2005 - wir haben ihn sehr genossen und kommen bestimmt wieder!