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Die große Südwest-Tour

Für unseren fünften Urlaubstag hatten wir uns viel vorgenommen: die bei John und Pat beschriebene Autotour No. 6 ('Die sonnige Südwestküste') sollte es sein. Die Tour erstreckt sich zunächst von Ribeira Brava etwas oberhalb der Küste bis Ponta do Pargo und führt dann direkt an der Küste wieder nach Ribeira Brava zurück. Für uns bedeutete dies, zunächst einmal die lange Anfahrt von Santana nach Ribeira Brava hinter uns zu bringen, bevor es überhaupt richtig losgehen konnte.

Im Frühstücksraum mussten wir feststellen, dass die von uns so innig geliebte Panflöten-CD auf geheimnisvolle Weise ihren Weg in den dortigen CD-Player gefunden haben musste... es blieb uns aber auch nichts erspart.

Nach intensivem Kartenstudium entschieden wir uns, zunächst nach São Vicente zu fahren und dann über den Encumeada-Pass Ribeira Brava anzusteuern. Die Strecke nach São Vicente kannten wir ja noch von der Nordwest-Tour vor zwei Tagen. In São Vicente bogen wir dann auf die ER104 nach Süden ab. Schon bald mussten wir uns entscheiden: nehmen wir die neue Strecke durch den Tunnel oder die alte über den Pass? Wir dachten uns 'Tunnel ist blöd' und wählten die Passstraße. Leider landeten wir ziemlich schnell in den tiefhängenden Wolken und konnten so nicht besonders viel von der Landschaft sehen. Auf halber Strecke kamen wir an dem Hotel vorbei, in dem mein Kollege und sein Freund residierten und über das sie sich nicht übermäßig begeistert geäußert hatten. Naja, die Lage war auf jeden Fall nicht schlecht. Nach fast zweistündiger Fahrt (!) erreichten wir schließlich Ribeira Brava an der Südküste.

Noch vor dem Ortszentrum bogen wir rechts auf die ER222, die uns gleich wieder steil bergauf führte. Stets nur wenige Kilometer von der Küste entfernt, ging es durch zahlreiche kleine Ortschaften. Hinter Lombada erreichten wir einen ersten Aussichtspunkt, von dem aus man einen schönen Blick auf die Küste und den Ort Ponta do Sol hatte:

Südküste bei Ponta do Sol

An diesem kleinen Rastplatz fotografierten wir auch mal unsere Klapperkiste:

Unser Mietwagen auf einem Rastplatz bei Lombada

Was uns auffiel: hier im Süden wurden auf fast jeder freien Fläche Bananen angebaut (s. die Stauden rechts und links im Bild).

Von John und Pat ermuntert, zählten wir im nächsten größeren Ort, Canhas, eifrig Kreuzwegstationen, bevor wir uns in einem (für dörfliche Verhältnisse) recht großen Supermarkt praktischeren Dingen widmeten. In Arco da Calheta wählten wir zunächst den Abstecher zum Pico do Arco, der uns zwar durch zahlreiche Neubaugebiete führte, aber ansonsten keine unbedingt aufregenden Aussichten bescherte. Die Straße endete an einem kleinen Restaurant.

Der nächste planmäßige Halt war dann Loreto, wo wir pflichtschuldigst die im Reiseführer erwähnte manuelinische Kirche besichtigten - von außen, denn den erforderlichen Schlüsselwart konnten wir nirgends entdecken.

Manuelinische Kirche in Loreto

Die Kirche sah in der Tat ganz nett aus - auffällig war der rückseitige, windschiefe 'offene' Anbau, der noch einmal etliche Kirchenbankreihen beherbergte.

Der nächste Halt war Prazeres. Der Ort an sich ist eigentlich unspektakulär - wäre da nicht das Hotel Jardim Atlantico. Dieses am Hang direkt oberhalb des Meeres gebaute Hotel lohnt immer eine Besichtigung - und sei es nur wegen der Aussicht. Von einer Bank am Rande der Anlage genossen wir den Blick auf die beeindruckende Klippenlandschaft (man beachte auch die zahllosen kleinen Terrassen, die von den  Bauern angelegt wurden, um die steilen Hänge bewirtschaften zu können):

Blick vom Hotel Jardim Atlantico in Prazeres

600m unter uns lag der Ort Paúl do Mar, den wir auf der Rückfahrt streifen würden. Nachdem wir uns mit den sanitären Anlagen im Rezeptionsbereich des Hotels vertraut gemacht hatten, setzten wir unsere Fahrt zum Wendepunkt in Ponta do Pargo fort, wo es den einzigen ohne Weiteres zugänglichen Leuchtturm Madeiras zu besichtigen gibt.

Vom Dörfchen Ponta do Pargo aus führte eine 2km lange Straße zum direkt an der Steilküste gelegenen 'Farol' (Leuchtturm), der den westlichsten Punkt der Insel markiert:

Leuchtturm Ponta do Pargo

Hier war richtig etwas los: offenbar hatten auch einige Einheimische an diesem Samstag einen Ausflug hierher unternommen. Auf der Klippe unterhalb des Leuchtturms konnte man ein wenig herumlaufen und schauen, wie nah man dem Rand kommen konnte, ohne dass einen das Schwindelgefühl übermannte.

Klippe unterhalb des Leuchtturms Ponta do Pargo

Direkt am Rand fiel die Küste nämlich steil ab ins Meer:

Steilküste am Leuchtturm Ponta do Pargo

Nachdem wir uns ausgetobt hatten, fuhren wir noch ein paar Meter weiter zu einem kleinen Aussichtspunkt unterhalb eines Restaurants. Dort teilten wir unsere tägliche Obstration redlich mit den plötzlich gar nicht mehr so trägen Lurchen:

Hungrige Lurche bei Ponta do Pargo

Auf der Rückfahrt durch den Ort hielt Silke noch folgende typische madeirensische Dorfszenerie fest:

Dörfliche Szenerie in Ponta do Pargo

Nun begann die zweite Hälfte der Tour, quasi der Rückweg. Wir fuhren zunächst die vom Hinweg bekannte Strecke ein Stück zurück, bis wir den Abzweig nach Faja da Ovelha erreichten. Von dort ging es dann hinunter zur Küste. Irgendwo an einem Fußgängerüberweg schossen wir dann dieses mindestens mal denk-, wenn nicht sogar preiswürdige Foto:

Kuh am Fußgängerüberweg

Direkt neben der Straße an einem Pfosten neben dem Verkehrsschild angekettet, stand am steilen Abhang eine Kuh und glotzte uns neugierig an - hinter/unter ihr der Atlantik. Typisch Madeira!

Steiler Weg an der Südküste bei Paul do Mar

In Paúl do Mar waren wir wieder annähernd auf Meereshöhe und trafen auf die gut ausgebaute Küstenstraße. Dank wiederum zahlreicher neuer Tunnel konnte man zügig von Ort zu Ort fahren. Im Grunde sieht die Küstenstraße ab hier bis zum Beginn der 'Inselautobahn' in Ribeira Brava immer gleich aus: auf eine Serie von Tunneln folgt ein Kreisverkehr. von dem aus man entweder in den Ort, ins Inselinnere oder in den nächsten Tunnel weiter die Küste entlang abzweigen kann. Nicht besonders aufregend zu fahren, aber schnell. Nun ja.

Im nächsten Ort, Jardim do Mar, hielten wir kurz an, um uns den 'wunderschon restaurierten' (John und Pat) kleinen Ortskern mit seinen gepflasterten Wegen anzuschauen:

Jardim do Mar

Wirklich schön anzusehen! Doch mittlerweile war es auch fast 19 Uhr, und noch fast mehr als hübsche Dörfchen begann uns langsam auch das gastronomische Angebot des Südens zu interessieren, denn heute würde es kein Abendessen im Hotel geben. In Jardim do Mar wurden wir jedenfalls diesbezüglich nicht fündig, und so setzten wir unsere Fahrt fort. Weiter ging es über Calheta, Madalena do Mar und Ponta do Sol schließlich wieder nach Ribeira Brava. Auch hier entdeckten wir auf einer Extrarunde durch den Ortskern kein reizvolles Restaurant und so beschlossen wir, weiter in Richtung Funchal zu fahren, wo wir spätestens etwas zu finden hofften. In Ribeira Brava beginnt (oder endet) die 'Inselautobahn', die sich von hier bis Caniçal ganz im Osten erstreckt. 'Autobahn' bedeutet: eine vierspurig ausgebaute Schnellstraße, die die zahlreichen Täler mit aufwändigen Brückenkonstruktionen überspannt und per Tunnel durch jeden Berg hindurchführt, der im Wege ist. Dank dieser Baumaßnahme findet sich so mancher Bewohner eines einst idyllischen Tals nun unter einer Autobahnbrücke wieder.

Knapp 10km nach Ribeira Brava stießen wir auf den Küstenort Câmara de Lobos. Hier verließen wir die Autobahn wieder. Direkt hinter dem Ort beginnt die Küstenstraße nach Funchal, an der zahllose Hotels wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht sind. Zunächst steuerten wir jedoch den Ortskern des Fischerdörfchens Câmara de Lobos an. Oberhalb des kleinen Fischerhafens entdeckten wir die Rückseite eines Restaurants namens 'Churchill’s', das auch Plätze auf einer Terrasse bot. Das wollten wir uns einmal näher ansehen.

Nachdem wir einen Parkplatz an der vielbefahrenen Straße direkt vor dem Restaurant bekamen, waren wir wild entschlossen, hier auch einzukehren. Ein Platz auf der Terrasse war schnell gefunden, zumal außer unserem nur noch zwei weitere Tische besetzt waren. Hier kam es dann zum 'Touri-Nepp' No. 2 (zur Erinnerung: No. 1 war auf dem Markt in Funchal). Zunächst brachte man uns die Karte, auf der man das inseltypische Angebot zu durchaus normalen Preisen finden konnte. Noch bevor wir uns für etwas entscheiden konnten, wurde uns auf einer Platte das aktuelle Frischfisch-Angebot präsentiert, das angeblich sogar gerade erst hereingekommen war. Wir entschieden auf Grund entsprechender Beratung für einen Fisch mit zartem, saftigen Fleisch und wählten als Beilage Pommes Frites und Salat. Da ich wusste, dass wir nur noch knapp 60 Euro Bargeld bei uns hatten, machte ich mir schon mal Gedanken, ob die Zahl '35', die auf einem Pappschild stand, das auf besagtem Fisch lag, wohl der Preis gewesen sein mochte. Nachdem wir eine Weile die Abendsonne und den wirklich schönen Ausblick auf das Dorf genossen hatten, wurde auch schon das Essen serviert. Der Fisch war in der Tat schmackhaft, wenn auch nicht der Größte. Naja, wir wurden dann - auch dank einer Vorspeise - gerade so satt.

Inzwischen war die Sonne untergegangen und das Dorf war in das Licht der Straßenlaternen getaucht. Diesen herrlichen Anblick hielten wir unter Ausnutzung einer Mauer als 'natürliches Stativ' fest:

Camara de Lobos bei Nacht

Die schöne Aussicht mussten wir jedoch am Ende teuer bezahlen: die Rechnung im Restaurant belief sich auf knapp 60 Euro! Der Fisch schlug dabei in der Tat mit 35 Euro zu Buche - für einen direkt nebenan gefangenen Fisch, von dem zwei Personen knapp satt wurden, ein - vorsichtig ausgedrückt - sehr stolzer Preis. Weitere 25 Euro für Beilagen, Vorspeisen und Getränke - auch nicht von Pappe. Diese Summe konnten wir im weiteren Verlauf unseres Urlaubs nicht mehr toppen. Deshalb unser Rat: wenn man abends die herrliche Aussicht von der Terrasse des Lokals 'Churchill’s' in Câmara de Lobos genießen will, sollte man auf jeden Fall 'à la carte' essen!

Inzwischen war es nach 21 Uhr. Wir folgten der Küstenstraße nach Funchal - zunächst durch mir unbekannte, da neue Hotelzonen, dann u.a. am Hotel 'Baia Azul' vorbei, in dem ich vor 10 Jahren residiert hatte. In Funchal fuhren wir am Hafen und an der Uferstraße 'Avenida do Mar' entlang - hier herrschte typisches nächtliches Urlaubsort-Treiben. Über die Ausfallstraße an der Markthalle vorbei erreichten wir wieder die Autobahn und schließlich eine knappe Stunde später unser Domizil in Santana - ein langer und ereignisreicher Tag ging zu Ende.