schoenborner.de - Reisebericht Madeira 2005

Der sanfte Charme des Ostens

Nach der anstrengenden Wanderung vom Vortag freuten wir uns am heutigen Tag auf die bei John und Pat beschriebene Autotour No. 2 'Der sanfte Charme Ostmadeiras'. Sie sollte uns einige Orte nahebringen, an denen wir schon etliche Male vorbeigefahren waren und uns bis zum östlichsten Zipfel Madeiras, der Ponta de São Lourenço, führen. Nebenbei war der heutige 25. April auf Madeira ein Feiertag, der 'Dia de Liberdade' (Tag der Freiheit).

Wie alle Autotouren war auch diese vom Startort Funchal aus beschrieben und so steuerten wir als erstes den nahe der Inselhauptstadt gelegenen Ort Camacha an. Lt. John und Pat ist der Ort das 'Zentrum von Madeiras Weidenverarbeitung'. Wie zum Beweis wurden in jedem zweiten Geschäft am Straßenrand Töpferwaren feilgeboten. Wir parkten auf dem 'Achada de Camacha' (Dorfplatz) und gingen ein wenig umher. Von einem Aussichtspunkt neben einem Restaurant hatte man einen schönen Ausblick über das Tal der Ribeira do Porto Novo (leider kein Foto). Außerdem bewundern wir eine schöne kleine Kirche:

Kirche in Camacha

Unsere weitere Fahrt ging über die Anhöhen von Eira da Fora und durch den kleinen Ort Aguas Mansas nach Santo da Serra. Unterwegs kamen wir an mehreren Stellen vorbei, an denen die Einheimischen - wohl aus Anlass des heutigen Feiertages - große Grills aufgestellt hatten, von denen ein verführerischer Duft ausging. Im Dorfzentrum von Santo da Serra konnten wir es nicht mehr aushalten und schauten trotz unseres erst wenige Stunden zurückliegenden reichlichen Frühstücks einmal nach, was denn dort so gebrutzelt wurde. Wir probierten eine mit Salami und Schinken gefüllte Teigtasche - köstlich!

Danach fuhren wir an mehreren schönen Quintas (Landgütern) und einem Golfplatz weiter in Richtung Machico. Kurz vor Erreichen des Ortes hat man eine schöne Aussicht auf selbigen nebst Bucht und Hafen:

Blick auf die Bucht von Machico

Wir parkten unser Auto auf dem schattigen Dorfplatz:

Dorfplatz in Machico

In Machico zog es uns als erstes ans Wasser. Dort erfreuten wir uns am Anblick der typischen kleinen Fischerboote...

Fischerboote im Hafen von Machico

... und wunderten uns mal wieder über eine völlig überdimensionierte Uferpromenade:

Uferpromenade in Machico

Wo sind sie nur - die zahllosen Touristen, die hier unter (den noch etwas mickrigen) Palmen flanieren? Wer nutzt die Umkleidekabinen, um (vom felsigen Strand aus) ein Bad im Meer zu nehmen? Wer betreibt den Kiosk in diesem Glaspalast? Wer hat das alles bezahlt? Und nein, dies ist keine untypische Aufnahme, wir waren mehrmals zu unterschiedlichen Zeiten in Machico, und mehr als ein paar 'verirrte' Touristen sowie einige Einheimische haben wir nie angetroffen.

Im Dorfkern entdeckte ich ein Restaurant mit einer großen Terrasse, in dem ich vor 10 Jahren schon einmal etwas getrunken hatte. Es liegt direkt an einer schönen Allee:

Allee in Machico

Die Terrasse sah immer noch einladend aus, die Preise auf der Speisekarten waren zivil. Wir beschlossen, hier bei Gelegenheit einmal zum Abendessen vorbeizuschauen.

Nachdem wir uns noch zwei oder drei Dorfsträßchen angesehen hatten, setzten wir unsere Fahrt fort. Die Tour führte uns als nächstes nach Caniçal - ein ehemals armseliger Fischerort, Endpunkt der Inselautobahn und dank des steuerfreien Industriegebiets jetzt im Zustand ständiger Expansion. Wie vorgeschlagen, fuhren wir auf steilen Straßen hinab in den Ort. Hier und da sah es ganz nett aus, aber zum Aussteigen reizte es uns nicht. So verließen wir den Ort wieder und erreichten nach kurzer Fahrt die Abra-Bucht, eine der wenigen sandigen Badebuchten von Madeira.

Die Abra-Bucht bei Canical

War es hier vor 10 Jahren noch recht einsam und der Strand nur kraxelnderweise zu erreichen, fanden wir die Bucht nun dank einer Zufahrtsstraße und eines Kiosks recht belebt vor. Außerdem hatten wohl etliche Einheimische den Feiertag zu einem Badeausflug genutzt. Wir setzten uns oberhalb der Bucht an einen der Picknicktische, beobachteten das Treiben in der Bucht und die anfliegenden und startenden Flugzeuge (der Flughafen liegt direkt oberhalb des nur wenige Kilometer von hier entfernten Ortes Machico) und hielten die Gesichter in die Sonne.

Mit Mühe rafften wir uns auf, um die Tour fortzusetzen - wir hatten ja noch ein bisschen was vor uns! Nach kurzer Fahrt erreichten wir den großen, gut gefüllten Parkplatz auf der Halbinsel São Lourenço. Hier war er also - der östlichste Zipfel der Insel:

Halbinsel São Lourenço

Dieser Küstenabschnitt mit den gezackten rötlichen Felsen und dem kleinen Felsen im Wasser mit 'Tor' gehört sicher zu den meist fotografierten Objekten auf Madeira. Trotz angenehmer Temperaturen wehte hier eine steife Brise. Verschiedene Aussichtsplattformen boten atemberaubende Ausblicke:

Halbinsel São Lourenço
Halbinsel São Lourenço - Steilküste
Halbinsel São Lourenço - Steilküste

Auf diesem Bild erkennt man sehr schön die schmale Verbindung (Estreito) zwischen São Lourenço und der Hauptinsel:

Halbinsel São Lourenço - Estreito

Vom Kreisverkehr, von dem aus die Straße zu diesem Aussichtspunkt abzweigte, ging noch eine weitere Straße ohne Hinweisschild ab. Neugierig, wie wir sind, kundschafteten wir aus, wo diese denn wohl hinführte. Und siehe da: auf der relativ neuen Straße gelangte man noch ein ganzes Stück weiter auf die Halbinsel. Auch hier endete die Straße an einem großen Parkplatz. Von hier konnte man die Südflanke der Halbinsel betrachten...

Halbinsel São Lourenço

... und konnte sogar den äußersten Zipfel mit dem Leuchtturm erspähen:

Halbinsel São Lourenço

Auch einen Blick auf die Desertas konnte man von hier erhaschen:

Desertas

Vom Parkplatz aus hätte man auch leicht in die bei John und Pat beschriebene Wanderung 13 einsteigen können, die schon in der Abra-Bucht beginnt und fast bis zum östlichsten Zipfel führt. Sie erfordert allerdings an mindestens einer Stelle Trittsicherheit und Schwindelfreiheit und darüber hinaus über einen gewissen Orientierungssinn, da der Pfad stellenweise ausgesetzt ist.

Nächster 'Tagesordnungspunkt' war der Pico do Facho ('Feuerberg'), von dessen Spitze man aus 517m Höhe einen herrlichen Ausblick auf Machico und den Flughafen (oben)...

Blick vom Pico do Facho auf Machico und den Flughafen
Blick vom Pico do Facho auf Machico

...sowie auf die gerade besichtigte Halbinsel hatte:

Blick vom Pico do Facho auf die Halbinsel Sao Lourenco

Von hier ging es dann hinter Machico auf die Autobahn - Ziel sollte das Dorf Santa Cruz gleich hinter dem Flughafen sein. Leider war der Ort völlig mit Autos verstopft und absolut kein Parkplatz in der Nähe des Ortskerns mit der schönen weißen Kirche São Salvador zu bekommen, so dass wir unverrichteter Dinge wieder von dannen zogen - mussten wir halt ein anderes Mal hier vorbeischauen. Schließlich steuerten wir Caniço an (die bei John und Pat beschriebene, hinter Santa Cruz weiter nach Assomada führende Küstenstraße konnten wir nicht finden). Hier hielten wir an und genossen die Abendstimmung auf dem Dorfplatz - es war inzwischen 19 Uhr vorbei.

Dorfplatz von Canico mit Kirche
Szene auf dem Dorfplatz von Canico

Die reguläre Tour sollte nun über Cançela und São Gonçalo nach Funchal zurückführen. Angesichts der Uhrzeit und der Tatsache, dass wir in dem Lokal in Machico mit der schönen Terrasse zu Abend essen wollten, ließen wir dieses letzte Teilstück aus. Wir machten jedoch noch einen Abstecher in den Ferienort Caniço Baixo, wo sich Hotel an Hotel reihte. Zwar finden sich hier auch Luxusherbergen wie das Riu Palace und die Lage direkt am Wasser ist auch durchaus attraktiv, jedoch ist diese Ansiedlung sehr isoliert. Außer den Hotels und ein, zwei traurigen Lokalen gibt es hier nichts. Der Weg in den vielleicht 1,5km entfernten Hauptort Caniço ist derart steil, dass man sich den entsprechenden Fußmarsch wohl auch kaum antun wird.

In Machico aßen wir dann preiswert und gut. Meine Wahl fiel auf ein 'Rindfleischgericht nach Madeira-Art', was sich als der Klassiker Espetada entpuppte. Zwar steckte das Fleisch hier auf einem schnöden Metallspieß, dafür war die Portion doppelt so groß wie im Hotelrestaurant. Nach einem kleinen Verdauungsspaziergang auf der Uferpromenade kehrten wir schließlich nach Santana zurück.

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