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Die Nordwest-Tour, Teil 2
(oder: Auf den Spuren der Kühe)

Tja, soweit war es nun schon gekommen: vor lauter Verzweiflung hatten wir uns an diesem Tag vorgenommen, die am dritten Tag ausgelassenen Dinge auf der Autotour in den Nordwestteil der Insel nachzuholen. Wenn ich allerdings die Fotoausbeute dieses Tages betrachte, sind dort hauptsächlich Kühe zu sehen - was mich zum obigen Untertitel inspiriert hat.  ;-)

Tatsächlich waren uns nicht wirklich die Ausflugsziele ausgegangen: vielmehr war das Wetter in den Bergen für eine Wanderung zum Caldeirão Verde oder gar auf den Pico Ruivo zu schlecht - sie hüllten sich bis zum Mittag in dunkle Wolken. Andererseits waren uns auf der Nordwesttour (Autotour 5 'Porto Moniz und der Paúl da Serra') der Abstecher über Ribeira da Janela zum Forsthaus Fanal sowie die gesamte Erkundung des Paul entgangen. Grund genug für uns, die lange Fahrt erneut auf uns zu nehmen.

Als erstes steuerten wir den Miradouro 'Vigia' bei São Jorge an. Dort endet die Wanderung No. 18, die man von unserem Hotel aus hätte beginnen können. Sie führt über alte Pflasterwege hinab in das Tal der Ribeira de São Jorge mit den Überresten des ehemaligen Hafens von Calhau und von dort wieder hinauf nach São Jorge und schließlich zur Vigia. Bei der anstrengenden Wanderung werden in dreieinhalb Stunden 400 Höhenmeter überwunden.

Da wir uns Bücher mitgenommen hatten und es gerade mal 13 Uhr war, ließen wir uns auf einer Bank am Aussichtspunkt zum Lesen nieder. Die Aussicht bot gegenüber der während des ersten Ausflugs in diese Gegend keine zusätzlichen Reize - jedenfalls haben wir dort nur ein relativ nichtssagendes Foto gemacht, das ich dem Leser hier mal erspare. Überrascht beobachteten wir ein oder zwei junge Pärchen, die sich mit Strandsachen und Proviant bewaffnet und nur mit Latschen an den Füßen an den hier beginnenden Abstieg zum 300m tiefer gelegenen Ufer (!) machten.

Eine gute Stunde später brachen wir wieder auf. Zunächst machten wir noch einen Abstecher zum kleinen unscheinbaren Leuchtturm an der Ponta de São Jorge. In São Jorge warfen wir noch einen Blick in die schöne Barockkirche, bevor wir uns ans 'Kilometerfressen' begaben. Gegen 15:45 kamen wir in Ribeira da Janela an.

Von der Straße aus, die von der Küstenstraße hinauf zum Dorfzentrum abzweigt, blickt man auf einen markant geformten Felsen, der kurz vor der Küste aus dem Wasser ragt:

Markanter Felsen an der Küste bei Ribeira da Janela

Über zahlreiche Serpentinen fuhren wir durch Ribeira da Janela, ein wenig reizvolles Dorf. Auch auf den folgenden 10km zu unserem Etappenziel, das Forsthaus Fanal, ging es beständig bergauf. Eigentlich hatten wir vorgehabt, beim Forsthaus unser tägliches kleines Picknick abzuhalten, zumal es dort lt. John und Pat 'einen wundersamen Wald aus uralten Lorbeerbäumen (Tis)' geben sollte, der zum Wandern und Picknicken geradezu einlüde.

Nix war’s: je höher wir kamen, desto schlechter wurde das Wetter. Am Forsthaus angekommen, pfiff uns ein ziemlicher Wind um die Ohren. Das Picknick wurde daher nach einem kurzen Versuch, es sich im Freien gemütlich zu machen, kurzerhand ins Auto verlegt. Danach wollten wir zu einem Spaziergang aufbrechen. Der Weg am Forsthaus vorbei führte jedoch nicht in einen Märchenwald, sondern auf einen riesigen, saftig-grünen Weidegrund für einheimische Rindviecher. Nicht nur, dass man ständig Gefahr lief, in einen Kuhfladen zu treten, musste man auch noch darauf achten, den Tierchen nicht zu nahe zu kommen - junge Bullen sollen ja nicht zu den freundlichsten Zeitgenossen gehören. So schossen wir nur ein paar Bilder von der für Madeira eher untypischen Landschaft mit den in der Tat bemerkenswerten Lorbeerbäumen:

Beim Forsthaus Fanal
Beim Forsthaus Fanal
Beim Forsthaus Fanal

Die kleinen weißen und braunen Flecken auf den Bildern sind übrigens Kühe! Näher haben wir uns halt nicht rangetraut...

Wenig später machten wir uns wieder auf den Rückweg in Richtung Ribeira da Janela. Von einem Rastplatz am Wegrand...

Rastplatz an der Straße zum Forsthaus Fanal

... hatte man einen schönen Blick auf die gegenüberliegende Hochebene Paúl da Serra, von der uns hier eine breite Schlucht trennte:

Blick auf den Paul da Serra

Unser nächstes Ziel war die Seilbahn an der Quebrada Nova bei Achadas da Cruz. Für die Fahrt über Porto Moniz und Santa benötigten wir eine knappe Stunde. Ähnlich wie in Santana war auch diese Seilbahn weniger zur Touristenbelustigung als vielmehr zum Transport der Bauern zu ihren tiefer gelegenen Feldern errichtet worden. Als wir dort ankamen, wurde die Station gerade geschlossen. Der Blick hinunter zur Küste war kaum weniger aufregend als vom Cabo Girão - kein Wunder, denn auch hier ging es 640m in die Tiefe:

Blick von der Seilbahnstation an der Quebrada Nova zur Küste
Blick von der Seilbahnstation an der Quebrada Nova zur Küste

Da sich hier auch wieder die Sonne zeigte, setzten wir uns für ein Weilchen auf eine der bereitstehenden Bänke und genossen Wärme und Aussicht.

Nun waren wir bereit, den Paul in voller Länge und Schönheit zu besichtigen. Im Gegensatz zu unserem ersten Besuch hier oben (Wanderung von Rabaçal zum Risco und den 25 Quellen) spielte das Wetter heute mit: strahlender Sonnenschein begleitete uns auf der gesamten Strecke über die Hochebene.

Am Wegesrand sichteten wir eine sich schubbernde Kuh, der es offenbar gewaltig am Halse juckte...

Kuh auf der Hochebene Paul da Serra

... und hielten dann an der verfallenen 'Casa do Elias' bei Quebradas an. Von hier hatte man einen großartigen Blick auf Ribeira da Janela...

Blick von der Casa do Elias auf Ribeira da Janela

... und die umliegende Bergwelt:

Blick von der Casa do Elias

Nur wenige Kilometer weiter konnten wir von einem weiteren Miradouro in der Nähe der Fonte do Bispo zumindest per Fernglas einen Blick auf Rabaçal und sogar auf den Wasserfall Risco erhaschen. Auf der gegenüberliegenden Talseite waren wiederum die alten Lorbeerbäume von Fanal zu erkennen.

Auf der weiteren Fahrt über den Paul gab es hauptsächlich Kühe mitten auf der Straße...

Kühe auf dem Paul da Serra

... Kühe am Wegesrand...

Kühe auf dem Paul da Serra

... und eine einsame Kuh zwischen Leitplanke und Zaun verkeilt:

Kühe auf dem Paul da Serra

Ein letzter und atemberaubender Höhepunkt der Fahrt sollte die Abfahrt vom Paul hinab zur Encumeada sein. Und uns wurde nicht zuviel versprochen: der Anblick, die sich uns hier bot, konnte es durchaus mit den Rocky Mountains aufnehmen, die wir drei Jahre zuvor in Kanada genossen hatten. Leider waren die schon tiefstehende Abendsonne (19:30 Uhr) und wenig Haltemöglichkeiten auf der serpentinenreichen Strecke nicht dazu angetan, das fotografische Festhalten dieses überwältigenden Panoramas zu erleichtern. Die besten Versuche waren noch diese:

Bergwelt bei der Abfahrt vom Paul da Serra zur Encumeada
Bergwelt bei der Abfahrt vom Paul da Serra zur Encumeada
Bergwelt bei der Abfahrt vom Paul da Serra zur Encumeada

Wir waren schließlich schwer enttäuscht, als wir die Straße nach Ribeira Brava hinab erreichten, da wir uns von vom Anblick dieser faszinierenden Bergwelt trennen mussten.

In Ribeira Brava schwenkten wir auf die Autobahn und fuhren schließlich nach Funchal hinein. All die Abende mit überwiegend madeirensischen Spezialitäten hatten in uns die Lust auf eine ordinäre Pizza geweckt. In einer Touristenzeitschrift war uns schon vor einigen Tagen die Anzeige einer Pizzeria aufgefallen, und so wurde diese das Ziel des heutigen Abends. Die Pizzeria lag in der Rua Santa Maria in der Altstadt von Funchal. Wir stellten den Wagen an der Avenida do Mar ab und machten uns zu Fuß auf die weitere Suche. Die Rua Santa Maria zweigte kurz vor der Markthalle ab und präsentierte sich als schmale, aber lebhafte, mit Wimpelbändern geschmückte Gasse, in der sich ein Restaurant an das andere reihte. Ähnlich wie in Curral das Freiras wurde versucht, die Touristen in die verschiedensten Lokale zu locken. In vielen waren in Schaufenstern die offenbar unvermeidlichen Espetadas - hier als riesige Metallspieße - zu sehen. Wir machten uns jedoch unbeirrt auf die Suche nach unserer Pizzeria.

Fast am Ende der Straße fanden wir endlich eine - und glaubten zunächst, es wäre die falsche, denn dies war eher eine Bar, in der auch Pizza serviert wurde. Im Eingangsbereich saßen zahlreiche Einheimische und schauten gebannt auf einen Fernseher, in dem Fußball lief. Dahinter waren nur wenige kleine Tische und insgesamt ging es recht eng zu. Etwas skeptisch nahmen wir Platz, waren jedoch mit der Pizza sehr zufrieden. Preiswert war es obendrein - also wer in Funchal ohne großes Drumherum eine Pizza essen möchte, dem sei das Restaurant 'Pizza El Gordo' in der Rua Santa Maria 160 wärmstens empfohlen.

Zum ersten Mal in diesem Urlaub bot sich dann an diesem Abend die Gelegenheit, sich nach dem Essen noch einmal die Beine in den belebten Straßen einer Stadt zu vertreten. Das nutzten wir natürlich aus und mischten uns unter die zahlreichen Touristen. Sogar ein 'Open Air Konzert' wurde uns geboten. Die Atmosphäre in den engen Gassen der Altstadt war wirklich sehr schön.

Schließlich traten wir den Rückweg nach Santana an.

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