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Die Nordwest-Tour

Nach Studium des gestern erworbenen Madeira-Reiseführers von John und Pat Underwood, den ich im Übrigen jedem Madeiraurlauber empfehlen kann, entschieden wir uns für eine erste ausgiebige Autotour (Tour 5: 'Porto Moniz und der Paúl da Serra'). Das Ziel: der Nordwesten der Insel mit seinen atemberaubenden Küstenstraßen. Da alle bei John und Pat beschriebenen Autotouren in Funchal beginnen und enden, wir aber bekanntlich bereits in Santana an der Nordküste waren, machten wir uns direkt in Richtung Westen auf den Weg und stießen so quasi in São Vicente auf die eigentliche Tour. Wir  verabredeten, von nun an möglichst jeden Tag im Wechsel eine Autotour oder eine Wanderung zu unternehmen. So nahmen wir uns für heute vor, uns an der leicht zu begehenden Levada da Central da Ribeira da Janela (was für ein Bandwurm!) in Lamaceiros in der Nähe von Porto Moniz schon mal ein wenig 'einzulaufen'.

Gesagt, getan. Wir steuerten also zunächst den Ort São Jorge an, der westlich von Santana an der Küste liegt. Auf dem Weg dorthin kamen wir mal wieder durch einen neuen Tunnel. São Jorge war schnell erreicht, bot aber keinen Grund zum Anhalten und so fuhren wir zügig weiter. Bis nach São Vicente verlief die Strecke dann übrigens auf 'alten' Straßen - keine Schnellstraßen, keine Betonröhren. Beschaulich ging es meist kurvenreich mal steil hinauf, mal wieder herunter.

Küste bei Cabanas

Den ersten Stopp legten wir kurz hinter São Jorge an einem Aussichtspunkt ('Miradouro') neben der Ferienhaussiedlung 'Cabanas' ein. Von dort hatte man einen herrlichen Ausblick über die Küste, leider bei wolkenverhangenem Himmel. Der blaue Streifen in Richtung Westen verhieß jedoch auf späteren Tourabschnitten besseres Wetter. Zwei fliegende Händler verkauften Obst und Blumen; bei einem erwarb ich kleine, aprikosenähnliche Früchte, von denen ich auch schon beim Frühstück gekostet hatte. Leider ein erneuter Fehlkauf: denn sie waren entweder noch nicht ganz reif und ziemlich sauer oder verfault - den genießbaren Zustand hatte ich bei den meisten irgendwie verpasst.

In einem der nächsten Orte - ich weiß nicht mehr, ob es Boaventura oder Ponta Delgada war - folgten wir einem Miradouro-Hinweisschild und landeten schließlich neben auf einem Platz neben einer vergammelten Sportanlage, der mit riesigen Schlaglöchern übersät war. Eins musste ich wohl übersehen haben und versenkte das Vorderrad unseres eh schon geschundenen Mietwagens darin... naja, die Felge sah auch vorher schon ziemlich ramponiert aus. Gelohnt hat sich der Abstecher auch nicht, denn es gab nichts Außergewöhnliches zu sehen.

Restauranthinweis ins Nichts?

Der nächste Halt war an einem Miradouro mit lustigem Hinweisschild auf ein Restaurant. Das Schild stand auf einem kleinen Landvorsprung und sollte auf ein Restaurant in der nächsten Bucht verweisen. Für sich betrachtet zeigte es eher irgendwie ins Nichts... Unmittelbar danach folgte ein kurzer Straßenabschnitt, mit dem man Touristen auf Madeira so schön vom Mietwagenfahren abbringen (und statt dessen zum Buchen einer teuren Bustour verleiten) kann: direkt in die felsige Steilküste gehauen, nur an wenigen Stellen breit genug, dass zwei Fahrzeuge aneinander vorbeifahren können, und mittendrin auch noch ein Tunnel (nein, nicht so eine neumodische Betonröhre, einfach so in den Stein gehauen und überall tröpfelnd). Naja, ich musste dann auch prompt etliche Meter rückwärts fahren, um den Gegenverkehr vorbeizulassen und Silke hat ein bisschen geschwitzt, aber das war’s auch schon. ;-)

Ab São Vicente konnten wir dann wieder von den Segnungen der EU profitieren: auf frisch asphaltierten Straßen ging es durch zahllose Tunnel (jetzt wieder die Betonröhren) ohne unnötige Hindernisse stramm geradeaus. Die besonders in diesem Küstenabschnitt schön anzusehende, aber auch einst berüchtigte Küstenstraße hat man glücklicherweise jedoch in Teilen erhalten: vor etlichen Tunneln zweigt rechts die 'Antiga ER101' ab, also die alte ER101. Inzwischen ist sie allerdings nur noch als Einbahnstraße in westlicher Richtung befahrbar. In São Vicente zweigt übrigens auch die neu ausgebaute ER104 nach Ribeira Brava ab, die somit ziemlich genau in der Mitte der Insel die zügige Durchfahrt von der Nord- zur Südküste ermöglicht. Dabei spart man sich die früher zwingende Fahrt über den Encumeada-Pass, dafür gibt es jetzt.....rrrrrichtig, einen schönen Tunnel.

Wir folgten der Empfehlung im Reiseführer und fuhren bei der dritten Abzweigung auf die alte Küstenstraße:

Abschnitt der alten Küstenstraße im Nordwesten

Was für ein Anblick! Die schmale Straße, direkt in den Fels gehauen, ein niedriger Tunnel, über dem Wasserfälle in den Atlantik stürzten (man nennt sie auch 'Hochzeitsschleier') - herrlich! Im Tunnel reichte das durch die Decke dringende Wasser sogar für eine kleine 'Autowäsche'. Beim Stopp trafen wir meinen Arbeitskollegen wieder, dem wir schon am Flughafen Münster begegnet waren. Er begleitete einen Freund, der sich auf Madeira ein Häuschen kaufen wollte. Nach einem ausgiebigen Schwätzchen setzten wir die Tour fort.

Aus zeitlichen Gründen - wir hatten ja noch einiges vor uns - hielten wir in Seixal nicht an und steuerten kurz hinter dem Ort die im Reiseführer erwähnte 'schöne Uferpromenade' an, auf die mit dem Schild 'Praia' (Strand) verwiesen wird. Am Anfang der Uferstraße stießen wir erst einmal auf eine Baustelle; an den Baufahrzeugen kam man kaum vorbei. Mehr als eine Mauer, von der an ein paar Stellen rostige Treppen zum Strand hinunterführten, war zunächst von der Promenade nicht zu sehen. Am Strand gab es zwar dunklen Sand, aber auch viele, relativ große Steine:

Strand bei Seixal

Am Ende der Uferstraße stießen wir dann aber auf ein paar neue Gebäude, die offensichtlich in Kürze Sanitäranlagen, Umkleidemöglichkeiten und einen Kiosk aufnehmen sollten. Von dort ging es zu einem richtig schnuckeligen kleinen Strand:

Strand bei Seixal

Eine kleine, ruhige Bucht, dahinter steil aufragende, grüne Felswände - einfach schön! Hier rasteten wir eine gute halbe Stunde und hielten ein wenig die Gesichter in die Sonne, die inzwischen vom fast wolkenlosen Himmel schien.

Weiter ging es westwärts in Richtung Ribeira da Janela. Den im Reiseführer erwähnten Abstecher nach Fanal - einfacher Weg 12 km - mussten wir leider an diesem Tag auslassen. So erreichten wir nach wenigen Kilometern Porto Moniz. Vor 10 Jahren noch ein verschlafener Ort mit einem Fischrestaurant und einem 'Naturschwimmbecken' (natürliche Felsenbecken aus Lavagestein), präsentierte er sich jetzt - zumindest, was die Anzahl der entsprechenden Neubauten anging - als 'Touristenzentrum des Nordwestens'. Ein großes Meerwasserschwimmbecken sollte nun die Touristen anziehen, die Felsenbecken wurden gerade renoviert. Wir sahen uns nur kurz die Badeeinrichtungen an und verließen Porto Moniz über rasch ansteigende Serpentinenstraßen, um Lamaceiros, den Ausgangspunkt für unseren kleinen Levadaspaziergang anzusteuern. Auf dem Weg dorthin erreichten wir nach wenigen Kilometern einen Aussichtspunkt, von dem aus man einen schönen Blick auf Porto Moniz hatte:

Porto Moniz

Links an der Küste erkennt man das neue Meerwasserschwimmbecken, rechts unterhalb des großen Felsens die Naturschwimmbecken. Ein Bild, fast wie vom Flugzeug aufgenommen - dabei waren wir doch nur ein paar Kilometer Straße gefahren. So steil ist es auf Madeira! An diesem Aussichtspunkt trafen wir auch ein anderes Pärchen aus unserem Hotel. So ist das halt auf einer kleinen Insel: an viel besuchten Stellen begegneten wir fast immer bekannten Gesichtern aus dem Hotel oder aus dem Flieger.

Eine Viertelstunde später erreichten wir Lamaceiros. Die letzten Kilometer zur Levada waren sogar ausgeschildert! An dem im Wanderführer erwähnten Einstieg unterhalb eines Wasserreservoirs gab es zahlreiche Parkplätze. Der Weg entlang der Levada in Richtung des teichähnlichen Wasserreservoirs war breit und mit etlichen Picknickbänken ausgestattet. Das gab es nicht an jeder Levada... Auch im Laufe der Wanderung stießen wir immer wieder auf Picknickbänke (man beachte hier vor allem den Papierkorb!):

Lauschiger Rastplatz an der Levada

Wir schlüpften zum ersten Mal in diesem Urlaub in unsere Wanderschuhe und los ging’s. Wir hatten vor, lediglich die bei John und Pat beschriebene Kurztour bis zur zweiten Filterstelle laufen und dann zurückkehren - Dauer 1 Stunde. Man kann von dort auch noch eine Dreiviertelstunde (je Richtung) weiterlaufen, muss allerdings dann trittsicher und schwindelfrei sein - unsere diesbezüglichen Fähigkeiten wollten wir auf der ersten Wanderung jedoch noch nicht testen.

Levada da Central da Ribeira da Janela

Die Wanderung erwies sich als leichter Spaziergang. Der Weg war ausreichend breit und gut befestigt, der Blick den steilen Hang hinunter durch Bäume und Büsche verstellt (wichtig bei Schwindelanfälligkeit). Die Vegation war an dieser Levada besonders vielfältig und abwechslungsreich: neben einer Vielzahl von Farnen fanden sich zahlreiche Obstbäume und Passionsblumen sowie endemische Lorbeerbäume. Das beschriebene Teilstück dieser Levada war für eine Schnupperwanderung geradezu ideal. Silke, die mit jeder Steigung auf Kriegsfuß steht und deswegen Wanderungen auf Madeira erst einmal kritisch gegenüberstand, war für ihre Verhältnisse relativ begeistert. An einer Stelle bot sich ein herrlicher Ausblick auf Ribeira da Janela:

Blick von der Levada da Central auf Ribeira da Janela

Da wir über den erwähnten Umkehrpunkt ein Stück weit hinaus gelaufen waren, waren wir erst nach ca. anderthalb Stunden wieder am Auto. Die im Reiseführer beschriebene Autotour führte von hier aus noch weiter nach Santa und über die Hochebene Paúl da Serra. Für uns wurde es jedoch Zeit, den langen und zeitaufwändigen Rückweg nach Santana anzutreten. Da uns unterwegs keine Einkehrmöglichkeit reizte, beschlossen wir, trotz der inzwischen bekannten Widrigkeiten (Panflötenmusik!) das Abendessen zum dritten Mal in Folge im Hotelrestaurant einzunehmen. Naja, wir waren nach der langen Fahrt doch ziemlich erschöpft und hungrig, so dass es einigermaßen zu ertragen war.