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Der Curral und das Kap

Und wieder folgte ein Autotag - diesmal wollten wir uns die Autotour No. 3 bei John und Pat mit der gleichen Bezeichnung wie in der Überschrift zu Gemüte führen. Mit 'Curral' ist der in einer wunderschönen Schlucht gelegene Ort Curral das Freiras ('Nonnenpferch') gemeint, das 'Kap' steht für die höchste Steilküste Europas, den Cabo Girão. Alles in allem ein nicht so anstrengendes, gleichwohl aber reizvolles Programm.

Bevor wir richtig jedoch richtig durchstarteten, fuhren wir zunächst zum Supermarkt nach Santana und deckten uns mit frischen Backwaren ein. Ach - das habe ich ja noch gar nicht erwähnt? Naja, irgendwann fuhren wir im Dorfzentrum von Santana durch ein Sträßchen, in dem es verführerisch nach frischen Backwaren duftete. Wie sich herausstellte, kam der Duft aus einem Supermarkt, in dem verschiedene Leckereien frisch (fertig-)gebacken wurden. Wir kauften süße Brötchen (mit und ohne Kokosklecks obendrauf) sowie kleine Blätterteigtörtchen mit Pudding. Von nun an hielten wir fast jeden Tag dort an, nur gab es leider nicht immer an jedem Tag frisches Gebäck - sondern offenbar erst dann, wenn das alte verkauft war.

Weiterhin wollten wir uns endlich mal die Seilbahn ansehen, die es lt. Karte in Santana geben sollte. Wir suchten irgendeinen Hinweis und wurden dank 'offener Augen' auch fündig: ein schon etwas verblichenes Holzschild wies uns den Weg zum 'teleférico' (Seilbahn). Am äußersten Rand des Ortes sahen wir sie dann: eine unscheinbare Station mit kleinen, leuchtend orangenen Kabinen - und offensichtlich außer Betrieb. Den auf Portugiesisch und Englisch verfassten Hinweisen in einem Schaukasten ließ sich entnehmen, dass die Seilbahn wegen Wartungsarbeiten bis auf Weiteres (!) stillgelegt war. Dieser Typ Seilbahn - wie fast alle Seilbahnen auf Madeira österreichischer Provinienz - findet sich an mehreren Stellen auf Madeira: lediglich zwei Kabinen für max. 6 Personen transportieren in erster Linie Bauern die steile Küste hinab zu ihrem Ackerland. Für Touristen sind sie ursprünglich gar nicht gedacht gewesen und daher mangels Ausschilderung auch nur schwer zu finden.

Somit blieb uns nichts Anderes übrig als ein wenig die Aussicht zu genießen...

Steilküste in Santana (von der Seilbahnstation aus gesehen)

... und die eigentliche Tour zu beginnen.

Erster Haltepunkt war der Pico dos Barcelos - ein Miradouro nordwestlich des Stadtzentrums von Funchal. Hier gab es einen kleinen Park, von dem aus man einen schönen Blick auf das Zentrum von Funchal...

Blick vom Pico dos Barcelos auf Funchal

...als auch auf die sich bis in die Berge ziehenden Vororte hatte.

Blick vom Pico dos Barcelos auf die Vororte Funchals

Ein schattiges Plätzchen und die schöne Aussicht boten sich für ein kleines Päuschen an, bevor es durch Eukalyptus- und Kiefernwälder hinauf in die Berge ging. Wir folgten der Ausschilderung zur Eira do Serrado, einem 12km entfernten Aussichtspunkt in 1.094m Höhe. Hier gab es einen großen Parkplatz und eine Art Hotel mit Restaurant und einigen Souvenirläden. Natürlich hielten wir an und folgten den Touristenströmen auf dem Weg zum Hauptaussichtspunkt, den man leicht bergauf spazierend nach etwa 10 Minuten erreichte. Auf dem Weg dorthin boten sich Ausblicke auf umwölkte Bergspitzen:

Blick auf Berge bei der Eira do Serrado

Oben fanden wir eine große Aussichtsplattform mit kühn geschwungenem Geländer vor...

Blick von der Aussichtsplattform in Eira do Serrado

... von der aus man eine atemberaubende Aussicht auf die umliegenden Berge und Täler...

Blick von der Aussichtsplattform in Eira do Serrado

... sowie auf das 400m tiefer gelegene Dörfchen Curral dos Freiras hatte, dem ersten Hauptziel unserer heutigen Tour:

Blick von der Aussichtsplattform in Eira do Serrado auf Curral das Freiras

Der Ausblick hier war wirklich so genial, dass wir uns gar nicht von ihm trennen mochten. Nach einem Viertelstündchen liefen wir schweren Herzens auf dem gut ausgebauten Weg...

Weg zum Aussichtspunkt in Eira do Serrado

... zurück zum Parkplatz. Von hier aus könnte man übrigens auch in knapp anderthalb Stunden nach Curral das Freiras hinunterwandern (Wanderung 3); wir bevorzugten jedoch die automobile Variante.

In Curral erwartete uns rege Betriebsamkeit. Das von eindrucksvollen Bergen umgebene Dorf bot zahlreiche Restaurants und Souvenirshops. Ständig spuckte ein Reisebus eine neue Ladung Touristen aus, die sich gleich in alle Richtungen verteilten.

In Curral das Freiras

Trotz der Tatsache, dass es erst gerade 16 Uhr war, wurde man vor fast jedem Restaurant angesprochen, ob man nicht hereinkommen wollte - eine 'Unart', mit der wir bislang noch nicht konfrontiert worden waren. Auch wurde uns ungefragt die Abfahrtzeit des nächsten Busses genannt und der Einstieg zu einem offenbar beliebten Wanderweg gezeigt - das konnte man ja immerhin noch als kostenlosen Service durchgehen lassen.

Sträßchen in Curral das Freiras

Das Dorf war schnell erkundet. Wir warfen auch einen Blick in die Dorfkirche und schauten uns den Friedhof an. Da wir nicht vorhatten, hier etwas zu essen oder zu trinken, setzten wir die Tour recht bald fort. Das nächste Etappenziel sollte Camâra de Lobos sein, der Ort, an dem wir ein paar Tage zuvor den teuren Fisch genossen hatten. Wir fuhren die Strecke bis zum Aussichtspunkt Pico dos Barcelos zurück und nahmen dann die Autobahn Richtung Westen bis zur Abfahrt Camâra de Lobos.

Hier war richtig was los - im Zentrum war kaum ein Parkplatz zu bekommen. Wir schauten uns den kleinen Hafen mit den typischen Fischerbooten an...

Hafen von Camara de Lobos
Fischerboote im Hafen von Camara de Lobos

...und spazierten ein wenig durch den Ort. So konnten wir auch einen Blick auf die Rückseite des Restaurants 'Churchill’s' mit seiner großen Terrasse werfen (das weiße Gebäude mit den orangenen Sonnenschirmen), auf der wir vor ein paar Tagen getafelt hatten:

Restaurant Churchill's in Camara de Lobos

Nachdem wir den Ort ausgiebig erkundet hatten - auch hier wurde an einigen Stellen heftig gebaut - deckten wir uns noch in einem großen Supermarkt mit Getränken und Unterwegs-Proviant ein, bevor wir zum Pica da Torre hinauffuhren, einem Aussichtspunkt auf Camâra de Lobos.

Blick vom Pica da Torre auf Camara de Lobos

Sonst gab es hier nicht viel zu sehen, und so folgten wir der ER229 bis zum Cabo Girão, den wir in einer guten halben Stunde erreichten. Hier waren wir also: an der mit 580m höchsten Steilküste Europas. Der Blick nach unten ließ einen schon ein wenig schwindeln:

Blick vom Cabo Girao

Auch hier genossen wir die Aussicht in alle Richtungen und das in allen möglichen Türkis-Schattierungen schillernde Wasser des Atlantiks, bis wir uns angesichts der Uhrzeit - es war inzwischen 19 Uhr durch - die allabendliche Frage stellten: 'Wo gehen wir essen?' Nach kurzem Überlegen entschieden wir uns für ein indisches Restaurant in Funchal, das uns auf dem Weg hinunter zum Hafen aufgefallen war. Nach all den Abenden mit madeirensischem Essen mit den Standardbeilagen Pommes oder Kartoffeln und gedünstetem Gemüse freuten wir uns auf eine Abwechslung. Und wir wurden nicht enttäuscht: in dem sehr modern eingerichteten Lokal wurden wir aufmerksam bedient und bekamen leckere Speisen vorgesetzt. Gerne wieder!

Angenehm satt kehrten wir nach Santana zurück.