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Reisebericht Madeira 2005

Sterne
und Wasser
und wir
dazwischen

(aus dem Song 'Echolot' von Wir Sind Helden, 2005)

Dieser Reisebericht handelt von unserer Madeira-Reise im Jahr 2005 (19.04. - 03.05.), die uns wirklich nachhaltig beeindruckt hat.

Küstenabschnitt im Nordwesten

Allgemeines zu Madeira und zu unserer Reise

Madeira (bedeutet "Holz"; ursprünglich war die Insel flächendeckend mit Bäumen bewachsen) gehört nicht, wie häufig vermutet, zu Spanien, sondern zu Portugal. Die Insel liegt relativ einsam im Atlantik: bis zum portugiesischen Festland sind es rund 1.000 km, bis zu den Kanaren etwa 650 und bis zur afrikanischen Küste (Marokko) etwa genauso weit. Die Insel ist ca. 57 km lang und max. 22 km breit. Madeira ist zugleich der Name der Hauptinsel als auch der des Archipels, zu dem noch die (bewohnte) Insel Porto Santo und die (unbewohnten) Inselgruppen Desertas und Selvagens gehören. Porto Santo ist 43 km von Madeira entfernt und insbesondere wegen seines ca. 9 km langen Sandstrandes interessant (dorthin bestehen regelmäßige, wenn auch teure Fähr- und Flugverbindungen). Während man die Desertas von der Südostküste Madeiras aus sehen kann, liegen die Selvagens 230 km weit weg.

Auf Madeira leben etwa 265.000 Menschen, davon mit 128.000 annähernd die Hälfte in der Hauptstadt Funchal (von portugiesisch 'funcho' für 'Fenchel', da dort bei der Entdeckung angeblich sehr viel davon wuchs). Der Rest verteilt sich auf deutlich kleinere Dörfer, von denen Câmara de Lobos, Machico, Ribeira Brava, Santa Cruz oder Santana noch zu den größeren gehören. Auch der Tourismus konzentriert sich ganz überwiegend in Funchal und den unmittelbar angrenzenden Dörfern im Südosten der Insel. Dies liegt an der bis vor wenigen Jahren noch schlechten Erreichbarkeit weiter entfernter Gegenden der Insel und am Wetter, das in der geschützten Bucht von Funchal am angenehmsten ist.

Landschaft

Madeira ist stark zerklüftet und verfügt überwiegend über Steilküsten (so findet man denn hier auch mit dem 580m hohen Cabo Girão die höchste Steilküste Europas). Dies macht zum einen das Umherfahren auf der Insel nicht unbedingt einfach, wenngleich man in den letzten Jahren (mit erheblichen EU-Subventionen) quasi die halbe Insel untertunnelt und von der Südküste bis fast zum Südostzipfel sogar eine vierspurige autobahnähnliche Schnellstraße gebaut hat. Zum anderen macht diese Tatsache die Insel für reine Strandurlauber uninteressant, da man so gut wie keine (Sand-)Strände findet, insbesondere nicht in der Touristenhochburg Funchal (es ist immer wieder erstaunlich, dass man bei Hotelkritiken im Internet etliche negative Bewertungen allein auf Grund der Tatsache findet, dass es auf Madeira nur sehr eingeschränkt möglich ist, im Meer zu baden oder am Strand zu liegen). Vielmehr finden sich auf Madeira vorwiegend naturliebende Erholungssuchende ab etwa 30 Jahren, die sich entweder einfach nur entspannen oder wandernd die Natur erkunden wollen.

Klima

Wie auf vergleichbaren Inseln mit hohen Bergen im Zentrum auch, gibt es auf Madeira mehrere 'Mikroklimate': während es im Norden auf Grund der vom Zentralgebirge 'festgehaltenen' Wolken häufig regnet, ist es im Süden trocken und warm. Die Durchnittstemperaturen liegen mit 19° im Winter und 24° in den Sommermonaten in den Niederungen ganzjährig im angenehmen Bereich.

Wirtschaft

Madeira-WeinMadeira lebt in erster Linie vom Tourismus und vom "Madeira-Wein". Letzterer ist in Deutschland leider – ähnlich wie sein italienischer Leidensgenosse Marsala – zum "Kochwein" degradiert worden. In vielen anderen Ländern – vor allem in Portugal selbst und in England (dort hat man Madeira als erstes als "Sommerfrische" entdeckt) – weiß man ihn jedoch zu schätzen. Er zählt mit einem Alkoholgehalt zwischen 17 und 22% zu den Dessertweinen und ähnelt vom Geschmack her dem Sherry. Wie dieser ist er in verschiedenen "Stilrichtungen" von trocken bis süß erhältlich. Madeira-Wein kann sehr lange gelagert werden und für ein mehrere Jahrzehnte altes Fläschchen muss man durchaus einen vierstelligen Betrag hinlegen.

Flora

Auf Madeira finden sich eine Menge endemischer (nur dort vorkommender) Pflanzen. Besonders erwähnenswert ist auch der in höheren Lagen oft anzutreffende immergrüne Lorbeerwald (Laurisilva), der auf der Weltnaturerbe-Liste der UNESCO steht. Weiterhin findet man auch zahlreiche Pflanzen tropischer Herkunft, die dort aufgrund des ganzjährig milden Klimas bestens gedeihen. Neben zahllosen Blumenarten trifft man so bekannte tropische Früchte wie Bananen, Passionsfrüchte, Papayas und Mangos, aber auch die weniger bekannte Anona (Cherimoya, Rahmapfel) an. Einen nahezu vollständigen Überblick über die madeirensische Pflanzenwelt kann man sich im botanischen Garten von Funchal verschaffen.

Unterkunft

Da ich neugierig war, welche Unterkünfte auf Madeira im Internet angeboten werden, habe ich mich zunächst dort umgeschaut und bin auch fündig geworden. So haben wir dann über einen inzwischen (Stand Januar 2010) nicht mehr existierenden Anbieter ein Vier-Sterne-Hotel (Quinta do Furão) in Santana im Norden der Insel gebucht. Es liegt auf einem Weingut direkt an der 400m hohen Steilküste am Rande des Ortes. Über das Internet haben wir auch den Mietwagen beim örtlichen Anbieter Drive gebucht. Auch einen passenden Flug hat man uns dort herausgesucht, so dass wir über alle Leistungen auch eine Reiserücktrittversicherung abschließen konnten. Da nur noch wenige Plätze im Flieger frei waren, haben wir den Flug mit ca. 400 Euro pro Person recht teuer bezahlen müssen. Dies lässt sich bei der aktuellen Preispolitik der Charterflieger leider nur durch sehr frühzeitige Buchung (dann ab 29 Euro je Richtung zzgl. Steuern und Gebühren) oder durch Buchen einer Pauschalreise vermeiden .

Vor Ort haben wir dann festgestellt, dass unser Hotel offenbar auch im Angebot einiger großer Touristikunternehmen (TUI, Thomas Cook, Neckermann...) ist. Ein Preisvergleich lohnt sich somit auf jeden Fall.

Anreise

Madeira wird – mehr oder weniger direkt – von allen deutschen Flughäfen und den meisten großen Charterfluggesellschaften regelmäßig angeflogen. Aus der Mitte Deutschlands (z.B. ab Düsseldorf) beträgt die Flugzeit bei einem Nonstop-Flug zwischen ca. 4:30 (hin) und 3:30 (zurück).