schoenborner.de - Reisebericht Irland 2008

Die Dingle-Halbinsel
Von Killarney nach Ballyvaughan

Typische Landschaft auf der Dingle Halbinsel

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Auch nach der zweiten Nacht im Gleann Fia befinden wir, recht gut geschlafen zu haben. Silke hat (natürlich!) das Pech, dass ihr unter der Dusche das (bis dahin ausreichend) heiße Wasser ausgeht, während ich 10 Minuten später “heißes Wasser ohne Ende” vermelden kann.

Zur Abschwächung der bisher nicht gerade überschwänglichen Bewertung der Unterkunft zitiere ich mal wörtlich aus meinem Notizbuch:

Ich denke, wir sollten nicht zu streng mit dem Laden hier sein. Die Zimmer sind halt nichts Besonderes und das Frühstück ist eher hotelmäßig, ohne die große Auswahl der Vorgänger. Das machen die Lage an einem plätschernden Bach am Waldrand und die gemütlichen Aufenthaltsräume mit ihrer Unzahl an Büchern, gemütlichen Sofas, Hochprozentigem aus aller Welt (Honourable Bar) und sogar eine CD-Sammlung, aus der man sich bedienen kann, wieder ein wenig wett. Ein anderes deutsches Paar fand es immerhin so toll hier, dass sie beim Auschecken Blumen überreicht haben und vor lauter Dank nicht ein noch aus wussten.

Nach dem Frühstück suche ich noch in den im Überfluss vorhandenen Hotel-Guides nach der nächsten Unterkunft und schreibe die Anfahrtbeschreibung aus Georgina Campbell’s Ireland - The Guide 2007 ab. Gegen 10:30 brechen wir dann nach Dingle auf - Hauptort von Dingle Peninsula (Halbinsel) sowie Start- und Endpunkt des Slea Head Trails, der den Westzipfel der Halbinsel umrundet.

Unser erster Stopp auf der langen Tour - die direkte Strecke ohne Umweg über die Dingle-Halbinsel wäre schon gut 190 km lang - ist Inch. Die größte (und einzige) Attraktion dieses Örtchens ist eine 6 km lange Sandzunge (vulgo: Strand), die sogar mit dem Auto befahren werden darf - was wir natürlich auch gleich ausprobieren.

Strand von Inch: Darf mit dem Auto befahren werden.

Nachdem wir uns ein wenig die Beine vertreten und den Surfern bei ihrem Treiben zugesehen haben, geht es auch schon weiter. Auf der Küstenstraße nach Dingle legen wir zahlreiche Fotostopps ein - ein Teil der Ausbeute kann unten im Fotoalbum bewundert werden.

In Dingle

In Dingle angekommen, besuchen wir als erstes ein Internetcafé, damit Silke kurz mal in ihrem seit Tagen vernachlässigten Wurzelimperium (ein Browser-Game) aufräumen kann. Danach spazieren wir noch ein wenig herum, besuchen den Trinity Tree in der Green St. (gleich neben der St. Mary’s Church) und besorgen uns ein paar Leckereien (u.a Fruit Scones) aus der örtlichen Bäckerei Courtney & Sons.

Unser nächster Stopp ist gegen 14 Uhr Ventry, eine weitere Sandbucht, die zu einer kurzen Pause einlädt. Ventry ist auch der Startpunkt des Slea Head Trails. Wir nehmen auf Felsen Platz, lassen die kurz zuvor erworbenen Fruit Scones schmecken und beobachten die Sonnenhungrigen. 7 km weiter treffen wir auf die Überreste des prähistorischen Dunbeg Fort - von einer Besichtigung sehen wir jedoch ab. Nur wenige hundert Meter davon entfernt gibt es jedoch die Fahan Beehive Huts (“Bienenkorbhütten”) zu bestaunen - das lassen wir uns nicht entgehen.

Beehive Hut

Nachdem wir am Kassenhäuschen (eine winzige Blechhütte, die an einem etwas heruntergekommenen Wohnhaus lehnt) unseren Eintritt entrichtet haben, können wir den Hang hinauf zu einigen gut erhaltenen dieser einzigarten Bauwerke gehen. Es handelt sich um Steinhütten aus Trockenmauern mit einem Kraggewölbedach, die hauptsächlich in der Eisenzeit und der frühchristlichen Zeit errichtet wurden. Hier auf der Dingle-Halbinsel ist die Konzentration am höchsten, und die vorliegenden Exemplare zählen zu den schönsten überhaupt. Wir schauen uns alles ausgiebig an und quetschen uns natürlich auch durch den niedrigen Eingang in eine der Hütten hinein.

Der nächste Halt ist Dunquin, westlichster Ort der britischen Inseln und Ausgangspunkt einer Fährverbindung zu den (inzwischen) verlassenen Blasket Islands. Diese Inselgruppe, von denen die größe - Great Blasket - 1953 von den letzten Bewohnern verlassen wurde, wurde in den 80er-Jahren noch einmal vorübergehend von einer Gruppe deutscher Aussteiger besiedelt, die sich in den verlassenen Häusern niederließen. Heute gibt es eine regelmäßige Fährverbindung von Dunquin Pier zu Great Blasket.

Great Blasket Island

Das Wetter ist inzwischen recht wechselhaft geworden und es regnet immer wieder mal. Als nächstes folgen wir einer Empfehlung im Reiseführer und schauen in der Töpferei Louis Mulcahy Pottery in Clogher vorbei. Fazit: Leider teuer und sowieso nicht unser Geschmack. Kurz danach halten wir noch einmal für längere Zeit an, um die Steilküste am Clogher Head zu erkunden. Hier fällt vor allem ein Bootsanleger ins Auge, der über einen von oben gesehen recht atemberaubenden steilen Weg zu erreichen ist:

Am Clogher Head

Gegen 16:30 brechen wir den Slea Head Trail kurz vor seinem Ende ab, da wir ja irgendwann heute auch noch in Ballyvaughan ankommen wollen. So fahren wir erst zurück nach Dingle und steuern dann Tralee an, den “nördlichen Übergangsort” zum Festland. Von dort nehmen wir Kurs auf Ballyvaughan - errechnete Ankunftszeit 20:30 Uhr, Entfernung noch 150 km (!).

Auf gut ausgebauten Straßen geht es rasch nach über Listowel nach Tarbert. Hier legt die Fähre über den Shannon ab, die uns nach Killimer bringen soll. So lässt sich der Landweg erheblich abkürzen, der via Limerick führen würde. Um 18:55 Uhr kommen wir in Tarbert an, die Fähre geht um 19:30 Uhr - Zeit, sich die Beine zu vertreten und sich im Fährhafen umzusehen.

Shannon-Fähre Tarbert-Killimer

Gegen 19:15 taucht die Fähre (“Shannon Breeze”) auf und legt wenige Minuten später an. Schnell verlassen die Fahrzeuge das Schiff und wir können an Bord, so dass sie pünktlich wieder ablegen kann. 17 EUR kostet der Spaß. Die kurze Fahrzeit von gerade einmal 20 Minuten nutzen wir, um einen an Bord gekauften Snack zu verzehren und die Nase ein wenig in den Fahrtwind zu halten.

Killimer erleben wir als trostloses Nest, in dem es nach den Abgasen des Kohlekraftwerks im nahegelegenen Kilrush stinkt und das wir nur zu gern zügig hinter uns lassen. TomTom gibt unsere Ankunftzeit in Ballyvaughan jetzt mit 21:15 Uhr an - für Trödelei ist also keine Zeit. Die Weiterfahrt entlang der Küste erfolgt zunächst weiter auf gut ausgebauten Straßen. Landschaft und Atmosphäre erinnern uns hier stark an die holländische Nordseeküste.

Ab Erreichen des Burren-Gebiets nimmt die Straßenqualität jedoch stetig ab. Auf den eh schon engen, welligen und stark beschädigten Straßen werden notdürftige Ausbesserungsarbeiten vorgenommen und daher ist die Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h begrenzt (normal 100 km/h!) - dabei kann man kaum 50 fahren! Die errechnete Ankunftzeit verschiebt sich bedrohlich in Richtung 21:30 Uhr - ein gepflegtes Abendessen werden wir wohl vergessen können. Hoffentlich ist noch jemand im Hotel, bei dem wir einchecken können...

Kurz vor Ballyvaughan kommen erschwerend noch einige Kehren und zahllose enge Kurven hinzu auf die sogar ausdrücklich hingewiesen wird (Schilder “Severe Bends” und “Dangerous Bends”) - das will hier schon was heißen. Endlich im Ort angekommen, ist das Hinweisschild zu Drumcreehy House, unserer hiesigen Unterkunft, nicht zu übersehen - es weist in Richtung der Weiterführung der N67 nach Galway. 2 km noch - dann haben wir das Hotel erreicht.

An der Rezeption werden wir von der Dame des Hause auf deutsch begrüßt - kein Wunder, ist sie doch die deutschstämmige Hälfte des Ehepaares, das Drumcreehy House führt. Sie habe sich schon Sorgen gemacht, wo wir denn wohl blieben - rührend, oder? Danach gefragt, wo wir denn wohl noch einen Happen zu uns nehmen könnten, verweist sie uns auf ein TakeAway (Imbussbude) im Ort - dort gäbe es bis nachts noch Pizza. Mehr könne sie uns leider nicht bieten.

Rasch beziehen wir unser schnuckeliges Zimmer, bei dessen Betreten Silke vor Entzücken quietscht, und machen uns auf den Weg zum “Ristorante”. Tatsächlich bekommen wir im Zam Zam noch etwas vor die Gabel - keine Haute Cuisine, aber was will man um die Zeit auf dem Land auch groß erwarten? Gesättigt unternehmen wir noch einen kleinen Bummel durch den Ort, bevor wir uns zur Nachtruhe begeben.

Fotoalbum Tag 7 (PicasaWeb/Google+)

 

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