schoenborner.de - Reisebericht Irland 2008

Ring of Beara
Von Kilbrittain nach Killarney

Wegweiser auf der Beara-Halbinsel

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Aus meinem Notizbuch:

Déjà-vu:
Während ich dies schreibe, sitze ich in einem nicht wirklich großen, wenig gemütlichen Zimmer am Rande der Touristenhochburg (sowas verdirbt immer die Qualität!) Killarney. Die Einrichtung ist... zweckmäßig, die Stühle sind reichlich instabil. Ich sitze zwar auch wieder an einer Frisierkommode - über mir quäkt der Fernseher, der platzsparend wie in einem Krankenzimmer mit einem Metallarm an der Wand angebracht ist -, die Beleuchtung wirft jedoch Schatten, so dass das Schreiben schwierig ist. Vor mir steht ein “Thank you for not smoking’”-Schildchen, ein Spendenaufruf zur Unterstützung von Behinderten sowie der Hinweis auf die Umweltverschmutzung durch das tägliche Waschen von Handtüchern in den Hotels auf dieser Welt...

WAS FÜR EIN UNTERSCHIED!!!

Als ich erwache, hat Silke schon die Vorhänge zurückgezogen, so dass ich ohne aufzustehen auf die Weide voller Kühe vor dem Haus sowie auf die nahegelegene Bucht (Courtmacsherry Bay) werfen kann. Hier will ich nie wieder weg!

Nachdem ich mich endlich unter meinem superkuscheligen Federbett hervorgequält habe, empfängt mich auch schon eine herrliche Dusche. Als wir eine Dreiviertelstunde später im Frühstücksraum aufschlagen, sind die anderen Gäste längst weg. Diana empfängt uns mit den Worten "What can I cook for you?" ("Was kann ich für Sie kochen?"). Ich wähle (mal wieder) das irische Frühstück, das hier mit dem besten Black and White Pudding Irlands (aus dem nahegelegenen Clonakilty) aufwarten kann. Silkes Wahl fällt auf ein Omelett mit Käse und Tomaten. Vom kleinen, aber feinen Buffet munden uns vor allem die Scones sowie ein herrliches Rhabarber-Erdbeer-Kompott.

Angesichts unseres bevorstehenden Tagespensums sollten wir vielleicht zügig aufbrechen. Statt dessen trödeln wir herum, schauen uns noch den riesigen Garten an und tollen mit dem Haus- und Hofhund herum. Gegen 11:30 Uhr können wir uns endlich aufraffen - nicht ohne die komplette Auffahrt noch einmal abzugehen, um alles ausgiebig zu fotografieren.

Wir folgen der zunächst direkt an der Courtmacsherry Bay verlaufenden R600 nach Westen und erreichen nach vielleicht einer halben Stunde Clonakilty. Zum Anhalten fehlt uns jedoch die Zeit, denn unser Plan für heute sieht vor, dass wir die Halbinsel Beara abfahren und somit dem für morgen vorgesehenen unvermeidlichen Ring of Kerry den Ring of Beara vorschalten, was nach Ansicht des Autors unseres Reiseführers eh die schönere Tour sein solle.

Ausgangsorte für den Ring of Beara sind Glengarriff bzw. Kenmare - wir stoßen zuerst auf Glengarriff und starten also von hier. Der Ort selbst hat außer der netten Bucht und ein paar Hotels - zumindest soweit wir das aus dem Auto heraus beurteilen können - nicht viel zu bieten und so biegen wir auf die Straße in Richtung des Hauptortes der Beara-Halbinsel, Castletownbere, ab. Gibt es zunächst noch den einen oder anderen netten Ausblick auf die Bucht, schlängelt sich die Straße alsbald nur noch durch eine wenig abwechslungsreiche Gegend, die nicht mal die Sicht auf das Wasser erlaubt. Orte gibt es keine, nur einige Ansiedlungen. Zwischenzeitlich ziehen wir in Erwägung, die Langeweile mit einer Fahrt über den Healy Pass zu bekämpfen - entscheiden uns aber dagegen, da wir dann die Rundfahrt rein streckenmäßig erheblich abkürzen würden. Und wer weiß - am Ende verpassen wird noch was?

Nach einer Stunde ereignisloser Fahrt erreichen wir gegen 15 Uhr endlich Castletownbere. Auch hier gibt es außer den üblichen Läden entlang der Main Street nicht viel zu sehen. Trotzdem nutzen wir die Gelegenheit, uns hier nach gut dreieinhalb Stunden Fahrt ein wenig die Beine zu vertreten. Schon bald geht es weiter - wir suchen vergeblich nach dem im Reiseführer erwähnten HInweisschild zum Steinkreis von Derreenataggart und müssen daher auf diese Sehenswürdigkeit verzichten. Unser nächstes Ziel ist Dursey Island, eine Insel gegenüber der südwestlichen Spitze der Beara-Halbinsel, die nur per Boot oder Seilbahn erreichbar ist. Dort erhoffen wir uns einen Spaziergang und ein endlich ein paar schöne Fotomotive.

Kurz vor Dursey Island wird die Landschaft langsam interessanter. Das letzte Stück - immerhin ca. 10 km - legen wir auf einer quasi einspurigen Straße zurück, auf der wir immer wieder zu Ausweichmanövern gezwungen werden. Gegen 16 Uhr sind wir am Ziel und blicken fasziniert auf die klapprige Seilbahn:

Seilbahn nach Dursey Island

Das urige Teil wurde erst 1969 in Betrieb genommen, sieht aber mindestens 100 Jahre älter aus. Die Ladekapazität beträgt sechs Schafe oder sechs Menschen oder auch eine Kuh. Viehtransporte, Bau- und Futtermaterialien sowie Einheimische haben bei der Nutzung Vorrang vor Touristen - daher und auch aus anderen naheliegenden Gründen verkneifen wir uns eine Überfahrt nach Dursey Island. ;-)

Etwas oberhalb der Seilbahnstation führt ein mit farbigen Pfählen markierter Weg (Teil der Wanderroute The Beara Way) an weidenden Schafen vorbei zur Landspitze, die hier steil zum Wasser abfällt. Hier gibt es auch endlich was zu “knipsen”. Wir bewundern die zerklüftete Steilküste und amüsieren uns bei der Beobachtung der Lämmchen, die spielerisch ihre Kräfte messen. Nach nur einer guten Stunde beenden wir den Ausflug schweren Herzens gegen 17 Uhr - die Zeit drängt leider, denn wir müssen ja noch bis Killarney fahren, wo uns eine neue Unterkunft erwartet.

Auf der Landspitze der Beara Halbinsel

TomTom errechnet als Ankunfszeit an unserer nächsten Herberge 19 Uhr - also nichts wie los. Zunächst gilt es, erneut die 10 km “Einbahnstraße” ohne Blessuren zu bewältigen, was uns glücklicherweise auch gelingt. Der weitere Weg in Richtung Kenmare ist wesentlich reizvoller als der Hinweg: mehr Strecken mit Meerblick und auch eine schönere Landschaft, die uns streckenweise sogar ein bisschen an Madeira erinnert. Viel Zeit, das ganze zu genießen, bleibt uns jedoch nicht. Auch den noch nicht ganz aufgegebenen Plan einer Fahrt mitten über Halbinsel über den Healy Pass (oder zumindest bis zu dessen höchsten Punkt), zu der jetzt noch einmal die Möglichkeit bestanden hätte, müssen wir endgültig fallen lassen.

Auf der Beara-Halbinsel

Kurz vor Kenmare überkommt uns nach der vielen Fahrerei dann doch ein wenig die Müdigkeit. Hinter Kenmare verspricht eine gut ausgebaute Strecke zunächst Abwechslung und rasches Fortkommen. Schon bald geht es jedoch erneut auf einer kurvenreichen Strecke erst hoch in die Berge und anschließend genauso wieder hinunter. Die errechnete Ankunftszeit in Killarney verschiebt sich denn auch um satte 40 Minuten auf nun 19:40 Uhr.

Kurz vor Killarney durchfahren wir erst den Nationalpark, dann eine Hotelzone, bevor wir endlich das Stadtgebiet erreichen. Nun gilt es, unsere Unterkunft, das Gleann Fia Country House, zu finden. Das erweist sich als nicht ganz einfach: eine genaue Anschrift haben wir nicht und die Anfahrtsbeschreibung ist nur bedingt hilfreich, da sie davon ausgeht, das wir aus einer anderen Richtung kommend in Killarney eintreffen. So lassen wir uns von Enie zunächst in Richtung Limerick lotsen, weil der Weg zum Haus von der entsprechenden Nationalstraße abzweigen soll. Dann fahren wir nach Beschreibung weiter.

Es scheint alles zu passen - nur das Hinweisschild zum Gleann Fia  - wie auch das Haus selbst - können wir partout nicht finden. Nachdem wir eine Zeitlang verzweifelt auf und ab gefahren sind, lassen wir uns zum Deerpark lotsen, da dieser auf einem Lageplan der Unterkunft erwähnt wurde. 1,3 km vor diesem Ziel entdecken wir zufällig das ersehnte Hinweisschild und sind um 20:15 Uhr endlich am Ziel.

Der Portier (bei dem es sich - wie sich später herausstellte - um den Chef persönlich handelte) quatscht mich nach kurzem Ausfragen (woher wir kommen, wohin wir noch wollen) gleich - sicherlich in bester Absicht! - mit Unternehmungsvorschlägen für den nächsten Tag zu. Seine abschließende Empfehlung: den Ring of Kerry können wir uns schenken, da uns dort - außer Unmengen von Touristen - landschaftlich nichts anderes erwartet als auf unserer heutigen Tour. Statt dessen sollten wir uns lieber auf den Nationalpark konzentrieren.

Sieht das Haus von außen und auch von innen ganz ordentlich aus, können wir unsere Enttäuschung beim Betreten unseres Zimmers kaum verhehlen: zu sehr fällt diese zweckmäßig ausgestattete “Hucke” gegenüber den bisherigen Unterkünften und vor allem der vom Vortag ab. Das “große” Bett misst nur 1,40 m, ein zweites Einzelbett findet sich unter einer Schräge gleich hinter der Eingangstür. Silke bezieht freiwillig dieses “Katzenbett”, denn zu zweit werden wir in dem Hauptbett schwerlich glücklich.

Eine Viertelstunde später fahren wir in das nur einen knappen Kilometer entfernte Stadtzentrum, das wir sogar auf Anhieb finden. Die Restaurantsuche gestaltet sich jedoch schwierig: die Lokale sind entweder zu teuer, (noch) zu voll, (schon wieder) zu leer oder sie schließen schon bald und lassen schon niemanden mehr hinein. Aus der Verzweiflung heraus entscheiden wir uns schließlich für ein schlichtes “Familienrestaurant”, in dem es zwar gute irische Hausmannskost, aber keine alkoholischen Getränke gibt, so dass ich hier auf mein “Feierabendbier” verzichten muss. Silke bestellt sich hier einen Veggie-Burger, während ich mich für das Tagessüppchen und eine Sheperd’s Pie (Hackfleischauflauf mit einer Deckschicht aus Kartoffelpürree) entscheide. Das Essen ist ordentlich und vor allem günstig: mit weniger als 30 EUR sind wir dabei.

Zurück im Hotel komme ich im großen Aufenthaltsraum (auch hier mit “Honesty Bar”) doch noch zu meinem Bierchen. Die Frage, ob wir morgen tatsächlich den Ring of Kerry sausenlassen und uns statt dessen auf “alles Schöne rund um Killarney” zu konzentrieren, vermögen wir heute nicht mehr zu beantworten.

Fotoalbum Tag 5

Courtmacsherry Bay

Massiver Picknicktisch

bei Glengarriff

Beara-Halbinsel

Beara-Halbinsel

Beara-Halbinsel

Beara-Halbinsel

Beara-Halbinsel

Beara-Halbinsel

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel (Dursey Island)

Beara-Halbinsel

Beara-Halbinsel

Beara-Halbinsel

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