schoenborner.de - Reisebericht Irland 2008

Von Youghal über Cobh und Cork nach Kilbrittain

Buntes Treiben in Cobh

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Aus meinem Notizbuch:

Während ich dies schreibe, sitze ich in einem schnuckeligen Gästezimmer in einem traumhaften "Country House" in einem unbekannten Nest namens Kilbrittain an der irischen Antlantikküste. Ein riesiges Anwesen mit einem schönen alten Haus, liebevoll restauriert und modernisiert, mit den Eigentümern unter einem Dach. Und ich hänge nicht in irgendeiner dunklen Ecke und finde keine Schreibunterlage, sondern sitze an einem Sekretär (OK, es ist "nur" eine zweckentfremdete Frisierkommode). Vor mir stehen ein Blumenstrauß, den nicht einmal Silke "bestimmen" kann, und eine Flasche Bier aus der "Honesty Bar". Und ich bin aufs Feinste gesättigt, weil sich das einzige Restaurant in diesem Niemandsland mit dem drolligen Namen "Pink Elephant" als echter Knüller entpuppt hat. Aber der Reihe nach....

Als wir in unserem Zimmer im Aherne’s in Youghal erwachen, sind wir uns schnell einig, dass wir hier so gut geschlafen haben, als wären wir zuhause. Das Frühstück wird in einem kleinen Raum neben dem Kaminzimmer eingenommen. Von den wenigen Tischen ist außer unserem nur ein weiterer belegt. Das Frühstück geht in Ordnung. Ich entscheide mich hier für die irische Käseauswahl, zumal im Reiseführer darauf hingewiesen wird, dass sich auf diesem Gebiet in Irland in jüngster Zeit erstaunliches getan habe. Und ich bin nicht enttäuscht worden!

Youghal: Blick durch das Stadttor (Clock Gate) auf die Main St.

Der Regen ist längst abgezogen, und so entscheiden wir uns, nach dem Auschecken kurz durch den Ort zu bummeln, bevor wir weiter nach Cobh fahren. Das Städtchen Youghal (sprich: Jool, stammt vom irischen Wort für "Eibe" ab) liegt an der Mündung des River Blackwater in den Atlantik. In der Vergangenheit hatte die Stadt große militärische und wirtschaftliche Bedeutung. Man findet noch überall die Reste der mittelalterlichen Stadtmauern sowie zahlreiche historische Gebäude. Seit Youghal in den 70er Jahren vom Bahnnetz abgekoppelt wurde, erlebte die Stadt einen stetigen wirtschaftlichen Niedergang.  Für Touristen ist der Ort aber als Ausgangspunkt für die Erkundung der Counties Cork und Waterford sowie wegen seines 5 km langen Sandstrandes nach wie vor interessant.

Auf der Main St. reiht sich ein Laden an den anderen. Wir schlendern zum Visitor Centre und stoßen dort zum ersten Mal auf den Atlantik. Neben einem kostenlosen Stadtplan von Cork erstehen wir hier unser Urlaubsmaskottchen, ein kleines Schaf mit aufgenähtem irischen "Shamrock" (Kleeblatt). Fortan hatte das Tierchen seinen Stammplatz auf dem Armaturenbrett und wurde auf den Namen "(hab’ ich doch glatt vergessen?!?) " getauft.

Auf dem Rückweg biegen wir noch in eine Nebenstraße ab und besichtigen die merkwürdige Kirche St. Mary’s Collegiate Church. Die Kirche ist reichlich heruntergekommen. Im Portal befindet sich gleich rechts eine öffentliche Toilette. In der Kirche selbst dudelt ein Radio aktuelle Hits - nach kurzem Suchen verorten wir es in einem Verschlag, der notdürftig mit Brettern vom Hauptraum abgetrennt ist und offensichtlich als Aufenthaltsraum für die Putzkraft dient. Selbst eine Spül- und Kochgelegenheiit fehlt hier nicht. Ansonsten gibt es wenig zu sehen - außer vielleicht einem sinnigen Zettel am Haupteingang. Dieser weist darauf hin, dass man im Falle des Eingeschlossenwerdens in der Kirche versuchen könne, die Nummer anzurufen, die am Schwarzen Brett (vor der Kirche!) zu finden sei. Es gäbe aber nur wenige Leute, die einen Schlüssel hätten, und wenn man keinen erreichen könne, möge man sich doch durch eine schmale Lücke in der Mauer in der Nähe des Armen-Sarges ("pauper’s coffin") quetschen... Harte Sitten!

Die Wahrzeichen von Cobh: bunte Häuser und Kathedrale

Zurück bei Aherne’s brechen wir nach Cobh (sprich: Kof) auf, das wir nach einer guten Dreiviertelstunde erreichen. Cobh liegt direkt an der hier recht steilen Küste und war einst der Hafen von Cork. Früher sind unzählige Auswanderer von hier aus nach Amerika aufgebrochen - insbesondere während der großen Hungersnot von 1845-49. Schließlich war es auch der letzte Hafen, an dem die Titanic 1915 anlegte, bevor sie das bekannte Schicksal erlitt.

Da wir bei der Ankunft in Cobh gleich wieder den obligatorischen Stau vor dem Stadtzentrum erspähen, weichen wir ein wenig aus und landen schließlich an einer höhergelegenen Straße, von der aus es machbar erscheint, in 5-10 Minuten zu Fuß das Zentrum zu erreichen. Das klappt auch tatsächlich, und so bummeln wir bald an der kleinen Uferpromenade entlang und bewundern die vielen bunten Häuser. Im Kennedy Park genießen wir für längere Zeit die Sonne. Abschließend steigen wir noch zur für die kleine Stadt eigentlich überdimensionierten St. Colman’s Cathedral empor, die zwar innen nicht viel, von außen aber einen schönen Blick über die Stadt und das Meer zu bieten hat. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zu unserem Auto.

Für die 23 km von Cobh nach Cork benötigen wir eine gute halbe Stunde. Da TomTom das Stadtzentrum irgendwie nicht so ganz richtig trifft, kurven wir ein bisschen auf den zahlreichen Einbahnstraßen herum und landen schließlich in einem großen Parkhaus in der Nähe des Rathauses. Dank der morgens aus dem Visitor Centre in Youghal mitgenommen Karte finden wir nach der Überquerung eines Nebenarms des Flusses Lee rasch zur Oliver Plunkett St., die uns schnurstracks ins Stadtzentrum führt. Die Straße wird bald zu einer Fußgängerzone, auf der sich Laden an Laden reiht.

Cork: Endlose Einkaufsstra0en, hier die St. Patrick's Street

Rückblickend gesehen empfanden wir Cork als typisch westliche Großstadt mit leicht irischem Einschlag. Es gibt hier keine ausgesprochenen "musts" unter den Sehenswürdigkeiten. OK, da ist ein etwas abseits gelegener Knast (Cork City Gaol), die obligatorische Kirche (St. Finbarre’s Cathedral, auch etwas abseitig), die Crawford Municipal Art Gallery nebst ein paar weiteren Museen und Galerien sowie schließlich die Beamish & Crawford Brauerei. Nichts von dem eignete sich so richtig dazu, es während des knapp dreistündigen Aufenthalts aufzusuchen.

So stromern wir also ohne ein wirkliches Ziel durch die Einkaufsstraßen der Stadt und geben uns hier und da ein wenig dem Shopping hin. Silke probiert ein paar Hosen und Blusen an, ich erstehe einen praktischen Wendegürtel. Wir verlieren uns in der Lebensmittelabteilung von Marks & Spencer und finden nicht einmal die Getränkeabteilung (wenn es denn überhaupt eine gibt). Um kurz nach 18 Uhr müssen wir feststellen, dass die Geschäfte bereits schließen. Außerdem beginnt es zu regnen. So versorgen wir uns auf dem Weg zurück zum Auto in einem der verbreiteten Mini-Shops mit Getränken und kommen halbwegs trocken wieder am Parkhaus an.

Bei strömendem Regen brechen wir in Richtung Kinsale auf, das ca. 25 km von Cork entfernt liegt. Von dort aus müssen wir dann weiter nach Kilbrittain, wo die nächste Unterkunft für uns gebucht ist. Eine gute halbe Stunde später sind wir in Kinsale, einem beliebten Touristenort mit einem großen Hafen voller Yachten und Fischerbooten. Hier pulsiert lt. Reiseführer "das pralle, bunte Leben"; der Ort vermittele eine "total verführerische Postkartenidylle". Schließlich stelle Kinsale mit seiner hohen Fischrestaurantdichte schon fast so etwas wie das "Gourmetzentrum Irlands" dar, das auch zahlreiche Mediengrößen anziehe.

Von all dem bekommen wir leider nur wenig mit. Hatte ich im fernen Deutschland noch geglaubt, wir würden den heutigen Abend nach Beziehen unserer Unterkunft in Kilbrittain hier verbringen können, werden wir nun spätestens nach Eingabe der GPS-Koordinaten des Glen Country House (sind mangels einer genauen Adresse auf der Webseite angegeben) eines Besseren belehrt: vor uns liegen noch weitere 17 km bis zum Ziel. Und so fahren wir auf der R600, die hier den schönen Straßennamen World’s End ("Ende der Welt") trägt, am Hafengelände entlang, um schließlich nach Passieren einer zunehmend verlassener wirkenden Gegend um 19:30 Uhr am Glen Country House anzukommen. Als Ort kann man Kilbrittain kaum bezeichnen; es besteht lediglich aus ein paar Häuschen, die ein Stück weit entfernt von der schmalen Straße stehen.

Die letzten Meter zum Haus führen über eine fast schon pompös zu nennende Auffahrt, die schließlich vor dem schlichten Haupthaus endet. Drinnen empfängt uns Diana, die Hausherrin, die nach eigenem Bekunden schon auf uns gewartet hat. Sie zeigt uns ein absolut schnuckeliges kleines Zimmer im ersten Stock des Hauses, das wir am liebsten gar nicht wieder verlassen hätten. Auf die Frage nach einem Zimmerschlüssel schaut sie erstaunt und kramt dann unten im Flur aus einer Schüssel auf einer Kommode das Gewünschte hervor. Einen Schlüssel für die Eingangstür gäbe es nicht, da das Schloss erst vor kurzem erneuert worden sei. Als Restaurant empfiehlt sie uns das einzige hier in der Nähe, das knapp 2 km entfernte Pink Elephant, an dem wir auf dem Weg hierher schon vorbeigefahren sind. Sie würde die Eingangstür bis zu unserer Rückkehr geöffnet halten; sie sei dann bestimmt noch auf.

Wir bringen schnell das Gepäck aufs Zimmer, machen uns ein wenig frisch und brechen dann zum Pink Elephant auf. Das Lokal sieht auf den ersten Blick aus wie ein Einfamilienhaus mit großem Wintergarten, entpuppt sich aber als vollwertiges Restaurant der gehobenen Art. Auch hier werden wir vom Chef persönlich empfangen, der uns nach negativer Beantwortung der Frage, ob wir reserviert hätten, scheinbar an einem Katzentisch im Vorraum platziert. Wir finden uns also in der Ecke des Raumes an einem niedrigen Tisch neben einem Bücherregal wieder; ich sitze quasi auf der Fensterbank und habe nur ein paar kleine Kissen im Kreuz. Nebenan befindet sich der Speisesaal, in dem noch viele Tische frei sind. Auch hier vorn gibt es bessere Tische, um daran zu essen - was läuft hier?

Erst einmal kommt Cheffe zu uns und plaudert ein wenig (natürlich sei er auch schon einmal in Deutschland gewesen, wo es ihm gut gefallen habe; Deutsch spreche er aber leider nicht), bevor er uns nach unseren Getränkewünschen fragt. Er empfiehlt mir, statt eines Guinness ein Murphy’s zu nehmen, wozu ich mich gerne überreden lasse. Dann stellt er die Tafel mit dem Menü so, dass wir sie gut sehen können und macht sich von dannen. Ich entscheide mich für ein Lammkarrée, während Silke Hühnchenbrust auf Linsengemüse wählt. Die Getränke kommen, die Bestellung wird aufgenommen, und dann passiert erst einmal 30 Minuten lang nichts.

Schließlich werden wir mit der Frage, ob wir uns nicht in den Speisesaal begeben wollten, in selbigen geleitet  (So läuft das hier also: erst einmal 30 Minuten im Barbereich relaxen, dann geht es zum Essen - nix mit Katzentisch!). Das einzige Licht hier stammt von den Kerzen auf den Tischen, was eine urgemütliche Atmosphäre zaubert. Als Vorspeise wird ein superleckeres warmes Brötchen gereicht. (Meer-)Salz und Pfeffer gibt es hier aus kleinen Näpfchen, in die man einfach mit den Fingern langt. Das Hauptgericht ist köstlich, die Beilagen überreichlich (Chips, Kartoffelpüree, Bohnen- und sonstiges Gemüse). Zwischendurch setzt sich Cheffe ans Klavier und haut eine Viertelstunde lang unter reichlichem Applaus der Gäste in die Tasten. Zum krönenden Abschluss - es geht inzwischen auf 22 Uhr zu - gönne ich mir einen Irish Coffee.

Da ich Silke geschworen habe, dass sie fahren müsse, wenn sie sich auch nur einmal vertut und auf der "falschen" Seite einsteigen will, ist sie heute reif. Weil sie sich mit Händen und Füßen wehrt, ringe ich ihr das Zugeständnis ab, dass sie den Wagen rückwärts aus der Parklücke fährt und abfahrbereit hinterlässt. Dies tut sie - bekommt allerdings prompt einen Migräneanfall (so schlimm ist Fahren mit einem Rechtslenker nun auch wieder nicht). Gegen 22:15 sind wir im Haus und Diana kann schlafen gehen (wenn sie denn mag).

Bevor wir uns zur Ruhe begeben, hole ich mir noch ein Bierchen aus der "honesty bar" (Bar mit Konsum nach dem Ehrlichkeitsprinzip - es steht alles zur Selbstbedienung bereit; der Gast notiert, was er sich genommen hat und zahlt bei der Abreise dafür gem. einer ausliegenden Preisliste). Schließlich muss ich meiner "Chronistenpflicht" noch nachkommen (s.o.) und das geht bei einem kühlen Bierchen noch ein wenig flotter von der Hand....

 

Fotoalbum Tag 4

Youghal: Clock Gate

Youghal: Clock Gate

Youghal: Visitor Centre

Youghal: Hafen

Youghal: Buntes Haus

Youghal: Buntes Pub

Youghal

Youghal: Rauhe Sitten in der Kirche

Youghal: Turm der St. Mary's Collegiate Church

Youghal: An der St. Mary's Collegiate Church

Cobh: Uferpromenade

Cobh: Blick hinauf zur St. Colman’s Cathedral

Cobh: Straßenszene

Cobh: Straßenszene

Cobh: Hafen

Cobh: Stadtansicht

Cobh: Kennedy Park

Cobh: St. Colman’s Cathedral

Cobh: St. Colman’s Cathedral

Cobh: Blick von der St. Colman’s Cathedral über den Ort

Cobh: Cobh: Blick von der St. Colman’s Cathedral über den Ort

Cobh: Bunte Häuser in Reih und Glied

Cobh: Haustür

Cobh: Haustüren

Cobh: Rotes Haus

Cork: Reisebüro von Dough und Carrie? ;-)

Cork: Oliver Plunkett St.

Cork: St. Patrick's St.

Cork: St. Patrick's St.

 

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