schoenborner.de - Reisebericht Irland 2008

Über Glendalough und Kilkenny nach Youghal

Glendalough

Zum Fotoalbum

Nach einer wiederum recht erholsamen Nacht stehen wir ähnlich früh auf wie am Vortag. Zum Frühstück gönnen wir uns diesmal pochierte Eier (Silke) bzw. Rührei mit irischem Räucherlachs. Nachdem wir zwei deutsche Mädels davon abgehalten haben, sich das Frühstück mit Black and White Pudding zu bestellen (im Glauben, Pudding wäre eben Pudding), treffen wir die letzten Vorbereitungen für den Aufbruch. Gegen 10:30 Uhr fahren wir vom Hof - links hinunter Richtung Süden.

Nun beginnt also unser Nomadenleben: tagsüber mehr oder weniger im Auto und jede bzw. jede zweite Nacht in einem anderen Hotel. Auch kommt die wahre Bewährungsprobe mit dem Linksverkehr erst noch: die knappe Stunde vorgestern vom Flughafen zur Unterkunft, während der wir mehr standen als fuhren, ist fast schon wieder vergessen.

Schnell durchfahren wir den - wie wir bei dieser Gelegenheit noch einmal feststellen - doch recht noblen Vorort Ballsbridge und lassen Dublin schließlich ganz hinter uns. Über ein kurzes Stück Autobahn und dann über unterschiedlich ausgebaute Nationalstraßen gelangen wir nach einer guten Stunde nach Glendalough.

Glendalough ist kein Ort, sondern ein Tal (von irisch Gleann Dá Locha, "Tal der zwei Seen"), in dem sich die Überreste von Klosterruinen befinden. Es liegt im Wicklow Mountains National Park. Das auffälligste Monument ist ein vollständig erhaltener, 33 m hoher Rundturm, den wir jedoch nur von weitem sehen sollten. Bei passendem Wetter (aufsteigendem Dunst oder Nebel) soll man hier in der Nähe der Klosterruinen eine einzigartige Atmosphäre genießen können.

Wir stoßen zunächst auf das Besucherzentrum, fahren von dort aber weiter zum Upper Lake, da eine kurze Wanderung hier lt. Reiseführer die Mindestempfehlung für Leute mit wenig Zeit darstellt (zu denen wir angesichts der noch zurückzulegenden Strecke nach Youghal ja nun einmal leider gehören). Das Sträßchen zum Upper Lake wird zum Ende hin zusehends schmaler, und der gleichwohl reichlich vorhandene Gegenverkehr bringt mich zuweilen ganz schön ins Schwitzen. Der Parkplatz am See öffnet seine Schranken erst nach Einwurf von 4 EUR in Münzen, aber wo wir schon mal hier sind...

Glendalough: Upper Lake

Der "Obersee" mit seinem fast schwarzem Wasser erstreckt sich längs zwischen durchaus imposanten Höhenzügen. An der Kopfseite liegt fast so etwas wie ein Strand. Am See entlang verlaufen verschiedene Wanderwege, eine echte Umrundung ist  jedoch nicht möglich. Der einzige Weg, der auf einer Seeseite entlang und schließlich wieder zum Parkplatz zurückführt, erfordert eine Gehzeit von über drei Stunden - das ist uns dann doch zu viel.

Wir entschließen uns daher, einfach am (von hier aus gesehen) linken Seeufer entlangzulaufen und zeitig umzukehren. Der Weg entfernte sich schon bald ein Stück vom Ufer - wir laufen ein Stück erhöht am bewaldeten Hang entlang. Am Ende des Sees, das wir nach ca. 30 Minuten erreichen, endet abrupt auch jeglicher Baumbewuchs. Hier dominieren stattdessen Gras und niedrigwachsende Pflanzen, die alles mit einem einheitlichen grün-bräunlichen Farbton überziehen.

Glendalough

Die Landschaft erinnert uns besonders an dieser Stelle stark an die Nachbildung Irlands ("Hibernia") im Online-Rollenspiel Dark Age of Camelot (DAoC). Das verstärkte sich noch, als wir nach einer weiteren Viertelstunde auf die Ruinen einer Minenarbeitersiedlung stießen (vielleicht die Funkelmine? ;-) ). Die Ruinen bieten natürlich reichlich Fotomotive...

Glendalough: Ruinen einer Minenstadt

Wie stark der Wind ist, der uns quasi hierhergeweht hat, merken wir erst, als er uns auf dem Rückweg entgegenbläst. Das ist ja fast schlimmer als an der Nordsee! Einen Teil des Rückwegs legen wir auf einem ufernahen Trampelpfad zurück, der dort mehrere durch einen ordentlichen Papierkorb gekennzeichnete Picknickplätze miteinander verbindet. Hier kommen wir zwar etwas langsam voran, jedoch erinnert dies eher an eine Wanderung als das "Spazieren" auf dem regulären Weg. Nach insgesamt anderthalb Stunden erreichen wir wieder den Parkplatz, der inzwischen rappelvoll ist - kein Wunder, heute ist ja Sonntag und bestes Ausflugswetter.

Unser nächstes Ziel ist das gut 100 km entfernte Städtchen Kilkenny, das man lt. Reiseführer keinesfalls auslassen dürfe ("schönstes Castle Irlands", "in Würde gealtert", "schöne Gebäude in der Innenstadt"). Lt. TomTom sollen wir gegen 15:30 Uhr dort sein, was auch ziemlich genau hinkommt. Das Erreichen des Stadtzentrums nimmt dank ziemlich verstopfter Straßen einige Zeit in Anspruch. Das Wetter ist inzwischen recht trüb geworden. Wir landen schließlich auf einem großen Parkplatz hinter einer Dunnes-Filiale (in etwa eine Mischung aus Woolworth und Real). Hier suchen wir zwecks Befriedigung allzu menschlicher Bedürfnisse und der Einnahme eines Snacks zunächst das Kaufhausrestaurant auf.

Bevor ich nun weiterschreibe, möchte ich das Kommende ein wenig relativieren, indem ich rückblickend zu erklären versuche, warum Kilkenny so einen schlechten Eindruck auf uns machte. Irgendeinen Grund wird es ja geben, warum im Reiseführer überaus positiv von diesem Ort geschrieben wird. Vielleicht war es ja eine Mischung aus schlechtem Wetter, überwiegend geschlossenen Geschäften (es war immerhin Sonntag), einem schlechten ersten Eindrück gepaart mit ein wenig Zeitnot, der es ganz gut zupass kam, dass wir hier schnell fertig waren. OK, zurück zum Bericht.

Kilkenny: Fußgängerzone

Das Kaufhausrestaurant ist spärlich gefüllt mit Einheimischen mit offensichtlich geringem Einkommen, die daumendicke, fettig-matschige Pommes und ähnlich gesunde Dinge in sich hineinstopfen. Beim anschließenden Stadtbummel können wir keine "schönen Häuser" entdecken, statt dessen laufen ziemliche viele Leute des Schlags herum, den wir auch schon im Kaufhausrestaurant angetroffen haben. Immerhin bekommen wir hier die erste irische Kirche von innen zu sehen, die vor allem Silke wegen ihrer Schlichtheit auch recht gut gefällt. Da für eine Besichtigung des Castles nun wirklich keine Zeit mehr ist, kehren wir noch einmal zu Dunnes zurück, um in der Lebensmittelabteilung noch ein paar Sachen einzukaufen.

Für die Weiterfahrt nach Youghal ermittelt TomTom eine Entfernung von 110 km, für die allerdings zwei Stunden (!) einzuplanen seien. Über die Fahrt selbst gibt es nichts Nennenswertes zu berichten - außer vielleicht, dass es gegen Ende zu regnen beginnt und wir zum ersten Mal einen Blick auf das Meer erheischen können.

Auch in Youghal treffen wir ziemlich genau zur vorausberechneten Zeit kurz von 19 Uhr ein. Hier gesellt sich zum Dauerregen auch noch ein recht kräftiger Wind. Das Hotel ("Townhouse") und Restaurant Aherne’s, das uns für eine Nacht als Unterkunft dienen soll, befindet sich überraschenderweise mitten im Ort - irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt (rückblickend weiß ich allerdings auch nicht, wieso). Da der Eingang zum Hotelflügel verschlossen und die kleine Rezeption offenbar unbesetzt ist, versuche ich mein Glück in der Bar. Eine Dame nimmt mir meinen Voucher ab und lässt mich zunächst eine Weile auf dem Flur zwischen den verschiedenen Bereichen des Restaurants (Bar, Gaststätte, Restaurant...) stehen. Nach ein paar Minuten werde ich von einem Herrn - wie sich später herausstellt, ist es der Chef persönlich - abgeholt und zum Hotelzimmer geführt. Auf dem Weg dorthin nehmen wir auch Silke mit, die vor dem Hoteleingang wartet.

Aherne's, Youghal

Das Zimmer ist wirklich schön eingerichtet, geräumig und mit einem riesigen Bett ausgestattet. Nachdem wir ein Viertelstündchen ausgespannt haben, überlegen wir, ob wir tatsächlich unten im recht teuren Restaurant essen sollen. Der Reiseführer meint hierzu lapidar: "Wem an Essen ernstlich gelegen ist, der kann in Youghal nur zu Aherne’s gehen." Er erwähnt allerdings auch, dass das Essen an der Bar nur bis ca. 14 EUR kostet, während im Restaurant, wo es auch ein bisschen "steif" zugehe, für ein Menü durchaus 42 EUR hinzublättern seien.

Letzlich landen wir doch im Restaurant, wo die Preise für ein Fischgericht zwar durchweg jenseits von 30 EUR liegen, aber auch das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Ich gönne mir einen gemischten Fischteller und ein kleines Fläschchen Frascati, auch Silke "muss" heute Fisch essen. Das Lokal, indem es keinesfalls ausgesprochen "steif" zugeht. ist zunächst nur spärlich besetzt. Nach und nach kommen jedoch offenbar auch Leute aus der Bar herüber, die ihr Essen mit hierher nehmen. Der superleckere, frisch gekochte Schokoladenpudding zum Abschluss lässt uns trotz der hohen Rechnung versöhnt zurück.

Vor dem Schlafengehen statten wir dem Kaminzimmer noch einen kurzen Besuch ab. Das Feuer ist zwar schon heruntergebrannt, trotzdem verbreitet es noch eine heimelige Atmosphäre. Wir blättern ein wenig in den ausliegenden Büchern und Bildbänden. Dabei fällt mir ein keltisches Märchenbuch in die Hände, das ich noch mit aufs Zimmer nehme. So gleite ich in dieser Nacht auf den Schwingen der keltischen Variante von "Schneewittchen" ins Reich der Träume.

Fotoalbum Tag 3

Im Glendalough: Upper Lake

Im Glendalough: Upper Lake

Im Glendalough: Upper Lake

Im Glendalough: Upper Lake

Im Glendalough: Upper Lake

Im Glendalough: Weg am Upper Lake

Im Glendalough: Upper Lake

Im Glendalough: Ruinen eines Minendorfs

Im Glendalough: Ruinen eines Minendorfs

Im Glendalough: Ruinen eines Minendorfs

Im Glendalough: Ruinen eines Minendorfs

Im Glendalough: Ruinen eines Minendorfs

Im Glendalough

Im Glendalough: Trampelpfad am Upper Lake

Im Glendalough

Im Glendalough

Kilkenny: St. Mary's Cathedral

Kilkenny: Gasse

Kilkenny: James St.

Kilkenny: Butter Slip

Kilkenny: Gasse

Kilkenny: Buntes Haus

nach oben