schoenborner.de - Reisebericht Irland 2008

Ein Tag in Dublin

Dublin: Grafton Street (im Hintergrund St. Stephen's Green)

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Wider Erwarten habe zumindest ich in dem ungewohnt schmalen Bett erstaunlich gut geschlafen. Dank des (für meine Verhältnisse) frühen Zubettgehens hält es uns schon um kurz nach 7 nicht mehr im Bett. Die Dusche ist nicht der Brüller, ich komme damit aber klar. Bereits um halb 9 sitzen wir im Frühstücksraum - zunächst allein. Auf dem kleinen Büffet stehen nur verschiedene Müslisorten (darunter eine dunkle, offenbar selbst gebackene), Trockenfrüchte, frisches Obst, Kuchen und kleine Scones (süße Brötchen aus besonders feinem Mehl). Am Tisch bekommen wir eine kleine Menükarte vorgelegt, die verschiedene Frühstücksgerichte enthält. Silke wählt eine Waffel mit Sirup, ich entscheide mich hingegen für mein erstes Frühstück in Irland für die “volle Cholesterindröhnung” des klassischen Irish Breakfast: Würstchen, Schinken, Black and White Pudding, Tomate und pochiertes Ei, dazu gebutterter Toast. Vorab das gebackene Müsli - eine kleine Sensation. Dann das Irish Breakfast, dazu eine Kanne schönen, starken Kaffees: ich bin rundum zufrieden. Inzwischen hat sich der Frühstücksraum auch zusehends mit anderen Gästen gefüllt - vorher war es auch beinahe zu ruhig.

Wieder auf dem Zimmer, planen wir den Tag grob vor und brechen gegen 10:45 Uhr auf.

Zunächst bringt uns der DART wieder zur Station Pearse, von wo aus wir zum Merrion Square stiefeln. Dies ist ein rechteckig verlaufender Straßenkomplex, in deren Mitte ein Park liegt. Dieser heißt genaugenommen Archbishop Ryan Park, wird aber meist nur Merrion Square Park genannt (selbst auf Karten ist er so verzeichnet). Der Park ist voller Skulpturen. Gleich zu Anfang stoßen wir auf die wohl bekannteste:

Dublin: Skulptur "Oscar Wilde" im Merrion Square Park

Sie zeigt Oscar Wilde, den in Dublin geborenen und aufgewachsenen Schriftsteller (1854-1900), der als Dandy bekannt war und sich hier in entsprechender Pose auf einem Felsen lümmelt. Seine Augen ruhen auf zwei weitere, ihm gegenüberstehenden Skulpturen, die Torsi von weiblichen Körpern darstellen. Diese stehen auf Säulen, in denen einige der berühmten Einzeiler Wildes eingraviert sind. Wir schlendern noch eine Viertelstunde durch den Park und widmen uns dann dem nächsten Programmpunkt: Kultur ist angesagt: Gleich gegenüber vom Park liegt die National Gallery.

Dort nutzen wir die Gelegenheit, uns (zunächst in der Dauerausstellung sogar kostenlos) weiterzubilden. Gezeigt wird sowohl klassische als auch zeitgenössische aus allen größeren europäischen Malschulen und natürlich besonders zahlreiche irische Künstler (v.a. Jack Butler Yeats). Im imposanten Neubau (Millenium Wing), dessen Architektur mich ein bisschen an das Jüdische Museum in Berlin (Daniel Libeskind) erinnert, findet zurzeit die Sonderausstellung "Impressionist Interiors" statt. Hier geht es um die Werke der bekannten Impressionisten, die - entgegen dem damaligen Trend - Innenmotive wie etwa Wohnungen oder Lokale zeigen. Da die Ausstellung kostenpflichtig ist und Silke nicht so sehr interessiert ist, trennen sich kurzzeitig unsere Wege. Abschließend erstehe ich im Museumsshop noch ein kleines Poster eines Gemäldes von Federico Zandomeneghi, mit dem auch für die Ausstellung geworben wird.

Mut zur Farbe: Haustür in Dublin

Weiter geht’s zum nächsten Park, St. Stephen’s Green. Auf dem Weg dorthin lege ich den Grundstein für meine ganz persönliche Sammlung von Fotos von irischen Haustüren (s.o.). Außerdem führt unser Weg dorthin am irischen Parlament  sowie an einem Luxushotel (The Merrion Hotel, Irlands luxuriösestes 5-Sterne-Hotel) vorbei, in dem - den davor ausharrenden Fans zufolge - wohl Bruce Springsteen abgestiegen sein muss.

Dublin: St. Stephen's Green

Stephen’s Green ist wirklich schön: hier gibt es Teiche, Pavillions, Brücken und gepflegte Rasenflächen. Im Moment scheint die Sonne, daher ist es hier ziemlich voll. Wir ergattern einen Platz auf einer der begehrten Bänke und spannen bestimmt eine halbe Stunde lang aus. Wer sich hier auf dem falschen Stück Rasen niederlässt, wird alsbald von Parkwächtern (!) vertrieben.

Am nordwestlichen Ecke des Parks aus durchschreiten wir eine Art Triumphbogen und stehen mitten im dicksten Gewusel - wir sind auf das andere Ende der Einkaufsstraße Grafton St. gestoßen (s. Bild ganz oben auf dieser Seite) - auch wenn uns das zugegebenermaßen erst einige Zeit später auffiel. Hier verbringen wir bestimmt eine Stunde mit "Trockenshopping" (überall schauen, aber nichts kaufen).  Erst geht es die Grafton St. hinunter, dann wieder zurück und in die King’s St. Dort stoßen wir auf das St. Stephen’s Green Shopping Centre, das uns ein wenig an die "Monster-Einkaufsmeile" von Edmonton in Kanada erinnert.

Unser nächstes Ziel ist die Christ Church Cathedral, die wir nach einem längeren Fußmarsch erreichen. Dieser führt uns u.a. auch an Dublin Castle (ehemalige Burg aus dem 13. Jhdt., von der nur noch ein Turm und ein paar Fundamente erhalten sind und um die herum ein Veranstaltungs- und Kulturzentrum gebaut wurde) sowie an der City Hall (ehemaliger Sitz der Börse und der Dublin Corporation; heute wird im Untergeschoss die Multimedia-Ausstellung "The Story of a Capital" ("Die Geschichte einer Hauptstadt") gezeigt) vorbei.

Dublin: Christ Church Cathedral

Leider wird die Kirche - lt. Reiseführer immerhin "die Mutter aller Dubliner Kirchen" - bei unserer Ankunft kurz nach 17 Uhr gerade geschlossen. So bleibt uns nur die Besichtigung von außen und Zeit für Überlegungen, was wir denn heute noch alles so anstellen wollen. So langsam "melden" sich nämlich unsere Beine....

Wir entscheiden uns, noch ein Stückchen weiter bis zur "zweitschönsten" Kirche St. Patrick’s Cathedral zu gehen. Diese hat zwar noch geöffnet, für die Besichtigung sind jedoch 5,50 EUR zu entrichten - wir verzichten. Getrieben von allzu menschlichen Bedürfnissen laufen wir über die Lord Edward St. und Dame St. entlang von Temple Bar wieder zum Trinity College-Komplex zurück (schon eine ziemliche Strecke!) und suchen die Lokalitäten eines Pubs auf. Anschließend sitzen wir leicht geschafft und etwas unentschlossen auf dem Platz vor der Zentralbank herum - gegen weitere Besichtigungen sprechen die Zeit (nach 18 Uhr) und der Zustand der Gehwerkzeuge, zum Essengehen ist es eigentlich noch zu früh (und wohin überhaupt?).

Nachdem wir eine Weile die Leute beobachtet haben, die an der hier gelegenen Bushaltestelle ein- und aussteigen, wird es uns auf dem zugigen Platz, der zudem im Schatten liegt, doch zu kalt. Wir beschließen, zum Abendessen das Restaurant Mona Lisa in der D’Olier St. unweit von hier anzusteuern (das nebenbei der Sponsor des handlichen Stadtplans ist, den wir hier benutzt haben). Als wir es betreten, bin ich erst nicht so begeistert, da es hier eher nach billiger Massenabfertigung als nach einem Lokal für ein gemütliches Abendessen aussieht. Auch erhalten wir einen kleinenTisch gleich neben Empfangstresen und Kasse zugewiesen - aber naja, ohne Reservierung und dann noch am Samstagabend....

Silke wählt eine vegetarische Lasagne, ich entscheide mich für einen "Dreiklang" zum Sonderpreis, bestehend aus einem Cesar Salad, Nudeln mit Hähnchenbrust in einer Gorgonzola-Sauce sowie als Nachtisch einem Bread-and-Butter-Pudding. Es schmeckt gar nicht mal schlecht. Nach und nach füllt sich das Lokal und ist schließlich proppevoll. Zwei Junggesell(inn)enabschiede und eine weitere Familienfeier verursachen nicht nur reichlich Lärm, sondern bieten auch reichlich Gelegenheiten für Milieustudien. Obwohl immer wieder Leute auf einen Platz warten, können wir nach dem Essen noch in aller Ruhe das eine oder andere Getränk genießen, ohne dass man uns zum Bezahlen drängt.

Erkenntnisse über die Ir(inn)en nach zwei Tagen

  • Das Kälteempfinden ist - vor allem bei Frauen - stark unterentwickelt. Ab ca. 15° läuft man in leichtesten Sommerklamotten herum - sei die Gänsehaut auch noch so stark.
  • Frau und mollig? Kein Problem, man kann trotzdem jede Mode mitmachen.
  • Rothaarige entsprechen einem eigenen Schönheitsideal.
  • "Obenrum" zeigt die irische Frau gern, was sie hat. Dabei wird oft alles "hochgeschnallt", was da ist (oder auch nicht) und in einem großzügigen Dekolletée präsentiert.


Da wir am kommenden Tag fast 250 km nach Youghal in der Nähe von Cork zurückzulegen haben und es verschiedene Alternativen für die Route und damit Besichtigungen auf dem Weg dorthin gibt, wollen wir heute etwas früher zurück zum Hotel, um das noch in aller Ruhe planen zu können. So langen wir - wie peinlich! - noch vor 22 Uhr und damit noch im Hellen an unserer Unterkunft an. Wir planen die Route schließlich so, dass wir Glendalough (Wicklow Mountains National Park) und Kilkenny "mitnehmen" können - die Variante direkt an der Küste entlang über Wicklow, Wexford und Waterford ist damit leider aus dem Rennen.

Wieso müssen wir auch 250 km bis zur nächsten Unterkunft überbrücken? Nach einer Nacht dort müssen wir schon weiterziehen - in das nur knapp 90 km entfernte Örtchen Kilbrittain. Youghal liegt 45 km vor Cork, Kilbrittain 40 km dahinter - das verstehe, wer will.

Fotoalbum Tag 2

Dublin: Säule im Merrion Square Park mit Einzeilern von Oscar Wilde

Dublin: Merrion Square Park

Dublin: Merrion Square Park

Dublin: Neubauflügel der National Gallery

Dublin: Typisches Haus mit bunten Türen

Dublin: Haustür

Dublin: Haustür

Dublin: Haustür

Dublin: Parlamentsgebäude

Dublin: Springsteen-Fans vor "The Merrion Hotel"

Dublin: Plan von St. Stephen's Green

Dublin: St. Stephen's Green

Dublin: St. Stephen's Green

Dublin: St. Stephen's Green

Dublin: St. Stephen's Green

Dublin: Einkaufsstraße Grafton St.

Dublin: Einkaufsstraße Grafton St.

Dublin: reges Treiben in den Pubs schon am Nachmittag

Dublin: Shopping Centre St. Stephen's Green

Dublin: Straßenüberbau neben der Christ Church Cathedral

Dublin: Christ Church Cathedral

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