schoenborner.de - Reisebericht Irland 2008

 Ankunft in Dublin

Zurechtfinden in Dublin

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Heute geht es also los - unser langersehnter Jahresurlaub nimmt seinen Anfang. Hin bringt uns - jedenfalls über den größten Teil der Strecke - ein Flieger von Air Lingus, Flug Nr. EI693, 10:50 Uhr ab Düsseldorf, 11:30 Uhr an Dublin (Ortszeit; dort ist man eine Stunde hinter "unserer" Zeit zurück). Klappt auch alles problemlos, keine anderthalb Stunden nach dem Abflug landet der Flieger sanft in Dublin.

Dort wartet unser erstes "kleines Abenteuer" auf uns: die Übernahme des Mietwagens. Wobei nicht die Prozedur als solche so spannend ist, sondern vielmehr die Umstellung auf den hier üblichen Linksverkehr. Und statt Üben auf dem Lande heißt es hier gleich: ab in den Großstadtverkehr. Na, mal sehen...

Schlau wie ich bin, habe ich vorher im Internet recherchiert, wo sich der Schalter unseres Vermieters Dan Dooley befindet - man solle direkt zum Schalter für "Pre-Booked Cars" (vorgebuchte Autos) gehen und alles würde gut. Vorbei an den großen, wohlbekannten Namen der Mietwagenfirmen geht es also in die hinterste Ecke, wo dann hinter einem schlichten weißen Tresen drei Autoverleiher residieren, darunter auch der unsrige. Bevor man sich um mich kümmern kann, müssen sich die zwei Angestellten erst einmal mit Druckerproblemen herumschlagen; ich warte geduldig. Schließlich findet man Zeit für mich, und unter zahlreichen Fragen (Führerschein? Ausweis? Beruf? Rückgabestation? Darf’s auch ein Automatikfahrzeug sein?) wird der Formularkram erledigt. Zwischendurch fangen Alarmglocken an zu läuten - wie sich herausstellt, ist dies der Feueralarm. Da sonst nichts weiter passiert, bleiben alle gelassen.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich mich bei der Buchung im Januar für ein Fahrzeug der Kategorie "Opel Astra oder vergleichbar" entschieden hatte, weil ich hoffte, in einem solchen Gefährt auch unser Gepäck im Kofferraum unterbringen zu können, ohne die Rücksitzbank mitnutzen zu müssen - in Irland soll ja angeblich gern und viel aus Autos geklaut werden (zumindest in Großstädten).

Wenn ich alles richtig verstanden habe, sollen wir uns nun vor den Flughafen begeben, wo es einen Bereich gibt, an dem die Mietwagenverleiher ihre Kunden mit Kleinbussen zur eigentlichen Fahrzeugausgabe transportieren. Also (unter dem immer noch andauernden Läuten der Alarmglocken) raus aus dem Flughafengebäude und dann rechts herum. Dort ist tatsächlich so etwas wie ein Bussteig, an dem diverse Kleinbusse mit den Logos der Mietwagenverleiher herumstehen. Auf den von Dan Dooley müssen wir ein wenig warten, dann aber werden wir (als einzige Fahrgäste) eingeladen und auf geht’s unter heftigem Geschaukel gefühlte drei Kilometer um den Flughafen herum und schließlich auch ein ganzes Stück davon weg (gab’s nicht schon mal Mietwagenverleihe in Flughäfen, die einfach das nahegelegene Parkhaus nutzen?). Das ganze geschieht mit einem Höllentempo und dann auch noch "auf der falschen Straßenseite". Schließlich biegen wir auf das Gelände der Ausgabestation von Dan Dooley ab, die auf den ersten Blick aussieht wie ein gewöhnliches Autohaus.

Auf dem Parkplatz wartet ein blauer Ford Focus mit Stufenheck (eigentlich hatte ich an die Schrägheckversion gedacht, als ich ein Auto dieser Kategorie gebucht habe.... und nicht an ein solches "Opa-Auto") auf uns, der ausweislich einer heftigen Schramme seitlich an der vorderen Stoßstange schon aus einiger Entfernung die Botschaft übermittelt, dass er seine beste Zeit schon hinter sich hat. An der hinteren Stoßstange fehlt die Abdeckung für die Abschleppvorrichtung. Nach dem Einsteigen verstärkt sich der Eindruck noch: zwar sauber, weisen vor allem die fleckigen Sitze auf ein schon etwas längeres Mietwagenleben hin. Der Tacho zeigt einen Kilometerstand von 106.000 an, was angesichts der Erstzulassung im Jahr 2005 (lässt sich in Irland den ersten beiden Ziffern des Kennzeichens entnehmen) auch nicht weiter verwunderlich ist. Unter dem Strich haben wir also eine vermutlich bereits ordentlich durchgerüttelte Karre erwischt, die jetzt schon in der vierten Saison von zahllosen Touristen als Schlaglochsuchgerät missbraucht wird. Naja, man kann ja nicht immer gewinnen. Auf der Habenseite kanne das Gefährt für ein Touri-Fahrzeug der unteren Mittelklasse immerhin eine relativ vollständige Ausstattung mit Zentralverriegelung einschl. Fernbedienung, Klimaautomatik, Automatikgetriebe sowie einem CD-Radio verbuchen. Also Koffer in die Karre gewuchtet und los geht’s.

Unser Gefährt für diesen Urlaub

(Kommt jemandem diese Beschreibung bekannt vor? Kein Wunder, denn ich habe sie ja weitestgehend aus dem Madeira-Reisebericht übernommen - wie sich die Dinge doch wiederholen ;-) )

Bevor es wirklich losgeht, montieren wir noch das mitgebrachte Navigationsgerät (fortan "TomTom" oder - wegen der ausgewählten Stimme - "Enie" (van de Meiklokjes) genannt) und geben die Adresse unserer Unterkunft in Dublin ein. Dann drehe ich eine vorsichtige Runde auf dem Parkplatz. Erst dann traue ich mich, mich in den regen  Verkehr einzuordnen - ab jetzt immer schön links halten!

Erster banger Blick des Beifahrers auf den Linksverkehr ;-)

Irgendwie schaffen wir es auf die Autobahn M1. Kaum drauf, fahre ich schon wieder herunter, da der gebührenpflichtige, 4,5 km lange Dublin Port Tunnel (Gebühr abhängig von der Tageszeit - aktuell wäre der Höchstsatz von 12 EUR zu entrichten) vor uns liegt. Statt dessen biege ich auf die N1 ab. Ab hier stehen wir quasi im Dauerstau - und quälen uns mitten durch das Stadtzentrum. Der Verkehr ist die Hölle: jeder fährt, wie er will. Busspuren werden einfach mitgenutzt (und keinen interessiert’s). Einige wenden in aller Ruhe auf verstopften vierspurigen Straßen. Wir kommen über die Gardiner St. zum Fluss Liffey und fahren am Trinitiy College vorbei. Naja, dann haben wir die Stadtrundfahrt bei dieser Gelegenheit gleich mit erledigt.

Nach einer guten Stunde erreichen wir wohlbehalten (OK, Silke hat nach eigenem Bekunden Blut und Wasser geschwitzt) unsere erste Unterkunft: Glenogra Guest House, 64, Merrion Road im "noblen" Dubliner Vorort Ballsbridge. D.h. zunächst einmal fahren wir daran vorbei und müssen mühselig in einer engen Wohnstraße wenden. Dabei entdecken wir allerdings die DART-Station (Dublin Area Rapid Transit - sowas wie eine S-Bahn), von der aus wir in wenigen Minuten ins Stadtzentrum gelangen könnten. Und so nobel sieht es hier auf den ersten Blick auch nicht aus.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, nutze ich die Tatsache, dass alles zum Kaffee- bzw. Teekochen bereitsteht und genehmige mir "mit Todesverachtung" zwei Tassen Irish Afternoon Tea (Beutelware). Silke futtert nur ein paar Kekse und geht dann ins Bett. Ich mache mich nützlich und wuchte die Koffer durch das enge Treppenhaus, besorge Infomaterial und erkunde auf einem kleinen Spaziergang die Abfahrtzeiten des DART. Ergebnis: Züge in die City fahren tagsüber alle 10-20 Minuten. Ansonsten gibt es in unmittelbarer Nähe nur Nobelwohnanlagen und -hotels (also doch!). Auf den Straßen tummeln sich immer mehr Polizisten (zunächst stand nur an der nächsten Straßenecke einer) und Schaulustige, an der gegenüberliegenden Straßenecke hat eine Würstchenbude aufgemacht. Was hier wohl abgeht...?

(Wie ich nach dem Urlaub herausgefunden habe, fand an diesem Abend das zweite von insgesamt drei Open Air-Konzerten von Bruce Springsteen in der Arena der RDS (Royal Dublin Society) statt. Der Eingang lag - von uns völlig übersehen - keine 100 Meter stadteinwärts gegenüber von unserer Unterkunft.)

Gegen 17 Uhr können wir uns tatsächlich aufraffen, uns zur DART-Station zu begeben (die übrigens Sandymount heißt). Da lt. Reiseführer für den Besuch der Innenstadt am ehesten die Stationen Pearse oder Tara in Frage kommen, entscheiden wir uns für erstere. Auf dem aus dem Automaten zu ziehenden Ticket (1,80 EUR) steht übrigens akribisch die Abfahrt- und Zielstation. Keine Ahnung, ob man bereits als Schwarzfahrer gilt, wenn man eine Station weiter fährt, obwohl dies genauso viel kostet....

Eine Viertelstunde später sind wir am Ziel. Aber wo ist hier das "Stadtzentrum"? Auf der Straße, auf die wir vom Bahnhof aus gelangen, sieht es eher nach Vorort als nach Zentrum aus. Wir fallen aber erst einmal in einen Laden ein und besorgen uns etwas zu trinken und auch eine Kleinigkeit zu essen - das Frühstück ist immerhin schon eine Weile her. Dann stellen wir fest, dass wir uns trotz des Stationsnamens Pearse (für Pearse Street) auf der Westbound Row befinden. So laufen wir erst in die eine Richtung, entscheiden uns dann doch für die andere und stoßen dann tatsächlich auf die Pearse St. Nun geht es quasi immer am Trinity College entlang. Erst auf der College St. werden die endlosen Fassaden der Wohn- und Bürogebäude nach und nach durch "innenstadtübliche" Läden abgelöst.

Plötzlich sind wir mittendrin: wahre Menschenmassen - wohl zum Großteil Studenten nach Vorlesungsende - wälzen sich über die Bürgersteige und steigen in die zahlreichen gelb-blauen Doppeldeckerbusse.  Riesenbusse, Menschenaufläufe, der chaotische Verkehr - das ist Silke viel zu "wuselig".

Dublin, College Street

Trotz der abschreckenden Kommentare im Reiseführer - "Sex und Suff als gäbe es kein Morgen", "Straßen stinken nach Erbrochenem und Urin" - wagen wir einen Abstecher in das berühmt-berüchtigte Vergnügungsviertel Temple Bar. Dort reiht sich ein Pub an das andere, vor den meisten sind schon jetzt - kurz nach 18 Uhr - Türsteher positioniert. In einigen wird schon heftig geschrammelt und gefiedelt; an durstigen Gästen ist auch kein Mangel. Wir checken hier und da eine Speisekarte, können uns aber nicht recht entscheiden. Massenfraß (lt. Reiseführer meist ungenießbar) wechselt sich ab mit Asiatischem und ein paar ausgezeichneten (im Wortsinne!) Lokalen ab. In guten Restaurants gibt es kein Essen unter 15 EUR, das allgegenwärtige 10 oz. Sirloin Steak (knapp 300 g schweres Rumpsteak) liegt sogar bei 25 EUR.

Dublin, Vergnügungsviertel Temple Bar

Wir besuchen noch einen Schuhladen (der sogar die von uns einst heiß geliebten ART-Schuhe führt, die in Deutschland kaum noch zu bekommen sind) und einen Andenkenladen (niedliche Sprüche auf Babysachen und der übliche Plunder). Schließlich verlassen wir Temple Bar wieder in Richtung College Green und landen auf der Grafton St., der vornehmsten Einkaufsstraße Dublins. Hier haben die meisten Geschäfte jedoch schon geschlossen.

Animiert durch ein Werbeschild - hier werden offenbar Leute dafür bezahlt, dass sie Schilder halten, die auf Geschäfte oder Restaurants in Nebenstraßen aufmerksam machen - suchen wir ein Bio-Restaurant namens The Farm und finden es in der parallel verlaufenden Dawson St.: Ein neumodischer Laden mit Halogenbeleuchtung, die hier und da auch noch laufend die Farbe wechselt. Bequeme Lederschwinger, dezente Musik. Vor allen Dingen aber bekommen wir hier problemlos einen Tisch, wo doch lt. Reiseführer angeblich ohne Reservierung in den guten Lokalen - zumal am Wochenende - nichts gehe. Silke - seit neuestem überwiegend vegetarisch unterwegs - bestellt sich mit Reis gefüllte Paprikaschoten, Salat und Spargel(-spitzen?), ich wähle ein Bio-Burger mit ebensolchen, handgeschnitzten Pommes (die in Irland Chips heißen), dazu ein Bio-Stout (dunkles Bier).

Nach kaum fünf Minuten wird überraschenderweise schon serviert. Mein Essen ist ganz okay, Silke findet ihen Reis viel zu matschig, vermisst den Spargel (wegen dem sie sich eigentlich für dieses Gericht entschieden hat) und erklärt sich nach dem Verzehr einer der beiden Paprikaschoten zehn Minuten später für "pappsatt". Nach dem Essen beschließen wir, noch ein wenig hierzubleiben (da wir keine Lust haben, uns schon wieder auf die Suche nach einem Lokal zu begeben) und bestellen noch "eine zweite Lage" Getränke.

Mit Beobachtungen des teils noch etwas ungeschickt agierenden Personals (u.a. geht ein ganzes Tablett voller Gläser zu Bruch) - das Lokal hat offenbar erst vor kurzem geöffnet - und den Essmanieren junger Iren (verbesserungswürdig!) verbummeln wir die Zeit bis ca. 21:30 Uhr und machen uns dann auf den Heimweg. Unter Vollendung der Runde um das Trinity College erreichen wir über Nassau St., Leinster St. und Lincoln Place recht schnell wieder die Westland Row und damit Pearse Station.

An unserer "Heimatstation" Sandymount kommen uns zahlreiche fröhliche Leute (offenbar von der ominösen Großveranstaltung) entgegen. Auch am Bahnhof sind zahlreiche Zusatzkräfte damit beschäftigt, den Ansturm von Menschen zügig in die Bahnen zu geleiten. (Wie schon gesagt, heute wissen wir, dass ein Bruce Springsteen-Konzert stattfand). Wieder auf unserem Zimmer, geht es recht bald ins Bett - "Licht aus" ist schon um 23:15 Uhr.

Fotoalbum Tag 1

Unser Mietwagen - Lenkrad rechts!

Dublin: Feierabendverkehr

Dublin: Feierabendverkehr

Dublin: Aus jeder Seitenstraße kommt ein Bus

Dublin: Temple Bar

Dublin: Brücke über den Liffey Nähe Temple Bar

Dublin: Blick über den Liffey

Dublin: Temple Bar (man beachte die Frau mit der merkwürdigen Beinprothese vorn links)

Dublin: Dawson St. bei Nacht

Dublin: Pearse Station bei Nacht

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