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Reisebericht Bretagne 2011

Bretonische Flagge

Vom 23.07. - 06.08.11 haben wir Urlaub in der Bretagne gemacht. Dies ist unser (kurzer) Reisebericht.

Abendstimmung in Audierne

Allgemeines zur Bretagne und zu unserer Reise

Die Region
Land und Leute
Das Wetter
Ferienwohungs-/Hausvermittlung
Essen & Trinken
Radfahren
Reiseführer
 

Die Region

Die Bretagne ist eine Region ganz im Westen von Frankreich, in der etwa 3,1 Mio. Menschen leben. Sie ähnelt fast schon einer Halbinsel und kommt somit auf eine Küstenlänge von sagenhaften 1.200 km. Sie gehört zu den sechs “keltischen Nationen”, zu denen ansonsten noch Irland, Schottland, die Isle of Man, Wales und Cornwall zählen. Unser Urlaubsort Loctudy liegt im Département Finistère (von lateinisch finis terrae (Ende der Welt)) und damit schon ziemlich weit im Süden der Bretagne. Die Landschaft wird von Äckern und Grünland beherrscht, das durch Hecken und die typischen Steinmauern aufgeteilt wird. Sie ist aber nicht eben - die Steilküste ist über 60 m hoch und im Landesinneren türmen sich die Monts d’Arrée bis zu einer Höhe von fast 400 m auf.

Zweisprachiger Schilderwald in Quimper (Kemper)

Die Bretonen haben eine eigene Sprache, die sich auch in der Öffentlichkeit manifestiert: So sind die meisten Orts- und Hinweisschilder zweisprachig (französisch und bretonisch) gehalten. Der bretonische Name für die Bretagne lautet Breizh (sprich: “Breis”). Uns ist allerdings niemand untergekommen, der sich in dieser Sprache artikuliert hat - tatsächlich sprechen auch wohl nur 5% der Bevölkerung diese Sprache aktiv.

In der Bretagne gibt es viel zu sehen: Viele Städte und Dörfer haben einen mittelalterlichen Ortskern, es gibt Schlösser und Sakralbauten (Kathedralen, Klöster) zuhauf, natürlich haben die Kelten überall ihre Spuren hinterlassen (vor allem die Menhire (“Hinkelsteine”) und die eine oder andere Grabstätte (Cairns und Dolmen)) und nicht zuletzt hat die abwechslungsreiche (Küsten-)Landschaft ebenfalls ihren Reiz. Allerdings sorgen die oft großen Entfernungen in Verbindung mit der nur mittelmäßigen Verkehrs-Infrastruktur (keine Autobahnen, nur National- und Département-Straßen; wobei diese allerdings oft vierspurig und über lange Strecken kreuzungsfrei geführt werden) dafür, dass man es kaum schafft, sich alles anzusehen, wenn man die ganze Zeit (wie wir) an ein- und demselben Ort wohnt. Mehr als 60 km pro Stunde Fahrzeit sind kaum drin. Somit hätte eine Fahrt von unserem Urlaubsort Loctudy zum bekannten Küstenort St. Malo (211 km) 3:15 h gedauert - das lohnt wohl kaum für einen Tagesausflug. Somit haben wir unsere Ausflüge bis auf eine Ausnahme (Carnac im Nachbar-Département Morbihan) nur auf das Departement Finistère begrenzt.

Wer mit Frankreich musikalisch neben den typischen Schlagern und Chansons vor allem mit Zieharmonika-lastiger “Pariser Barmusik” verbindet, wird sich in der Bretagne wundern: Hier wird Folkmusik wie in den anderen keltischen Regionen gespielt - so richtig mit Dudelsack, Mandoline und mittelalterlichen Instrumenten!

Wer noch mehr wissen will, kann sich bei Wikipedia schlau machen.

Land und Leute

Nun sind die Bretonen ja auch Franzosen, und wie man so sagt, mögen diese die Deutschen ja nicht besonders... Bei früheren Frankreich-Urlauben in den späten 80ern hatte ich jedenfalls ein entsprechendes Gefühl. Jetzt, 2011 in der Bretagne, haben wir nichts dergleichen bemerkt. Alle waren superfreundlich - von der Vermieterin über die Verkäuferin beim Bäcker bis zur Bedienung im Restaurant La Blanche Hermine (“Das weiße Hermelin”) in Pleyben, die sich alle Mühe gegeben hat, mit uns auf Deutsch zu kommunizieren. Viele haben unsere Versuche, uns halbwegs in der Landessprache verständlich zu machen, mit einem Lächeln und einem “Bonnes vacances!” (“Schönen Urlaub!”) quittiert. Also wir mögen die Fran... Bretonen ;)

Das Wetter

Bedingt durch die Lage am Nordatlantik ist das Klima in der Bretagne rau, aber relativ mild. Schnee und Frost sind eher selten, dafür sind die Sommer aber auch nur mäßig warm. Ein rascher Wechsel zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten sorgt für wechselhaftes Wetter - so folgen auf Sonnenschein schon mal Sturm und Regen, bevor kurze Zeit später schon wieder die Sonne lacht. Insgesamt ist die Niederschlagsmenge jedoch - vor allem an den Küsten - eher gering. Die meiste Zeit über bläst ein kräftiger Westwind.

Während unseres Urlaubs schien die meiste Zeit die Sonne; die Temperaturen lagen meist um die 20°, selten mal bei 25°. Allerdings hat es auch schon mal einen halben Tag geregnet.

Haus-/Ferienwohnungsvermittlung

Wir haben unser Haus über die Agentur Location Bretagne gebucht. Über diese lässt sich nichts Schlechtes sagen - die Buchung lief sauber und problemlos, das Objekt entsprach der Beschreibung und hat uns gut gefallen. Im Bedarfsfall - der nicht eingetreten ist - hätten wir am Anreisetag bis in die späten Abendstunden die Agentur in Deutschland sowie jederzeit eine deutschsprachige Vertretung vor Ort kontaktieren können. Die Hauseigentümerin selbst sprach zwar nur Französisch, aber die Verständigung hat mit einigen mühsam wiederbelebten Brocken “Schulfranzösisch” ganz gut geklappt - selbst der geforderte Anruf eine Stunde vor Ankunft ging reibungslos über die Bühne.

Essen & Trinken

Wer essen gehen will, hat in der Bretagne die freie Auswahl: Von Sterne-Küche über Restaurants/Tavernen/Brasserien bis zu den für die Bretagne typischen Crêperien reicht hier das Angebot. Als weitere Fast-Food-Alternative - neben crêpes - kann man auch noch die nordfranzösisch-belgische Antwort auf fish&chips in Betracht ziehen: moules-frites - in Kräutersud gekochte Miesmuscheln mit handgeschnitzten Pommes.

Crêperie

Die crêperie ist eine ur-bretonische Geschichte. Wikipedia weiß, dass die crêpe eine Weiterentwicklung der galette ist - in der crêperie gibt es beides, Ein crêpe kennt in Deutschland wohl jeder, da es praktisch auf jedem Jahrmarkt verkauft wird. Hier gibt es auch in der Bretagne keine Überraschungen: auf einen hauchdünnen süßen Weizenpfannkuchen kommen süße Zutaten (der Klassiker: eine Nuss-Nougat-Creme), anschließend wird das ganze zu einem butterbrotgroßen Etwas zusammengefaltet und möglichst gleich heiß verzehrt. Das geht sowohl im Stehen quasi direkt von der Hand in den Mund als auch gesittet im Sitzen mit Messer und Gabel. Die galette ist die pikante Variante: Auf einen salzigen Buchweizenpfannkuchen kommen hier einfache Zutaten wie Käse, Schinken, Speck oder Eier. Satt wird man davon eher nicht - außer, man langt kräftig zu.

Essen in den Restaurants ist in der Bretagne wie in ganz Frankreich eine eher teure Angelegenheit. Das liegt nicht nur an den Preisen der meisten Gerichte, sondern vor allem an der hier (wie z.B. auch in Italien) vorherrschenden Erwartung, dass man mindestens eine Vorspeise, ein Hauptgericht und eine Nachspeise verzehrt. So eine Vorspeise schlägt mit 7 - 10 EUR, das Hauptgericht mit 10-20 EUR und die Nachspeise wiederum mit 5 - 8 EUR zu Buche, so dass schnell mal 30, 40 EUR pro Person zusammenkommen - und dann hat man noch nichts getrunken. Typische bretonische Vorspeisen sind der plat de fruit de mer (Meeresfrüchteteller), als Hauptgericht folgt vielleicht ein schöner gebratener Fisch oder ein Hummer und als Nachtisch käme ein tiefbrauner Schokoladenkuchen mit einer ordentlichen Portion Sahne in Frage. Für die Bretagne typische “Meeresfrüchte” sind huîtres (Austern), coquilles Saint-Jacques (Jakobsmuscheln), crevettes (Riesengarnelen) und moules (Miesmuscheln). Natürlich werden auch zahlreiche Fischarten gefangen. Thunfisch, Makrelen und Sardinen werden übrigens zu einem großen Teil gleich zu Dosenfisch verarbeitet. Abgesehen von Fisch und Meeresfrüchten ist die bretonische Küche eher deftig und bodenständig: Speck mit Sauerkraut, Blutwurst und viele Innereien stehen hier auf der Speisekarte.

Schließlich sollte auch der “süße Zahn” der Bretonen nicht unerwähnt bleiben: Neben den (mit dem hierzulande verkauften Abklatsch nicht zu vergleichenden) Croissants bietet jeder patissier zahlreiche süße Leckereien, die ihresgleichen suchen. In fast jedem größeren Ort findet sich eine Keksfabrik (biscuitier). Und es gibt eine Ladenkette, die u.a. Blätterteigküchlein in 1 Mio. Varianten verkauft, die so genial buttrig schmecken, dass man gar nicht aufhören möchte, sie zu essen...

Als typisch bretonisches Getränk können wir zunächst einmal den Cidre empfehlen. Wir sind mit Cidre Le Brun angefixt worden (ein Fläschchen stand als Willkommensgruß im Kühlschrank) und mochten danach keinen anderen mehr. Wein aus der Bretagne gibt es auch, besonders toll ist er allerdings nicht. Dafür gibt es erstaunlich gutes Bier: Wer bisher nur die Plörre aus dem Elsass probiert hat (Kronenbourg 1664), wird an Britt-Bieren sicher seine Freude haben - von hellen bis kräftigen dunklen Sorten reicht da die Auswahl. Allerdings ist es relativ teuer: Ein Dreierpack Britt (0,33) kostet im Supermarkt fast 4 EUR! Und das liegt nicht daran, dass die Preise für Alkoholika in Frankreich allgemein hoch wären: Wein (natürlich jetzt nicht die Edeltröpfchen) und Cidre gibt es schon für 3 EUR.

Radfahren

Im Reiseführer stand, dass man fast überall in der Bretagne Räder leihen könne und in einigen Orten sogar kostenlos Radwegekarten ausgegeben würden. Da wir lieber unsere eigenen Räder nutzen und uns erst im vergangenen Jahr einen Fahrradträger für das Auto angeschafft hatten, haben wir unsere Räder mitgenommen. Noch einmal würden wir dies nicht tun, denn der Aufwand rechtfertigt letztlich den Nutzen nicht. Der Aufwand, das sind in erster Linie zusätzliche Spritkosten. Da zumindestens dort, wo wir waren, so gut wie keine ausgewiesenen Radwege gibt und insbesondere weder spezielle Wegekarten für Radfahrer zu bekommen waren noch spezielle Wegweiser für Radfahrer existieren, ist man darauf angewiesen, sich wenig befahrene Nebenstraßen zu suchen und ansonsten auf gut Glück mögliche Wege abseits der Straßen zu erkunden. Das kann im Nahbereich der Unterkunft ganz nett sein, eine größere, attraktive Tour lässt sich so nicht planen. Und wer möchte schon stundenlang auf einer schmalen Landstraße fahren, auf der die Autos mit 90 Sachen an einem vorbeibrausen? Unsere Empfehlung lautet daher: Lasst die Räder zuhause.

Der Reiseführer

Wir haben zwei Reiseführer mitgenommen: Für die ausführliche Lektüre mal wieder ein Konvolut (660 S.) aus dem Michael Müller-Verlag (Autoren: Schmid/Grashäuser/Schäffler), als handlicheres Exemplar zum “Immer-Dabei-Haben” wählten wir zum ersten Mal einen Band aus der DK / Dorling Kindersley “Vis-à-Vis”-Reihe (natürlich jeweils über die Reiseregion “Bretagne”).

Der “Müller” ist wie gewohnt super-ausführlich, von der Aufbereitung her aber eher schlicht. Farbige Fotos gibt es nur auf wenigen, auf das das Buch verteilten Seiten. Dem Buch wird vorgeworfen, dass die Autoren krampfhaft versucht hätten, bei allem das “Haar in der Suppe” zu finden und so dem Leser ein wenig die Vorfreude auf den Urlaub rauben. So schlimm fanden wir es dann doch nicht - ein gewisser Zynismus klingt hier und da aber in der Tat durch.

Der “Vis-à-Vis” ist kompakter gehalten, ohne jedoch oberflächlich zu sein. Zu jeder Region gibt es hier ein eigenes, farblich gekennzeichnetes Kapitel. Nach einer Einleitung mit einer Übersicht der Sehenswürdigkeiten werden diese auf den nachfolgenden Seiten ausführlicher beschrieben. Zu größeren Städten gibt es handgezeichnete, dreidimensionale Stadtpläne mit eingezeichneten Rundgängen; auch zu Schlössern, Museen oder Ausgrabungsstätten werden liebevoll illustrierte Grafiken angeboten. Auch Vorschläge für Ausflüge und Rundtouren fehlen nicht. Vermisst haben wir allerdings praktische Hinweise wie Restaurant-Tipps oder Informationen über Fahrpläne, Öffnungszeiten oder Eintrittspreise.

Die Kombination aus beiden Reiseführern hat für uns jedenfalls “gepasst”.